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Die Könizer Agentur, die für drei Parteien arbeitet

Mitte, GLP und FDP lassen ihre Kampagnen für die kantonalen Parlamentswahlen von derselben Könizer Agentur gestalten – trotz politischer Konkurrenz.

Pascal Rub fotografiert am Montag, 26. Januar 2026 in Koeniz. (VOLLTOLL / Manuel Lopez)
Geschäftsführer Pascal Rub, die von ihm geführte Agentur rubmedia berät im Wahlkampf gleich mehrere Parteien. (Bild: Manuel Lopez)

Ihre unterschiedlichen Plakate hängen in denselben Strassen, die Flyer landen in den gleichen Briefkästen – doch was die Wähler*innen nicht wissen: Hinter den Wahlkampfmaterialien von gleich drei Parteien steht ein und dieselbe Werbeagentur. Rubmedia aus Köniz betreut im Grossrats-Wahlkampf die Mitte, die Grünliberalen und die FDP.

Während sich diese Parteien nicht überall auf Listenverbindungen einigen konnten, waren sie sich offenbar in der Frage einig, wer ihren Wahlkampf steuern soll. Eine gemeinsame Werbeagentur, getrennte Strategien – kann das funktionieren?

Agentur versichert strikte Trennung

Rubmedia-Geschäftsführer Pascal Rub bestätigt gegenüber der «Hauptstadt», dass seine Agentur mehrere Parteien im Wahlkampf berät und begleitet. Mitte, GLP und FDP haben je eine eigene Projektleitung. Die damit beauftragte Person arbeite exklusiv für diese Partei. 

Wahlstrategien oder vertrauliche Parteiinterna würden intern nicht geteilt. «Für unsere Kundschaft ist es kein Geheimnis, dass wir mehrere Mandate betreuen. Sie setzen auf uns, weil wir im Kanton die wahlkampferfahrenste und personalmässig grösste Agentur sind», so Geschäftsführer Rub. Die Parteiprogramme und -strategien würden nicht durch seine Agentur erarbeitet oder beeinflusst. «Wir setzen diese kreativ und kommunikativ um.»

Man habe in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht mit Rubmedia, sagt Sibyl Eigenmann, Co-Präsidentin der Mitte Kanton Bern. Sie vertraue auf die chinesische Mauer zwischen den Mitarbeiter*innen der Agentur, die ihr versprochen worden sei.

FDP-Herz des Geschäftsführers

Während die Agentur flexibel für verschiedene Parteien arbeitet, ist das Politherz des Geschäftsführers nicht ganz so flexibel. Er ist Mitglied der FDP Münchenbuchsee, hat vor vier Jahren ohne Erfolg selbst für den Grossen Rat kandidiert. Nicht so dieses Jahr: «Wenn ich selbst Kandidat wäre, hätte ich einen Interessenskonflikt», sagt Pascal Rub gegenüber der «Hauptstadt».

Das FDP-Mandat in der Agentur betreut Tobias Frehner – der gleichzeitig auch der Wahlkampfleiter der Partei ist. Besteht da nicht ein Interessenkonflikt, wenn Beruf und Politik derart verknüpft sind? Er verneint: «Eine Trennung ist weder von der Partei noch vom Arbeitgeber gewünscht», so Frehner. Beide Seiten würden von seinem Engagement beruflich wie auch privat profitieren. Auch er tritt nicht bei den Wahlen an.

Dass die FDP sich von einer freisinnig geführten Agentur beraten lässt, klingt logisch. Doch warum lässt sich auch die GLP von Rubmedia im Wahlkampf begleiten? «Wir haben eine Ausschreibung gemacht, und Rubmedia hat diese gewonnen», sagt Casimir von Arx, Präsident der Grünliberalen Kanton Bern.

Der Preis habe mit den Ausschlag gegeben. Die GLP beziehe vor allem kreative Leistungen bei Rubmedia. «Inhalte und Konzeption unserer Kampagne hat die GLP-Geschäftsleitung definiert», so von Arx.  

SP und SVP verzichten auf Profis

Während die drei bürgerlichen Mitteparteien auf externe Beratung setzen, gehen die beiden grössten Fraktionen im Rat einen anderen Weg: Für den Grossratswahlkampf der SP wurde keine PR-Agentur angestellt, teilt SP-Parteisekretär Michael Aebersold auf Anfrage mit.

Ähnlich tönt es bei der SVP: Ihre Partei arbeite nicht mit einer Agentur zusammen, sagt Aliki Panayides, Geschäftsführerin SVP Kanton Bern. «Dafür fehlen uns die Mittel.» Bei der SVP werde alles vom Sekretariat und den Wahlkomitees in den Wahlkreisen alleine gestemmt, «meist in Zusammenarbeit mit dem lokalen Drucker».

Kampagnen im Regierungsrat

Sechs Frauen und zehn Männer kandidieren bei den Wahlen Ende März für einen Sitz im siebenköpfigen Regierungsrat. Auch hier haben sich die Parteien teilweise Hilfe von Profis für die Kampagnen geholt. 

Für die bürgerliche Liste treten neben den drei amtierenden Regierungsmitgliedern Astrid Bärtschi (Mitte), Philippe Müller (FDP) und Pierre Alain Schnegg (SVP) neu die beiden SVPler Daniel Bichsel und Raphael Lanz an. Der Wahlkampf des überparteilichen bürgerlichen Komitees wird von der Agentur Farner begleitet. Das Budget werde abhängig davon sein, wie viele Spenden eintreffen, heisst es auf Anfrage.

Rot-grün steigt mit einem Viererticket ins Rennen. Auf dieser Liste finden sich neben der bisherigen Regierungsrätin Evi Allemann (SP) die Kandidierenden Aline Trede (Grüne) Reto Müller (SP) und Hervé Gullotti (SP). Für diese Kampagne wurde die Berner Agentur Komform engagiert. Das Budget dafür liegt bei 43'000 Franken, heisst es auf Anfrage. 

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