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Berner Kopf der Woche: Simon Moser

Der Berner Eishockeyspieler Simon Moser, Inbegriff des bodenständigen Schwerarbeiters, musste seine langjährige Karriere diese Woche per sofort beenden. Sein Körper ist geschunden.

KDW-SimonMoser
(Bild: zvg/SC Bern)

In der Berner Eishockeywelt gibt es strenge Grenzen zwischen den Fan-Revieren des SC Bern, des EHC Biel und der Langnauer Tigers. Wer sie überschreitet, muss eine Persönlichkeit sein, die auch einstecken kann. Das ist – oder war – eine Kernkompetenz des Eishockeyspielers Simon Moser (36).

Moser wuchs im Dorf Schlosswil bei Grosshöchstetten auf. Ziemlich genau auf der imaginären Fan-Grenze zwischen Bern und Langnau. Der junge Moser spielte zuerst sechs Saisons bei den Tigers. Als die Emmentaler 2013 vorübergehend aus der höchsten Spielklasse abstiegen, wechselte Moser – nach einem Zwischenjahr in der National Hockey League in Nordamerika – zum SC Bern. Im schillernden Stadtclub arbeitete sich der notorische Chrampfer zum Leader innerhalb des Teams, aber auch zur Kultfigur bei den Fans hoch.

Moser war keiner, der sich auf dem Eis auf sein Talent verliess. Er riss die Menschen mit, weil er die Energie ausstrahlte, stets das Unmögliche möglich machen zu wollen. Einen stärkeren, eleganteren Gegner kraft des Willens niederzuringen. Oder in den letzten Spielsekunden trotz Rückstand eine Niederlage abzuwenden. Mit diesem Spirit hobelte Simon Moser am rechten Flügel der Bande entlang, stellte sich Bodychecks und warf sich in abgefeuerte Pucks. Die Liste seiner Verletzungen ist lang, die Liste seiner Erfolge jedoch auch. Moser wurde mit dem SCB dreimal Schweizer Meister, mit der Nationalmannschaft holte er zweimal eine WM-Silbermedaille.

Simon Moser verstand sich nicht als exklusiver Spitzensportler, sondern als Teil einer Community. Er gab immer Auskunft, auch wenn der SCB – wie öfters – tief in der Krise steckte. Moser formuliert seine Sätze bedächtig und knapp. Dass Rücken und Hüfte, von seinem Hockey-Stil lädiert, sein Leben als Profi-Eishockeyspieler von heute auf morgen beenden, erklärt er in einem Youtube-Video in einer Minute. Dass er sich einer Operation unterziehen musste, erwähnt er nicht einmal.

Die Rückennummer auf seinem Leibchen – es ist die 21 – vergibt der SC Bern in den nächsten fünf Jahren nicht. Das ist die offizielle Ernennung zur Legende in der SCB-Welt.

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