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Andreas Rickenbacher, Profi-Verwaltungsrat

Der frühere SP-Regierungsrat Andreas Rickenbacher soll Verwaltungsrat bei der Swatch Group werden. Er ist einer von mehreren Linken, die in Bern in der Wirtschaft Karriere machen.

Andreas-Rickenbacher
(Bild: Matthias Käser (ajour))

Als er Berner Regierungsrat (2006 bis 2016) war, arbeitete sich der Seeländer Andreas Rickenbacher am Image des Kantons Bern ab. Er konnte sich sehr darüber ärgern, wie der mit 70’000 Unternehmen grösste Industriekanton der Schweiz dargestellt wurde – als träger Profiteur, der von dynamischeren Kantonen pro Jahr über eine Milliarde Franken aus dem Lastenausgleich bezog. Er selbst hatte als linker Volkswirtschaftsdirektor ein anderes Bild, er sah viel wirtschaftliches Potenzial. Vor allem auf sein erfolgreiches Lobbyieren geht es zurück, dass es in Biel seit 2021 einen Innovationspark des Bundes gibt.

Heute bezieht der Kanton Bern immer noch über eine Milliarde Franken pro Jahr aus dem Lastenausgleich. Andreas Rickenbacher aber ist in den letzten zehn Jahren durchgestartet. «Ich habe gehört, dass mein Profil in der Wirtschaft gesucht ist», sagte er schon selbstbewusst, als er 2016 seinen Rücktritt aus der Kantonsregierung bekanntgab. Rickenbacher, Vater zweier Töchter, machte sich selbständig, wurde Profi-Verwaltungsrat und Berater mit guten Verbindungen in die USA. Seine Aktivitätspalette ist gross: Er amtet als Vizepräsident des Energieversorgers BKW, Stiftungsratspräsident von Switzerland Innovation, sitzt im Verwaltungsrat des weltweit führenden Spezialfahrzeugherstellers Aebi Schmidt in Zürich, präsidiert die Unfallversicherung Suva und ist Vizepräsident der Lauberhorn-Skirennen in Wengen.

Diese Woche ist nun der Ritterschlag erfolgt: Die Familie Hayek portiert ihn für die Aktionärsversammlung vom 12. Mai zur Wahl in den Swatch-Verwaltungsrat. Rickenbacher, der gestern Freitag 58-jährig wurde, soll helfen, den aufsässigen Swatch-Aktionär Steven Wood zu besänftigen, der mehr jüngere und von den Hayeks unabhängige Verwaltungsrät*innen fordert.

Rickenbacher ist ein weiteres Beispiel dafür, dass im bürgerlich dominierten Kanton Bern auffallend viele rot-grüne Ex-Politiker*innen als fähig erachtet werden, einflussreiche Positionen in der Wirtschaft zu übernehmen. Barbara Egger, frühere SP-Regierungsrätin, präsidiert den Verwaltungsrat der Kraftwerke Oberhasli (KWO), Bernhard Pulver, grüner Alt-Regierungsrat, wurde 2018 Verwaltungsratspräsident der Insel Gruppe, wo er Ende 2025 abtrat. In wenigen Monaten hört SP-Regierungsrat Christoph Ammann (56) auf, der bereits jetzt im Bankrat der Schweizerischen Nationalbank sitzt. Die Frage stellt sich: Welches Verwaltungsratsmandat der Berner Wirtschaft wartet auf ihn?

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