Ohne zündende Idee
1:6 verlieren die YB-Fussballer im Wankdorf gegen Atalanta Bergamo. An Passion fehlte es nicht. Aber an Ideen, wie die Bilder von Fotograf Simon Boschi zeigen.
«I han es Zündhölzli azündt, und das het e Flamme gäh», sang einst der legendäre Liedermacher Mani Matter. Er beschrieb ironisch, wie ein kleines Feuer die ganze Welt entflammen könnte. Das riesige Zündhölzli-Transparent, das die YB-Fans zum Champions-League-Match gegen Atalanta Bergamo in die Höhe hielten, war wohl anders gemeint: Das innere Feuer, die Auflehnung gegen das Unvermeidliche, der Glaube an die eigene Idee – das, so wünschten sie sich, sollten die YB-Spieler auf dem Rasen vorleben.
Die Spieler der Young Boys wollten ihr Feuer entfachen. Sie rannten sich die Seele aus dem Leib dafür. Und doch loderte die Flamme nur ein paar Minuten. Schon in der Startviertelstunde schoss Atalanta Bergamo das 1:0, und YB reagierte wie ein gereizter Tiger: Silvere Ganvoula erzielte nur Minuten später den Ausgleich.
Es blieb der einzige nennenswerte Torschuss von YB. Bergamo, dessen Champions-League-Heimspiel gegen Valencia im Frühjahr 2020 als Verbreitungsevent für Covid berühmt wurde, fühlte sich «auf einem Spaziergang in Bern». So beschreibt die Zeitung «La Repubblica» den Match. Und: «Atalanta übertreibt: Young Boys mit 6:1 überfahren.»
Die Entschlossenheit, mit der die Spieler von Atalanta auch nach dem 6:1 weiterspielten, sei beeindruckend gewesen, sagte YB-Trainer Joël Magnin. Seine Mannschaft hingegen reihte Fehler an Fehler. Von YB und dem Berner Fussballstolz, der sich nach fünf Meistertiteln in sechs Jahren robust angefühlt hatte, ist gerade nicht mehr viel übrig.
«Erfolg ist, von Misserfolg zu Misserfolg zu gehen, ohne den Enthusiasmus zu verlieren», soll der frühere englische Premierminister Winston Churchill einst gesagt haben. Aus den empathischen Bildern von Fotograf Simon Boschi, der den für YB bitteren Match für «live.it» verfolgt hat, lässt sich dieser tröstliche Gedanke herauslesen.