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Wankdorf Spezial

Zmittag im Wankdorf

Die «Hauptstadt» ist vom 9. bis 13. März im Wankdorf zu Gast und testet über Mittag das Gastro-Angebot vor Ort.

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Im Inneren der Sandwiches mit Safranbrot verbirgt sich bei den Firechefs unter anderem gezupftes Schweinefleisch. (Bild: Nicolai Morawitz)

Firechefs Foodtruck: Bunte Sandwiches, knackige Randen, süsses Chicken

Foodtrucks scheue ich eigentlich wie der Teufel das Weihwasser. Schon die Versuchsanordnung finde ich schwierig: Schlange stehen vor einem Camion, «von oben herab» bedient werden und am Ende landet das entweder siedend heisse oder bereits nah am Gefrierpunkt befindliche Essen ganz sicher auf dem Hemd. Vom Verpackungsmüll ganz zu schweigen. Doch auch ich bin ein Kind meiner Zeit: Im Wankdorf-Quartier führt kein Weg am Foodtruck-Trend vorbei. Wer nicht in einer Betriebskantine oder beim feinen Freibank (siehe Rezension unten) speisen will, landet bei den Firechefs und ihrem Mampf-Mobil. Um es kurz zu machen: Wenn schon Truck-Futter futtern, dann hier. 

Wir bestellen verschiedene Sandwiches (15 Franken) und dazu Coleslaw-Salat für fünf Franken. Meine deutsche Oma sagte dazu noch «Krautsalat», aber die stand, wenn überhaupt, nur kurz nach Kriegsende vor Trucks Schlange. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.

Zurück zu den Firechef-Speisen: Das Brot der Sandwiches ist leicht gelb gefärbt – sogenannte Cuchaules mit Safran, eine Freiburger Spezialität. Ich bin ein grosser Fan dieses Gebäcks, aber hier finde ich es fast ungerecht, dass es sich den Platz auf meinen Geschmacksknospen mit Pulled Pork, Senfsauce und eingelegten Zwiebeln teilen muss. Ein Kollege sieht das anders: Er findet das weiche Brioche-Cuchaule sei gerade die richtige Voraussetzung dafür, dass eine verzehrfähige Sandwichmasse entsteht. Es ermögliche ausserdem ein Zmittag, «ohne sich den Kiefer auszurenken» – mir fällt auf, dass im Foodtruck-Perimeter die Ansprüche nicht gerade in den Himmel wachsen.

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Die Verpackung hat Wiedererkennungswert. (Bild: Nicolai Morawitz)

In seinem vegetarischen Sandwich tummeln sich Randen: «bissig und frisch, mit erdiger Note», gibt er zu Protokoll. Er versucht mir ausserdem zu erklären, wie der Blauschimmelkäse mit ihnen harmoniert, aber es entzieht sich meiner geschmacklichen Vorstellungskraft. Freundlich stimmen ihn ausserdem die Baumnüsse und Kimchi. 

Deutlich weniger freundlich ist dagegen der Gesichtsausdruck des dritten Test-Essers in der Runde: «Zu süss» sei ihm das Chicken-Sandwich – das Ananas-Chutney im Kleingedruckten hätte ihm eine Warnung sein können. Die Aussage verliert allerdings etwas an Schärfe, oder sollte ich Süsse sagen, als er nachschiebt, dass er am liebsten Cheeseburger bei McDonalds esse. «Jeder nach seiner Façon», hätte Oma gesagt.

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Ist es Wasabi oder doch Meerrettich? Die Schärfe des Krautsalats macht neugierig. (Bild: Nicolai Morawitz)

Testesser Nummer drei hat auf jeden Fall noch Hunger, was auch daran liegt, dass er keinen Coleslaw bestellt hat. Der hat reichlich Joghurtdressing, wird im Kolleg*innenkreis aber nicht als «übermässig schwer» wahrgenommen. Die Wasabi ähnliche Schärfe weiss zu überzeugen. Ebenso der in Thun abgefüllte Eistee Minze-Holunder, den sich ein Kollege gönnt. 

Minze-Holunder hätte Oma bestimmt auch gemocht.

