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Spitäler, Bildungsinitiative, Skifahren

News vom Samstag – Hauptstadt-Brief #562

Hauptstadt-Brief Spiegelei weiss
(Bild: Marc Brunner)

Die Asylzahlen im Kanton Bern seien auf hohem Niveau stabil, verkündete Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP) gestern an der Jahres-Medienkonferenz seiner Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI). 16’500 Personen sind momentan Teil des kantonalen Asylsystems, das sind rund doppelt so viele wie vor dem Ukrainekrieg. Die besondere Lage im Asylwesen wurde aber auf Ende 2025 aufgehoben. 

Schnegg (63), seit zehn Jahren im Amt, führt eine riesige Direktion. Sie umfasst Spitäler, Asylzentren, Sozialdienste, aber auch diverse Projekte zur Arbeitsintegration. Vor den Medien bilanzierte er, was er in den letzten zehn Jahren alles angestossen, verändert und erreicht hat – auch im Hinblick darauf, dass in zwei Monaten Wahlen sind und er eine weitere vierjährige Amtsperiode anhängen möchte.

Gestern besonders aufgefallen ist mir Daniel Arn. Er leitet in der Direktion Schnegg das Digital Management und führte das Führungscockpit vor. Das ist ein Management-Instrument, das von Pierre Alain Schnegg angestossen worden sei, wie Daniel Arn mir am Rande der Medienkonferenz erzählt hat. An einem von Arns ersten Arbeitstagen vor neun Jahren habe Schnegg ihm gesagt: In seiner IT-Firma habe er jeden Morgen die aktuellen Kennzahlen auf den Bildschirm gekriegt, das wolle er für seine kantonale Direktion auch. 

Und er erhielt es. Im Führungscockpit werden heute laufend Daten aus 15 verschiedenen Applikationen zusammengetragen, die Schnegg zum Arbeitsstart abchecken kann. Es liefert ihm und seiner Direktion seit 2020 tagesaktuelle Zahlen und ist auf immer mehr Bereiche ausgeweitet worden. Wie viele Plätze in Asylzentren bietet der Kanton momentan an? Wie viele davon sind besetzt? Aber auch: Grafiken, die den Schweregrad hospitalisierter Fälle mit den Anzahl Tagen im Spital in Zusammenhang bringen. Vor den Medien zeigte Arn auf die Grafik: «Sehen Sie, die Fälle bleiben gleich schwer, aber die Anzahl Spitaltage nimmt gleichzeitig ab.» Das sei ein Hinweis darauf, dass die Spitäler effizienter arbeiten würden.

Schnegg, ursprünglich Unternehmer, führt seine Direktion streng nach Zahlen. Als nächstes werden die Daten zum neuen Fallführungssystem im Sozialbereich (NFFS), dessen Einführung in den Sozialdiensten der Gemeinden noch hinkt, in sein Führungscockpit integriert.

Zahlen helfen zu steuern. Sie liefern Entscheidgrundlagen, man kann mit ihnen argumentieren. Das ist besonders bei knappen Finanzen wichtig. Entscheidend ist aber, dass vor lauter Zahlen nicht die weichen Faktoren ausser acht gelassen werden: Denn wem nützt ein effizientes Spital, dem die qualifizierten Angestellten davonlaufen?

Foto: Zamir Loshi, 22.11.2025, Riedereflue oberhalb von Heimberg (CH) Reiten im Winter
Bilderserie von Samir Loshi (11/12): Riedereflue oberhalb von Heimberg. Reiten im Winter. (Bild: Zamir Loshi)

Und das ist auch noch wichtig:

