Achtung Barriere!

Städte und Dörfer sind voller Hindernisse. In einer gemeinsamen Recherche mit Correctiv wollen wir herausfinden, was dir in Bern den Alltag erschwert. Sag es uns jetzt!

Rundgang mit Cyrill Scheubert im Rollstuhl fotografiert in Bern am 20.03.2023. (Jana Leu)
Barrieren begegnen uns allen im Alltag. (Bild: Jana Leu)

Unser aller Alltag ist geprägt von Barrieren. Denn Barrieren sind vielfältig: Für den Senioren ist es die Selbstbedienungskasse in der Migros, für die Rollstuhlfahrerin der Absatz an der Bushaltestelle und für den Velofahrer die Tramschiene, die das Abbiegen gefährlich macht.

Die «Hauptstadt» lanciert deshalb gemeinsam mit dem gemeinnützigen Medienhaus Correctiv unter aktivem Einbezug der Leser*innen eine sogenannte Bürger*innen-Recherche zu Barrieren im Berner Alltag.

Wir wollen erfahren: Wo stösst du in deinem Alltag regelmässig auf Barrieren?

Als Barriere verstehen wir: Wenn du an einem Punkt nicht weiterkommst oder Orte meidest, weil du dich unwohl fühlst. Solche Hürden können sichtbar und unsichtbar sein.

Auf der folgenden Online-Karte kannst du ab sofort alle Barrieren eintragen, die dir begegnen. Ganz unkompliziert. Das dauert nur zwei Minuten und klappt auch anonym.

Unser Ziel: Dank der Mithilfe möglichst vieler Berner*innen wollen wir herausfinden, wo es Veränderungen geben müsste.

Für die Umgestaltung von Städten und Dörfern bedarf es der Mitwirkung möglichst vieler Betroffener. Nur so entstehen Orte für alle. Die Online-Karte ist eine niederschwellige Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen und Probleme zu artikulieren.

Die Recherche entspricht gleich zwei Kernanliegen der «Hauptstadt»: Wir nehmen Inputs unserer Lesenden ernst, und wir wollen einen Beitrag leisten, um Lösungen für die Zukunft zu finden. Das verstehen wir unter konstruktivem Journalismus.

Barrierefreiheit betrifft alle

Die UN-Behindertenrechtskonvention schreibt vor, dass öffentliche Räume für alle Menschen zugänglich sein müssen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Zwar wurde in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vieles verbessert, doch es besteht weiterhin Handlungsbedarf.

So sollte gemäss dem Behindertengleichstellungsgesetz der öffentliche Verkehr bis 2023 barrierefrei sein. Die «Hauptstadt» hat auf einer Reise mit dem Rollstuhlfahrer Cyrill Scheuber vom Bahnhof Bern zu seinem Arbeitsplatz aufgezeigt, wie weit der Weg dorthin noch ist.

Hinzu kommt, dass viele Barrieren für Nichtbetroffene oftmals kaum erkennbar sind. Für Menschen mit Autismus etwa sind Orte mit hellen Lichtern und lauten Geräuschen überfordernd. Für Eltern mit Kinderwagen das zu schmale Trottoir und für ältere Menschen das unebene Kopfsteinpflaster in der Berner Altstadt.

Trage deshalb jetzt deine persönlichen Barrieren auf der Karte ein und ermögliche so eine umfassende Recherche zu Hindernissen im Berner Alltag.

Wem gehört die Stadt und für wen ist sie gebaut? Von der Bevölkerung wollen wir auf dieser Karte wissen: Wo wird das Leben erschwert? Unser Ziel: Barrieren erfassen und sichtbar machen, Hintergründe und Zusammenhänge aufzeigen. «Achtung Barriere!» ist eine gemeinsame Recherche der «Hauptstadt» und Correctiv in der Schweiz.

Correctiv ist ein 2014 gegründetes, nicht profitorientiertes Medienhaus in Deutschland, das hauptsächlich investigativen Journalismus betreibt und sich am Gemeinwohl orientiert. Um die Mitarbeit von Bürger*innen an den Recherchen zu erleichtern, entwickelte Correctiv das Instrument des Crowd-Newsrooms. Dieses wendet auch «Correctiv in der Schweiz» mit Sitz in Bern an. «Correctiv in der Schweiz» sucht aktiv die Zusammenarbeit mit unabhängigen Medien wie der «Hauptstadt».

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Diskussion

Unsere Etikette
Adrian Müller
13. Mai 2025 um 12:17

Ob Altenberg oder Lorraine: Der Weg von der Aare in die Stadt ist für Gehbehinderte eine Zumutung, für Familien mit Kinderwagen vor allem im Sommer ein Kraftakt. Sowohl bei der Lorraine, der Kornhausbrücke, dem Rosengarten als auch bei der Kirchenfeldbrücke bräuchte es eine Liftlösung. Eine Utopie leider, obschon die Aare der USP der Bundesstadt ist - und der Zugang entsprechend einfach sein sollte. Und zwar für alle.

Thomas Schneeberger
10. April 2025 um 22:37

Als Velofahrer: Tramschienen, Kaphaltestellen und all die groben Randsteinabsätze.

Als Fussgänger Stolperfallen und Randsteine, die den Sehbehinderten helfen sollen, aber die Mobilitätsbehinderten noch mehr behindern und bisweilen sogar gefährden:

Ich beobachte, dass Rollstuhlfahrende UM Fussgängerinseln HERUM fahren, weil neben der Insel keine Absätze sind!

Und einen Rollatorschieber habe ich schon fast mit dem Auto erfasst, weil der mit seinem Hilfsmittel an so einem unsäglichen senkrechen Absatz am Endes des Fussgängerstreifens anstand und rückwärts zurück auf die Strasse wankte.

Frankreich, teils schon die welsche Schweiz, oder England machen statt harter Randabsätze ertastbare Noppenbänder, welche sowohl für Sehbehinderte spürbar sind, als auch den Rollstuhlfahrern keine neuen Hindernisse in den Weg stellen. Aber die Behindertenlobby hat selber solch blöde Normen aufgestellt. Warum kann das die Schweiz nicht?

Rudolf Albonico
08. April 2025 um 06:16

Geht mal selber schauen, wie "behindertengerecht" die Bahnhöfe Tavannes, Reconvilier, Court usw. sind! Zudem sind Busse im (Berner, Jura-)Jura eine grosse Seltenheit. Wenn di einen verpasst, kannst du u.U. Stunden warten...