(Text: Nicolai Morawitz)

Freibank: Rindsstreifen, Tatar und viel Bärlauch

Wenn man wie viele im Wankdorf in einem dieser grossen Büroblöcke an Bildschirmen mit blitzschneller Internetverbindung arbeitet, bewegt man sich in einer reibungslosen Zukunft, wo Zeit und Raum scheinbar an Bedeutung verloren haben. Sogar das Zmittag kann effizient, vergünstigt, mit Badge bezahl- und in Finken erreichbar stattfinden.

Eine Gruppe der «Hauptstadt» entflieht der sterilen Umgebung und landet im Restaurant «Freibank» am Ende der Wankdorfallee: Von den Büros gerade so weit weg, dass man im Regen nach dem Lunch nass würde. Und nah genug, dass die Lunchpause das Gleitzeitkonto nicht über Gebühr belastet.

Das Lokal ist über die Quartiergrenzen hinaus bekannt und beliebt. Und dies zu Recht. Anders als die komfortable Zukunft spielt hier die laufend erarbeitete Gegenwart. Gewürzt mit ungeschönt erinnerter Vergangenheit.

Für Letztere sorgen die Räumlichkeiten im Vintage Industrial Chic, die ans riesige Schlachthofareal erinnern, auf dem bis zur Jahrtausendwende gemetzget wurde. Die heutige «Freibank», 1912 gebaut und denkmalgeschützt, war Eingangspforte und Waaghaus.

Als Besucher*in ist man aber sofort im Moment. Zur Mittagszeit duftet es nach getoastetem Brot, die Plätze sind gut besetzt, das Personal auf Zack und aus der Küche kommt saisonal Bärlauch. Wir bestellen: Rindsstreifen mit Bratkartoffeln (24 Franken) , Bärlauch-Ravioli (22 Franken) und Rindstatar (26.50 Franken die kleine Portion). Dazu Menüsalat oder -suppe (je 4.50 Franken).

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Spricht auch das Auge an: die Menüsuppe mit Randen und Bärlauch. (Bild: Joël Widmer)

Letztere besteht vornehmlich aus Randen und verfügt gemäss dem Feinschmecker der Runde über einen cremigen Grundgout mit würziger Bärlauchspitze. Auch der zweite Suppenesser – gemäss eigenen Angaben ein grosser Bärlauch-Skeptiker – ist angetan von der Kombination. Er findet ihn «so okay». Die Sauce des Menüsalats ist auf der süssen Seite des Spektrums und macht die gemischten Blätter mit den gerösteten und gesalzenen Kernen ebenfalls zu einem genussvollen Vorgeschmack auf den Hauptgang.

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Liebevoll angerichtet: das Rindstatar. (Bild: Joël Widmer)

Dieser folgt umgehend und ist bemerkenswert liebevoll angerichtet – die Tatar-Esserin findet die Farbkombination vor ihren Augen gar «wahnsinnig schön». Die Sauce ist rassig und der Geschmack steht der Optik dem Vernehmen nach in nichts nach. Über die Bärlauch-Ravioli vermeldet der Feinschmecker: Die Füllung erscheine ihm zwar etwas brav, doch die Akustik der Bärlauch-Würze, welche die eigentliche Musik spiele, sei so angenehm, dass sie während und nach dem Mahl ein anständiges Gespräch ermögliche.

Auch die Geschmacksvielfalt der sautierten Rindsstreifen (parfaitement à point) von Hofers aus Rüedisbach zusammen mit den gebratenen Härdöpfeln (veramente al dente) und den glasierten Rüebli, (sie würden gerne zwischen den Zähnen zergehen), zerrt die Esser*innen aus dem Bürotag. Denn dazu reizt eine pieksende Bärlauch-Salsa den Gaumen.

Die Preise fürs Mittagessen – mit hausgemachtem Eistee bei über 30 Franken – sind für Journalist*innen ohne Büro-Badges gut gewürzt, aber angesichts des Erlebnisses eine Nebensache an diesem Tag. So wie die Arbeitsstunden der zweiten Tageshälfte. (Text: Pascal Sigg)

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Auf dem SBB-Tablett serviert: Die Linsengaletten mit veganem Dip und Gemüse. (Bild: Sophie Reinhardt)

SBB-Restaurant Gira: Frische Leberli und Linsen-Taler

Am Bahnhof Wankdorf haben Post, SBB und KPT ihre grossen Hauptsitze. Von Montag bis Freitag werden hier Entscheide gefasst, die weit über die Stadt Bern hinaus Wirkung entfalten. Da ist es sicherlich von Vorteil, wenn die Mitarbeiter*innen gestärkt aus der Mittagspause zurückkehren.

