Bern in Bildern
Die Fotos von Julianna Steiner (27) haben den «Hauptstadt»-Brief durch den November begleitet. Zum Abschluss zeigen wir die ganze Bilderserie – und die Fotografin stellt sich kurz vor.
«Ich habe in meinem Leben zwei grosse Umzüge gemacht: vom ‹Midwest› der Vereinigten Staaten nach Los Angeles und dann von Los Angeles in die Schweiz. Dabei habe ich gelernt, wie der Ort, an dem wir uns befinden, uns verändern kann oder zumindest unsere Wahrnehmung davon, wer wir sind.
Nun lebe ich in Spiez und arbeite in Bern. Die beiden Orte liegen zwar geografisch nah beieinander, sind kulturell jedoch ganz unterschiedlich. Einen grossen Teil meiner Tage verbringe ich damit, dieselben Wege zu gehen; morgens von zuhause zum Bahnhof, vom Bahnhof zur Arbeit und abends wieder zurück, sowie während meiner Arbeitspause spazierend durch den Park.
Alle Fotos der Serie für den ‹Hauptstadt›-Brief wurden auf diesen Wegen aufgenommen. Sie zeigen, was in mir passiert, während ich von einem Ort zum nächsten gehe und wie das möglicherweise in der Welt um mich herum reflektiert wird. Zum Beispiel das Bild ‹viel los›: Ich geniesse das Gefühl, in einer Menschenmenge verloren zu sein, alle in Eile, irgendwohin zu kommen, und auch, wie dieses Gefühl fast sofort verschwindet, sobald ich aus der Menge heraus bin.
Ich freue mich, zu sehen, wie sich ein Ort von einem Besuch zum nächsten verändert. Es gibt bestimmte Dinge, auf die ich jedes Mal achte, wie im Bild ‹Window Friends›: Wenn ich an diesem Fenster vorbeigehe, schaue ich jeweils, wer dort sitzt.
Ich schwanke zwischen Komfort und Freude an der Wiederholung, zwischen Langeweile und Überwältigung, Frustration, Neugier und kleinen Freuden über das Unerwartete, so alltäglich es auch sein mag: ein Babypullover, der an einem Zaun hängt, zurückgelassen. Der Nachbar, der im Juli Weihnachtsdekorationen auf seinem Rasen verkauft. Der neue Aufkleber am Pfosten vor meinem Arbeitsplatz. Der Mann, der die Regale im Lebensmittelladen mit Obst auffüllt. Die Blätter meines Lieblingsbaums, die ihre Farbe ändern.
Am besten gefällt mir das Bild ‹Bernmobil›, weil es mich überrascht hat. Das Foto ist nicht wirklich besonders, aber je mehr man hinschaut, desto mehr sieht man. Gerne würde ich mehr Porträts von den Menschen machen, die ich auf der Strasse treffe. Es macht viel Spass und man weiss nie, was daraus entstehen könnte.»
Julianna Steiner wohnt in Spiez und arbeitet als Barista in Bern. Die Fotografie ist für sie ein Hobby.