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Trotzdem – «Hauptstadt»-Brief #274

Dienstag, 30. Januar 2024 – die Themen: Verkehr, Technologie, Andreas Blum, Nachhaltigkeit, Kulturkritik.

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(Bild: Marc Brunner, Buro Destruct)

Philosophie war in ihren Ursprüngen dazu gedacht, den Menschen Orientierung zu bieten im Leben, hat mir einmal ein Bekannter erklärt. Daran musste ich denken, als ich letzte Woche eine Veranstaltung am Zürcher Philosophiefestival besuchte. «Trotzdem. Hoffnung in Krisenzeiten», lautete ihr Titel.

Einmal pro Monat publiziert die «Hauptstadt» ihre Philosophie-Kolumne. In der aktuellen Ausgabe fragt sich Kolumnist Christian Budnik während einer Hausräumung, was Personen im Kern ausmacht.

Hoffnung, so die Rednerin und Philosophieprofessorin Claudia Blöser, bestehe aus zwei Teilen: Aus dem Wunsch, dass ein Etwas eintrete – Frieden, Regenwetter, ein Jobangebot. Und aus der Überzeugung, dass es möglich, aber nicht sicher sei, dass dieses Etwas eintrete. Ein Stück weit sei es der eigenen Kontrolle entzogen.

Hoffnung müsse deswegen aber nicht zu Passivität führen. Wer tatenlos auf die Wunscherfüllung hoffe, verkenne den eigenen Einflussbereich. Was letztlich der Gemeinschaft schade.

Claudia Blöser versteht die Hoffnung als Tugend, die über das Individuum hinausreicht – als Mittel, das zum gesellschaftspolitischen Zusammenleben beiträgt.

So verstanden, teilen alle Menschen die Aufgabe, Hoffnung zu kultivieren. Als Haltung, als Positionierung gegenüber einer ungewissen Zukunft. Ohne sich der Illusion hinzugeben, alles kontrollieren zu können, und ohne den eigenen Einflussbereich zu verkennen. Um weiterzumachen, trotzdem.

Einmal pro Monat publiziert die «Hauptstadt» ihre Philosophie-Kolumne. In der aktuellen Ausgabe fragt sich Kolumnist Christian Budnik während einer Hausräumung, was Personen im Kern ausmacht.

“Don Calypso” (Ruedi Hubacher) posiert für ein 8x10 Polaroid am 11. September 2023 im Restaurant Calypso in Bern.
Photo: Stefan Wermuth

Was bedeutet für dich Bern?
Bern ist für mich mein Calypso, all meine Freunde sind hier. Ich bin gerne da und bleibe auch.
«Don Calypso» (Ruedi Hubacher) sagt: «Bern ist für mich mein Calypso, all meine Freunde sind hier. Ich bin gerne da und bleibe auch.» (Bild: Stefan Wermuth)
  • Verkehr: Der autobahnkritische Verein Spurwechsel will heute Vormittag bei der Stadt seine Initiative gegen die Umgestaltung des Autobahnknotens Wankdorf einreichen. Über 6’000 Unterschriften seien zusammengekommen in den letzten drei Monaten, schreibt der Verein in einer Medienmitteilung. Die Initiative soll die Stadtregierung zwingen, Autobahnprojekte zu bekämpfen, wenn sie zu Mehrverkehr führen. Die offizielle Kosten-Nutzen-Analyse, die von der «Hauptstadt» publik gemacht wurde, zeigt, dass der Umbau des Knotens Mehrverkehr erzeugt.
  • Technologie: Im Februar will Apple in den USA eine Brille auf den Markt bringen, mit der analoge und digitale Welt verschmelzen. Auch in Bern wird an Computerbrillen getüftelt: Zwei ETH-Absolventen entwickeln eine Brille, welche «die Zusammenarbeit von Menschen einmal grundlegend verändern» soll, wie mein Kollege Nicolai Morawitz beim Besuch des Startups in der Marktgasse erfahren hat.
  • Todesfall: Der frühere Radiodirektor Andreas Blum ist am Freitag 85-jährig gestorben. 1974 wurde der SP-Politiker in den Grossen Rat des Kantons Bern gewählt, ein Jahr später wechselte er in den Nationalrat. 1979 übernahm er die Direktion des damaligen Radio DRS. Ausserdem war er als Schauspieler tätig und gehörte in den 1960er und 1970er Jahren im Modernen Fünfkampf zur Schweizer Spitze.
  • Nachhaltigkeit: Seit letztem August können auf den beiden Entsorgungshöfen der Stadt Bern Alltagsgegenstände gespendet werden, die noch funktionieren oder nur leicht defekt sind. Als Pilotprojekt gestartet, wird das Angebot nun dauerhaft eingeführt, wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt. Über 600 Gegenstände, mehrheitlich in einem guten Zustand, sind seit Beginn gespendet worden. Das Arbeitsintegrationsunternehmen Drahtesel verkauft die geputzten oder reparierten Sachen über die Onlineplattform Ricardo.
  • Kulturkritik: «I wett, i chönnt Französisch» heisst das dritte Buch des Bieler Autors Sebastian Steffen. Wie ein seltsam erzählter Detektiv-Roman wirke es stellenweise, schreibt mein Kollege Linus Küng in seiner Rezension. Das Werk erinnert ihn an True Crime, geschrieben in Versform.

PS: Monda Futura, selbsternanntes «Institut für eine lebenswerte Zukunft», will gemeinsam mit der Bevölkerung eine Vision für das Jahr 2073 entwickeln. Morgen Mittwoch findet um 18 Uhr im Berner Generationenhaus eine Veranstaltung statt, an der Gedanken und Ideen gesammelt werden.

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