Für die Frauen sieht es sehr gut aus
Laut der Umfrage von Gassmann-Medien und «Hauptstadt» starten die vier bisherigen Regierungsrät*innen und die grüne Kandidatin Aline Trede mit einem Vorsprung in die Wahlen.
Die neue grüne Kandidatin Aline Trede startet mit einem grossen Vorsprung auf die anderen neuen Kandidierenden in die Regierungsratswahlen. Diese grosse Überraschung bringt die Wahlumfrage von Gassmann-Medien in Zusammenarbeit mit der «Hauptstadt» zutage.
Am 29. März werden die sieben Sitze neu verteilt. Trede liegt laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GFS Bern bei 1613 Berner*innen gemeinsam mit der amtierenden Regierungsrätin Astrid Bärtschi (Mitte) an zweiter Stelle. Gemäss Umfrage wollen 39 Prozent der befragten Stimmberechtigten die beiden wählen. Vor ihnen liegt die Bisherige Evi Allemann (SP) mit einem eindrücklichen Stimmenanteil von 51 Prozent. Das Frauentrio wird dicht verfolgt von den Bisherigen Pierre Alain Schnegg (SVP) mit 38 Prozent und Philippe Müller (FDP) mit 37 Prozent.
Danach reihen sich die neuen Kandidaten der grossen Parteien ein: Raphael Lanz (SVP) mit 35 Prozent, Reto Müller (SP) mit 32 Prozent, Daniel Bichsel (SVP) und Hervé Gullotti (SP) mit je 29 Prozent. Gullotti und Bichsel wären laut dieser Umfrage nicht gewählt. Ebenfalls nicht gewählt wäre der mit 27 Prozent knapp hinter ihnen liegende Tobias Vögeli (GLP). Alle anderen Kandidat*innen liegen weiter abgeschlagen auf den hinteren Rängen.
Wäre also bereits im Februar gewählt worden, hätte der Angriff der SVP wohl nicht gefruchtet: Laut der Umfrage bleibt der Sitzanteil gleich mit 2 SVP, 2 SP, 1 FDP, 1 Mitte, 1 Grüne. Das heisst, 4 Bürgerliche stehen 3 Links-Grünen gegenüber.
Doch wie valid ist diese Umfrage, die zwischen dem 6. und 22. Februar vom Umfrageinstitut GFS Bern durchgeführt wurde? «Die Umfrage widerspiegelt die Ausgangslage vor den Wahlen», sagt Politologe Lukas Golder von GFS. «Mit einem guten Wahlkampf kann man noch viel herausholen.» Golder geht davon aus, dass insbesondere die grossen Parteien SP und SVP noch Wähler*innen mobilisieren können – und dass auch diese beiden davon profitieren, wenn die Wahlbeteiligung steigt. Denn von 100 zusätzlichen Wähler*innen stimmen laut Golder etwa 19 für die SP und 28 für die SVP.
Frauen polarisieren weniger stark
Auch wenn die Umfrage auf aussergewöhnlich gute Frauen-Resultate hinweist, sagt Golder, dass er keinen Hinweis darauf hat, dass das Geschlecht bei der Wahl eine Rolle spiele. Gerade Astrid Bärtschi werde laut Umfrage sehr gut von Männern gewählt. Trede und Allemann könnten jedoch stark davon profitieren, von Frauen gewählt zu werden.
Dass bei der Wahlumfrage drei Frauen vorne liegen, erklärt er sich anders: «Bei den Bisherigen polarisieren die beiden Frauen weniger stark, die Zufriedenheit mit ihnen ist grösser.» Das zeigt sich auch in der Umfrage. 50 Prozent der Befragten zeigen sich zufrieden mit Justizdirektorin Evi Allemann, nur 24 Prozent unzufrieden. Mit Finanzdirektorin Astrid Bärtschi sind 41 Prozent zufrieden, 14 Prozent unzufrieden.
Die beiden Bisherigen Pierre Alain Schnegg und Philippe Müller hingegen polarisieren stark: Zwar sind 40 Prozent der Befragten zufrieden mit der Arbeit von Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor Schnegg, 45 Prozent aber unzufrieden. Ähnlich bei Sicherheitsdirektor Philippe Müller. 37 Prozent sind zufrieden mit seiner Arbeit, 34 Prozent nicht.
Auch die neue grüne Kandidatin Aline Trede polarisiert eher. Während 39 Prozent mit der Arbeit der Nationalrätin und Grünen-Fraktionschefin zufrieden sind, sind es 33 Prozent nicht. Trede liegt aber nicht so weit vorne, weil sie polarisiert. Sondern weil sie sehr bekannt ist. Laut der Umfrage ist sie einiges bekannter als Regierungsrätin Astrid Bärtschi und gleich bekannt wie Philippe Müller.
«Aline Trede spielt im Karussell der Bisherigen – das ist wirklich aussergewöhnlich», sagt Lukas Golder. «Wenn sie ihr Profil weiterhin so spielen kann, ist sie mit diesem Vorsprung eindeutig die Favoritin unter den Neuen.»
Offener ist das Rennen unter ihren Verfolgern. Werden die Bisherigen und Trede gewählt, müssen die zwei letzten Sitze fünf Männer unter sich ausmachen: Startvorteil gibt es dort für die beiden Stadtpräsidenten Raphael Lanz (Thun) und Reto Müller (Langenthal) – doch der Zollikofer Gemeindepräsident Daniel Bichsel kann diesen Rückstand mit einem guten Wahlkampf noch aufholen. «Eine gute Mobilisierung kann das Gewicht verschieben», sagt Golder.
Es ist dabei nicht davon auszugehen, dass in der Umfrage besser Platzierte plötzlich viel schlechtere Wahlwerte haben – sondern eher, dass die unbekannteren und weiter hinten liegenden Kandidaten noch aufholen können.
In dem Sinne schreibt Golder auch Hervé Gullotti und Tobias Vögeli noch nicht ab. Allerdings hätten beide gewichtige Nachteile: Tobias Vögeli hat mit der GLP keine grosse Partei hinter sich. Und Hervé Gullotti bringe als französischsprachiger Berner ein Handicap mit sich.
Doch der richtige Wahlkampf startet erst jetzt, gut drei Wochen vor den Wahlen.
Insgesamt wurden zwischen 6. und 22. Februar 1613 Stimmberechtigte im Kanton Bern befragt. Dabei wurden einerseits Leser*innen von «Hauptstadt» und Gassmann-Medien dazu aufgerufen, mitzumachen, andererseits griff GFS Bern auf eigene Panels zurück. Damit die Umfrage repräsentativ ist, wurden die Antworten gewichtet nach Alter/Geschlecht nach Sprache, Siedlungsart, Bildung, Partei und Wahlkreis. Der Stichprobenfehler der Umfrage liegt bei 2,4 Prozent.
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