Die unbekannten Dritten – Askforce-Selection #21

Warum spricht man eigentlich von Drittpersonen und nicht von Zweitpersonen? Auf diese weltbewegende Frage hat die Askforce eine erste, zweite und dritte Antwort. Mindestens.

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Der fragende Denkzustand der Askforce, wie ihn die Illustratorin Pia Zibulski sieht. (Bild: Pia Zibulski)

Immer sei die Rede von Drittpersonen oder Dritten, hält Herr S. aus M. gegenüber der Askforce fest. Und will dann wissen: «Wer sind eigentlich die Zweitpersonen oder Zweiten? Fühlen sie sich nicht benachteiligt und übergangen? Müssen sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie immer die Zwei am Rücken haben?» Und ob diese Behandlung wohl von der Grundversicherung gedeckt sei?

Herr S. wendet sich mit einer sozial getarnten Wortklauberei an uns, das ist in Ordnung. Wenn es um Zweit- und Drittpersonen geht, ist die Askforce die erste Adresse. Wie ja auch sonst für alles. Hingegen müssen wir die Prämisse relativieren, wonach «immer» von Dritten die Rede sei.

Nein, nicht immer, Herr S. Manchmal wird doch auch vom Wetter gesprochen, von Rückenschmerzen, Einkaufslisten oder Bundesrat Berset. (Dass dieser private Erfahrung mit Dritten hat, trifft allerdings zu.) Deeskalationsprofis raten davon ab, Wörter wie «immer» oder «nie» zu verwenden. Es töne anklagend. Anstatt «Du hörst mir nie zu» solle man besser sagen: Ich wünsche mir, dass du mir zuhörst.

Die Askforce kann es fühlen: Herr S. wünscht sich, dass wir ihm zuhören. Und bitte endlich mal seine Frage beantworten. Er ist da in der Tat etwas Verzwicktem auf der Spur. Sind doch die ominösen Dritten Gegenstand weitschweifiger rechtlicher, soziologischer und psychoanalytischer Abhandlungen. Meist verhalten Dritte sich zu einer Ausgangskonstellation mit zwei Parteien. Zwingend ist das aber nicht. Juristisch gesehen scheint es Dritte zu geben, ohne dass Zweite vorhanden sind.

Insofern kann die Askforce Herrn S. beruhigen. Die Zweitpersonen, um die er sich so rührend sorgt, gehören entweder zum innersten Kreis oder sie existieren gar nicht. In beiden Fällen liegt weder Ausgrenzung noch Benachteiligung vor.

Aber Vorsicht! Wenn von Dritten die Rede ist, kann auch etwas ganz Anderes gemeint sein. Eine Generationenabfolge etwa (Charles III., Oesch’s die Dritten), oder etwas Zahnmedizinisches. Von der Grundversicherung ist letztere Behandlung übrigens nicht gedeckt.

Fragt die Askforce, Hauptstädter*innen!

Seit September 2022 gibt die Askforce ein Gastspiel bei der «Hauptstadt». Mehrere Hauptstädter*innen haben diese Gelegenheit beim Schopf gepackt und der Askforce ihre Frage gestellt – pack auch du die Chance! 

Über 20 Jahre lang erschien die Askforce wöchentlich im Bund und erarbeitete sich den soliden Ruf, die schrägste Kolumne der Schweiz zu sein. Im Angesicht der Fusion von Bund und BZ im Herbst 2021 verschwand die Askforce aus dem Traditionsblatt, verewigte sich in einem Buch und tauchte als Startup Anfang 2022 wieder auf.

Jeden Montag kuratiert die Askforce eine spezielle Selection für die «Hauptstadt». Dieses Gastspiel führt sie fort bis zum astronomischen Frühlingsbeginn, der Tag-und Nachtgleiche am 20. März. Der Askforce-Briefkasten für Fragen aus der «Hauptstadt»-Community ist hier: [email protected].

Wir fassen zusammen. Die Erste in dieser Kolumne ist unverrückbar die Askforce, einfach, weil es so ist. Beim Zweiten handelt es sich um unseren Fragesteller Herrn S., der auf diese Position stolz sein darf. Und die Dritten? Haben beim Lesen günstigstenfalls gelacht, und sei es auf den – zweiten oder dritten – Stockzähnen.

Askforce-Selection #21, 13. Februar 2023

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Diskussion

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Andreas Weber
14. Februar 2023 um 08:19

Sind denn Trittpersonen diejenigen , die treten oder diejenigen, die getreten werden?