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«Die ersten Stuten kaufte ich mit meinem Sackgeld»

Fotoporträt #14. Als Dreizehnjähriger überrumpelte er seine Eltern mit dem Kauf von drei Alpakas. Heute führt Andreas Rüedi (34) in Ortschwaben einen Alpaka-Hof mit über 100 Tieren.

Andreas Rüedi und Familie
Alpakahof
Ortschwaben
© Danielle Liniger
Kennt seine Alpakas alle beim Namen: Andreas Rüedi. (Bild: Danielle Liniger)

«Meine ersten Alpakas hatte ich als Dreizehnjähriger. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Meine Eltern sagten mir, ich solle ein Tier aussuchen, damit ich weniger vor dem Fernseher sitze. In der Tierwelt fand ich eine Anzeige für Alpakas. Ich wusste nicht, was das ist. Ich googelte, fand ein Bild – und es war Liebe auf den ersten Blick. Also rief ich bei dieser Kontaktanzeige an und reservierte drei Alpakas. Ich sagte meinem Vater: Komm, wir müssen die abholen. Meine Eltern waren leicht überrumpelt, aber da wir ja Stall und Weide hatten, fuhren sie mit mir ins Luzernische und holten die drei Tiere.

Sie waren wild und auch noch nicht so schön. Das eine war ein ehemaliges Zirkustier. Sie waren sich Menschen als fürsorgliche Partner nicht gewöhnt. Ich pflegte sie, brachte ihnen bei, am Halfter zu laufen. Wenn ich von der Schule heimkam, musste ich misten. Einem lernte ich, am Wagen zu laufen und links und rechts abzubiegen. Alpakas sind sehr vielseitige Tiere. Heute habe ich aber für solche Dressur-Aktionen keine Zeit mehr.

Noch während der Schulzeit kaufte ich mit meinem Sackgeld meine ersten beiden Stuten. Ich brachte sie zu einem Hengst, es gab erste Junge, und so ging das dann zwanzig Jahre lang weiter. Ich lernte auch das Scheren, und bald wurde ich von anderen Alpaka-Besitzern angefragt, um ihre Tiere zu scheren.

Andreas Rüedi und Familie
Alpakahof
Ortschwaben
© Danielle Liniger
Die Alpakas sind Teil von Andreas Rüedis Familie. (Bild: Danielle Liniger)

Heute haben wir über 100 Alpakas. Wir kennen sie alle beim Namen. Sarah und ich haben uns nach der Hochzeit entschieden, den Hof meiner Eltern weiterzuführen. Hier können wir unsere Leidenschaft für die Alpakazucht ausleben. Es ist schön, das als Familie tun zu können. So, wie ich mit Kälbern aufgewachsen bin, wachsen unsere drei Kinder mit Alpakas auf. Sie haben alle ein Alpaka zur Geburt bekommen.

Wir züchten die Tiere primär für die Wolle. Einmal pro Jahr scheren wir sie. Aus der Wolle machen wir Mützen, Socken, Duvets, Filzpantoffeln, Frottierwäsche, Seife, Deo, Handcreme. Dieses Jahr beginnen wir damit, die Wolle selbst zu verarbeiten. Wir haben uns dafür eigene Maschinen angeschafft. Das war eine grosse Investition. Jetzt müssen wir lernen, die Maschinen zu bedienen.

Ausserdem bieten wir Alpaka-Spaziergänge an. Die Besucher*innen können sich dafür ein Tier auswählen. Meistens fällt die Wahl auf eines, das einen ähnlichen Charakter hat wie sie selbst. Jedes Alpaka ist einzigartig. Besonders ruhige und sanftmütige Tiere nehmen wir auch mit zu Alpaka-Visiten in Altersheimen. Bettlägerige Menschen besuchen wir mit den Tieren sogar in ihren Zimmern.»

Andreas Rüedi und Familie
Alpakahof
Ortschwaben
© Danielle Liniger
Jedes Alpaka ist einzigartig, sagt Andreas Rüedi. (Bild: Danielle Liniger)
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