Berner Kopf der Woche: Piet Baumgartner
«Baggerdrama», der Film des Berners Piet Baumgartner, ist für sieben Schweizer Filmpreise nominiert.
Piet Baumgartner wusste genau, was er für seinen Film «Baggerdrama» wollte. Bagger, die ein Ballett aufführen. Schwere Maschinen, die für das stehen, was mit Worten nicht ausgedrückt werden kann: Trauer, Schuldgefühle, Einsamkeit. Es sind unglaublich starke und berührende Momente, wenn die Protagonist*innen seines Films mit präzisen Fingerbewegungen die Maschinen synchrone Bewegungen ausführen lassen. Bis hin zum Öffnen eines Bierdeckels.
An einer Filmvorführung hat Baumgartner erzählt, wie er vorgegangen ist: Er habe im Spielwarengeschäft Franz Carl Weber einige Spielzeugbagger gekauft und dem Berner Baggerunternehmen, das seine Maschinen für den Film gegen eine Gage zur Verfügung stellte, vorgezeigt, was ihm vorschwebe.
Diese Woche wurde der Spielfilm an den Solothurner Filmtagen für sagenhafte sieben Schweizer Filmpreise nominiert. Darunter bester Spielfilm, bestes Drehbuch, beste Darstellerin und bester Darsteller. Mit sieben Nominationen hat «Baggerdrama» sogar den Kinohit «Heldin» ausgestochen.
Der 41-jährige Piet Baumgartner lebt heute in Zürich und Paris, stammt aber aus Rapperswil im Berner Seeland. In «Baggerdrama» arbeitet er seine Familiengeschichte auf: Baumgartners Schwester stirbt als junge Frau unerwartet, die Familie kann nicht mit dieser Leerstelle umgehen. Dazu kommt die Homosexualität von Baumgartner, ebenfalls ein Tabuthema im ländlich geprägten Milieu.
Trotz der schweren Geschichte ist der Film versöhnlich: Denn er nimmt die Menschen in ihren Haltungen – ob konservativ, offen oder verschlossen – ernst. Über zehn Jahre habe er die Idee dazu mit sich herumgetragen, sagte Piet Baumgartner letzten Frühling im «Hauptstadt»-Interview. Und schon lange sei ihm klar gewesen, dass Bagger dabei eine Rolle spielen sollten.
Ob und wie viele Preise «Baggerdrama» von Piet Baumgartner erhält, wird am 27. März bekannt. Dann findet die Preisverleihung im Kongresshaus Zürich statt.
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