  • Spitäler: Eine gute Botschaft verkündete GSI-Direktor Pierre Alain Schnegg gestern von den Spitälern. Inzwischen hätten sich alle Spitäler, die im Besitz des Kantons seien, finanziell erholt. Namentlich auch die Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPD), die 2024 einen Rettungsschirm des Kantons hatten in Anspruch nehmen müssen.
  • Klassik: Mihaela Hogendoorn steht im Berner Symphonieorchester an der Pauke. Die Musikerin spielt so konzentriert und energetisch, dass sie meinem Kollegen Jürg Steiner bei seinen vielen Konzertbesuchen aufgefallen ist. Wie macht sie das? Und warum spürt sie drinnen, wenn draussen das Wetter ändert? Das kannst du im fulminanten «Hauptstadt»-Porträt lesen.
  • Bildungsinitiative: Die vorberatende Kommission des Grossen Rats lehnt die Bildungsinitiative ab. Auf einen Gegenvorschlag verzichtet sie und folgt damit dem Regierungsrat. Der Entscheid gegen das Begehren fiel laut Kommissionspräsident Andreas Schüpbach (SVP/Huttwil) äusserst knapp mit 9 zu 8 Stimmen. Der Grosse Rat befasst sich in der März-Session mit der Vorlage, die vom Berufsverband Bildung Bern und einem Dutzend weiterer Organisationen eingereicht worden ist. Die Initiative verlangt, dass Kanton und Gemeinden in der Verfassung zur Sicherstellung einer hohen Bildungsqualität verpflichtet werden. Die Kommissionsmehrheit findet, die Anliegen seien heute bereits genug geregelt. Das letzte Wort wird das Volk haben.
  • Skifahren: Der Konsumentenschutz kritisiert die dynamischen Skipreise als intransparent und unfair. Explizit untersucht wurde dabei auch das Skigebiet Gstaad. Dort sind die Minimalpreise für ein Tagesticket in dieser Saison um 20 Franken auf 69 Franken angehoben worden. Der Maximalpreis beträgt 84 Franken pro Tag. Zudem ist nicht deklariert, wie viele Tickets zum günstigsten Preis überhaupt angeboten werden. Immerhin: Viele der untersuchten Skigebiete legen im Gegensatz zu Gstaad nicht einmal die Maximalpreise fest. Schwierig an dieser Entwicklung findet Konsumentenschützerin Sara Stalder zudem, dass in den meisten Skigebieten – so auch in Gstaad – im Voraus gekaufte Tickets weder im Krankheitsfall noch bei eingeschränktem Betrieb umgetauscht oder rückerstattet werden können.
  • Talk mit der Stadtpräsidentin: Welche Frage wolltest du schon immer an die Berner Stadtpräsidentin Marieke Kruit (SP) stellen? Jetzt ist deine Gelegenheit! Am Dienstag, 10. Februar (19.30 Uhr, Kleine Bühne im Progr, Eintritt frei, Kollekte) holt die «Hauptstadt» den Hauptsachen-Talk mit Kruit nach. Ursprünglich war dieser Talk bereits für letzten November angesetzt, musste aber wegen eines Todesfalls in der Familie von Marieke Kruit verschoben werden.
  • Ausbau: Die «Hauptstadt» baut ab Ende Januar ihre Berichterstattung aus. Wir lancieren das neue Abo Plus und werden künftig vermehrt Themen aus dem ganzen Kanton Bern und der Berner Wirtschaft im «Hauptstadt»-Stil publizieren: so verständlich, kompetent und konstruktiv wie möglich. Wir können das tun, weil wir in unseren ersten vier Jahren sorgfältig gewirtschaftet und effizient gearbeitet haben. Vor allem aber, weil wir von einer treuen Community getragen werden, zu der du gehörst. Vielen Dank! Wir stürzen uns mit grosser Freude in dieses Abenteuer. Stösst du mit uns darauf an? Am Mittwoch, 28. Januar, ab 18.30 Uhr laden wir zur Lancierungs-Party im Sous Soul an der Spitalgasse in Bern, die Vernissage, Talk-Abend und Apéro in einem ist. Anmeldung braucht es keine. Wir freuen uns sehr, wenn du dabei bist!

PS: Der Animationsfilm «Karies» (2025) der Bernerin Aline Höchli begleitet eine weise Figur, die sich im Mund eines Fernsehmoderators zu schaffen macht. Der 10-minütige Film wurde schon an zahlreichen Festivals weltweit gezeigt. Nun läuft er im Animationsfilm-Wettbewerb an den Solothurner Filmtagen (zum Beispiel heute, 14:45 Uhr) und nächste Woche erstmals auch in Bern: Am «Best of Fantoche» am Samstag, 31.1., 20.30 Uhr in der Berner Cinématte.

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