Happy-End im Bücherbergwerk
Das Buchantiquariat im Monbijou stand bis vor Kurzem vor dem Aus. Doch in dieser Geschichte zeichnet sich ein Happy-End ab.
Prolog – die Ursprünge
Über 150’000 gebrauchte Bücher auf 800 m2 – das ist das Bücherbergwerk im Monbijou. Es ist das grösste Bücherantiquariat der Schweiz.
Das Bücherbergwerk gibt es schon seit 1989. Im Jahr 2011 übernimmt es das Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH Bern) als Arbeitsintegrationsprojekt. Jugendliche mit Schwierigkeiten beim Finden einer Berufsausbildung oder Langzeitarbeitslose finden im Bücherbergwerk eine Arbeit und erhalten somit eine geregelte Tagesstruktur.
Für Bücherwürmer ist das Bücherbergwerk ein Schlaraffenland. Stammkund*innen hat das Bücherbergwerk viele – sogar über die Kantonsgrenzen hinaus. Immer wieder stöbern Menschen aus der Romandie oder aus Deutschland in den Bücherregalen.
Kapitel 1 – die Probleme
Doch aufgrund der momentan tiefen Arbeitslosenzahlen muss das SAH-Bern zwei seiner vier Arbeitsintegrationsprojekte aufgeben. Davon betroffen sind ein Standort in Interlaken und das Bücherbergwerk.
Die «Hauptstadt» berichtete im November darüber.
Bedauerlich an der Situation: Das Bücherbergwerk lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich, solange es mit Arbeitslosen arbeitet. Dass die Schliessung notwendig wurde, lag an äusseren Umständen. Ursina Bernhard, Geschäftsführerin des SAH Bern, erklärte diese im November der «Hauptstadt»: «Seit wir es übernommen haben, war das Bücherbergwerk ein Herzensprojekt, obwohl es eigentlich nicht in unserem vom Kanton zugewiesenen Perimeter liegt.»
Das SAH-Bern sei primär im Berner Oberland tätig. Die Teilnehmer*innen, die im Bücherbergwerk arbeiten, müssten jeweils vom Oberland nach Bern pendeln.
Kapitel 2 – die Rettung
Trotz der geänderten Umstände wollte das SAH Bern das Bücherbergwerk nicht einfach aufgeben. Und so startete das SAH Bern eine Spendenaktion mit einem hochgesteckten Ziel: 70’000 Franken in knapp eineinhalb Monaten.
Diese Summe sollte den Betrieb des Bücherbergwerks im schlechtesten Fall ohne Arbeitsintegrationsprogramm für das erste Halbjahr 2023 sichern.
Pessimist*innen hätten diesem Unterfangen wohl nicht allzu grosse Chancen zugesprochen. So viel Geld aufzutreiben in so kurzer Zeit und das ohne grosse Werbung – wirklich nicht einfach.
Und doch hat es das Bücherbergwerk geschafft. Ursina Bernhard meint dazu hörbar begeistert: «Ich bin absolut überwältigt, dass wir in dieser kurzen Zeit das Spendenziel sogar übertroffen haben.»
Das meiste Geld sei durch Einzelpersonen gespendet worden. Auch die Burgergemeinde hat dem Bücherbergwerk – falls das restliche Geld zusammenkommen würde – 20’000 Franken zugesichert.
Ausserdem habe es weitere Spendenaktionen gegeben, welche für das Bücherbergwerk sammelten, dazu gehörten das Berner Coiffeur-Unternehmen «Kopfstand» sowie einige Kirchen.
«Für jede Spende, ob klein oder gross, möchte ich mich von Herzen bedanken», sagt Bernhard.
Für Roberta Winterberg, Leiterin des Bücherbergwerks, war es eine intensive und emotionale Zeit. «Als die drohende Schliessung bekannt wurde, gab es unter unseren Kund*innen viel Fassungslosigkeit und sogar Tränen», sagt sie.
Umso schöner sei es gewesen zu sehen, wie engagiert sich einige für das Bücherbergwerk eingesetzt haben. Eine Kundin kontaktierte «TeleBärn» und das «Regionaljournal».
«Durch die zusätzliche Aufmerksamkeit haben wir sogar einige Neukund*innen gewonnen», meint Winterberg.
Kapitel 3 – die Neuausrichtung
Doch wie geht es nun weiter mit dem Bücherbergwerk?
«Wir werden zwischen Januar und März ein Konzept für den langfristigen Weiterbetrieb ausarbeiten», erklärt Ursina Bernhard. Mit dem eingenommenen Geld könne der Betrieb sicher im ersten Halbjahr 2023 weitergeführt werden. Darüber hinaus sei man auch weiterhin für Spenden dankbar.
Im April soll dann die Entscheidung fallen, ob und wie es weitergeht. «Alles ist möglich», meint Bernhard.
«Ich würde mir wünschen, dass wir vielleicht ein neues Integrationsprojekt anbieten könnten», meint Roberta Winterberg hoffnungsvoll.
Die genaue Zukunft des Bücherbergwerks steht also noch immer in den Sternen. Dennoch scheint es, als könnte diese Geschichte einige Kapitel weitergehen.