Hauptstadt-Avatar ohne Kreis, Logo

New Orleans liegt in der Lorraine

Im Bayou gibt es Grilladen. Zum Glück ist das Lokal trotzdem nicht nur für Fleischesser*innen, findet Gastro-Kritikerin Claudia Salzmann.

DSCF0906
Schmeckt auch Fleischesser*innen gut: Im Apfelessig geschmorter Spitzkohl. (Bild: Claudia Salzmann)

An der Lorrainestrasse haben Alteingesessene wie der Wartsaal oder die Werkstadt Zuwachs bekommen. Das neueste Kind heisst Bayou. Das Restaurant hat das Kellerlokal vom Vorgänger Glückskeks übernommen. Das Konzept: ein Grilllokal im Stile von New Orleans. Doch zum Glück wird Grill hier nicht nur mit Fleisch verbunden.

Das Beizli wurde renoviert, in sanftem Himmelblau gestrichen, Mobiliar ausgetauscht und eine Sitzbank dominiert den Raum. Die Holzwände erinnern mich an die schummrigen Musikbars der Hafenstadt New Orleans, wo jeden Abend Musiker*innen an Gitarren zupfen, mit geölten Stimmen, das Waschbrett auf den Beinen. Die Hafenstadt liegt am Mississippi, wo es einige stillgelegte Flussarme gibt. Diese nennt man Bayou, namensgebend für das Lokal in der Lorraine. Der Küchenchef Robin Zurbrügg ist Amerikaner und hat mehrere Jahre in New Orleans gekocht. 

Gemüse ist nicht nur Beilage

Die Kellnerin und Mitinhaberin Joana Schertenleib bringt uns die Cocktailkarte, berät uns kurz für den passenden Drink (ein Vieux Carré für 16 Fr.) und ein Glas Prosecco (für unglaubliche 6.50 Fr.). Wir bestellen geschmorten Spitzkohl (19 Fr.), grillierte Randen (14 Fr.) und Schweine-Rippchen (29 Fr.) und Mac’n’Cheese (9 Fr.). Die zarten Randen sind mit frittierten Schalottenringli und Minze getoppt, was wunderbar passt. Der Kohl wird im Apfelessig im Ofen geschmort und mit einer raffinierten Morchel-Rahm-Sauce serviert. Wir stossen mit einem amerikanischen Pale Ale der Marke Sierra Nevada (7.50 Fr.) an: Das Gemüse ist wirklich nicht nur Beilage, sondern schmeckt richtig gut. 

Dann kommen die Rips, die mit Frühlingszwiebeln und Mandarinen bedeckt sind. Das zarte Fleisch sitzt noch locker am Knochen, wir jubilieren: Man darf Hand anlegen, mit den Fingern essen und mit den Zähnen das Fleisch abgnagen. Und am Schluss die Finger abschlecken, als wäre man daheim in der eigenen Küche. Genau so fühlen wir uns, genau das tun wir. Und schwärmen noch beim Rausgehen über die feine Grillküche aus New Orleans.

Ohne Dich geht es nicht

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Das unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Das geht nur dank den Hauptstädter*innen. Sie wissen, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht und ermöglichen so leser*innenfinanzierten und unabhängigen Berner Journalismus. Dafür sind wir sehr dankbar. Mittlerweile sind 2’700 Menschen dabei. Damit wir auch in Zukunft noch professionellen Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 3’000 – und mit deiner Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die «Hauptstadt» und für die Zukunft des Berner Journalismus. Mit nur 10 Franken pro Monat bist du dabei!

tracking pixel