Das SBB-Restaurant Gira ist öffentlich und wird von der Gastrogruppe ZFV betrieben, die neben der SBB-Kantine über 200 weitere Personalrestaurants im ganzen Land führt. An diesem Mittag ist das SBB-Lokal um 12.20 Uhr fast voll besetzt, mehrheitlich von Menschen, die den SBB-Badge am Gürtel tragen. Der Geräuschpegel ist ziemlich hoch. 

Auf der Menu-Karte wird als «Chef's Choice» Kalbsleberli mit Rösti (18.50 Franken für Mitarbeitende, 19.90 Franken für externe Gäste) angeboten. Weil sich für diese Auswahl die längste Schlange bildet, reiht sich die «Hauptstadt»-Redaktorin hier ein. Das Vegimenu mit Linsen-Talern findet an diesem Mittag deutlich weniger Anklang. 

Die Serviertabletts sind mit SBB-Fahrplänen bedruckt – darunter sind aber auch Zuglinien der BLS zu finden Ansonsten merkt man kaum, dass man hier bei den Bundesbahnen zu Gast ist.

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Die Leberli sind saftig und fein. (Bild: Sophie Reinhardt)

Die Leberli werden frisch vor den Augen der Wartenden angebraten, was die Essensausgabe merklich verzögert – wofür sich der Koch bei jedem Gast einzeln entschuldigt. Das Warten aber lohnt sich: Die Leberli sind butterzart, der Garpunkt perfekt getroffen. Die dazu gereichte Rösti ist für Berner*innen etwas wenig knusprig, und das Gemüse erfüllt klar die Rolle einer Beilage. Die Portion ist jedoch derart grosszügig, dass die Testerin nach dem Essen sich am liebsten unter den Bürotisch gerollt hätte – und das, ohne die Leberli aufgegessen zu haben. 

Die ZFV-Gruppe weist bei jeder Menüwahl auf Klimawirkung und Ausgewogenheit hin. Die Leberli schneiden beim Klima schlecht ab – was die SBB-Angestellten an diesem Mittag allerdings wenig zu kümmern scheint. Ebenfalls auf der Karte an diesem Tag: ein Schweinssteak  der Caesar Salat mit Poulet, Speck und Ei.

Die vegetarische Auswahl ist an diesem Mittag bescheiden: Die vegetarische Begleitung hätte sich gerne vom warmen Buffet ihr Zmittag geschöpft, doch auch die Capuns entpuppen sich als fleischhaltig. So fällt die Wahl auf die Linsen-Taler, die mit einem veganen Schnittlauch-Dip serviert werden – ohne diesen wären die Linsengaletten etwas trocken, aber geschmacklich fein, findet die Begleitung. Bei den im Mischgemüse enthaltenen Spargeln fragen wir uns unwillkürlich, woher sie stammen – kaum aus einer Region, die per SBB-Linie erreichbar wäre. Das Gericht trägt das Siegel «Klimawirkung mittel». Geschmacklich gefällt das Mischgemüse, es hat eine angenehme Schärfe und eine Vielzahl von verschiedensten Gemüsen. Für Mitarbeitende kostet das Gericht 9.90 Franken und für Externe zu 14.90 Franken, damit ist das Vegi-Gericht in jedem Fall eine preisgünstige Option.

Bei beiden Gerichten ist ein Salat inbegriffen – zum Leberli-Menu ein Nüsslersalat mit Kernen, zum Vegi-Gericht ein Mischsalat. An beiden gibt es nichts auszusetzen, aber viel Liebe wurde da nicht reingesteckt.

Das Gira ist, was ein gutes Personalrestaurant sein soll: bodenständig, effizient und ohne grosse Umschweife. Wer hier einkehrt, sucht keine kulinarische Überraschung, sondern eine solide Stärkung für den Nachmittag – und die bekommt man hier. Ein Wermutstropfen bleibt: Während die Zugrestaurants der SBB eine veritable Auswahl an Vegi-Gerichten haben, ist das bei der Küche in Bern nicht der Fall. (Text: Sophie Reinhardt)

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Diskussion

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Franziska Wirz
13. März 2026 um 11:36

Turbo Lama

Schade haben sie das Turbo Lama Restaurant nicht erwähnt/getestet welches äusserst leckere Gerichte anbietet