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Gegen Gewalt – «Hauptstadt»-Brief #140

Samstag, 25. Februar – die Themen: Häusliche Gewalt; Bümpliz-Bethlehem; Asylunterkunft; Steuern; Farbsäcke; Ukraine.

Illustration zum Hauptstadt-Brief
(Bild: Marc Brunner, Büro Destruct)

Diese Woche haben wir die Redaktion in das Quartierzentrum Tscharnergut verlegt – und am Donnerstagabend unsere Abonnent*innen zu einem Austausch vor Ort eingeladen. Auch in nächster Zeit beschäftigen wir uns in mehreren Artikeln mit Berns Westen. Mein Kollege Jürg Steiner hat bereits die These aufgestellt, dass Bümpliz «ein Ort der Zukunft» sei. Daran musste ich denken, als die Stadt Bern gestern ihr neues Projekt gegen häusliche Gewalt vorstellte. Die Medienkonferenz fand im Mütterzentrum Bern West statt und das Pilotprojekt konzentriert sich vorerst auf den Stadtteil VI.

«Wir wollen die Bevölkerung dazu aufrufen, bei häuslicher Gewalt hinzuschauen», sagte Projektleiterin Eva Hauser. In den nächsten zwei Wochen gibt es Workshops, bei denen die Teilnehmer*innen lernen, wie sie sich verhalten können, wenn sie Zeug*innen häuslicher Gewalt werden. Ausserdem machen über 150 Läden, Bäckereien, Restaurants und Coiffeurgeschäfte auf das Thema aufmerksam; Bibliotheken und Buchhandlungen gestalten entsprechende Büchertische.

Dass «Tür an Tür» in Bümpliz lanciert wird, liege daran, dass hier ein Netzwerk von lokalen Partner*innen bestehe, sagte Gemeinderat Reto Nause. Diese Strukturen würden den Pilotversuch erleichtern. «Häusliche Gewalt kennt keine soziale Herkunft. Wir hätten das Projekt auch im Kirchenfeld realisieren können», so Nause.

Auf der Website von «Tür an Tür» gibt es eine Liste mit Tipps, wie Nachbar*innen handeln können, wenn sie vermuten, häusliche Gewalt zu beobachten. Hier eine Auswahl:

  • Bei einer Beratungsstelle anrufen.
  • Die Telefonnummer einer Beratungsstelle im Treppenhaus aufhängen.
  • Der betroffenen Person Hilfe anbieten, ohne Druck aufzubauen.
  • Die Polizei anrufen.
ruhiges Wasser
(Bild: Marlou Thalheim)
  • Bümpliz-Bethlehem: An jedem Tag im Berner Westen hat die «Hauptstadt»-Redaktion auswärts gegessen und die Gastro-Erlebnisse notiert und fotografiert. Frisch auf dem Teller: Döner und Pizza. Und meine Kollegin Jana Leu besuchte diese Woche Tscharni-Bewohner*innen in ihren vier Wänden und fragte sie, warum sie gerne hier leben. Ihre Antworten gibt es hier – auch nächste Woche kommen noch laufend neue Porträts hinzu. Anhören kannst du dir die Antwort auf eine andere Frage: Wie ist der Ort «Chäs und Brot» zu seinem Namen gekommen? Mathias Streit erzählt es dir.
  • Asylwesen: In einer unterirdischen Zivilschutzanlage am westlichen Rand Berns hausen derzeit abgewiesene Flüchtlinge. Mein Kollege Joël Widmer ist vorbeigegangen und hat vor der Unterkunft mit Menschen gesprochen, die dort leben. Auch Politiker*innen beschäftigen sich mit der Unterkunft: Kritik gibt es vor allem aus der Stadt Bern, gerichtet an den Kanton, der die Anlage betreibt.
  • Steuern: Die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) muss keine Kirchensteuern mehr bezahlen. Das hat die Berner Steuerrekurskommission entschieden. Religiöse Gemeinschaften müssen keine Steuern bezahlen, weil das die Glaubens- und Gewissensfreiheit ihrer Mitglieder verletzen würde. Die bisherige Steuerpflicht der FVS sei eine Ungleichbehandlung, die sich nicht rechtfertigen lasse, schreibt die Rekurskommission. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig; er kann an das Bernische Verwaltungsgericht weitergezogen werden. Die FVS vertritt die Anliegen der Konfessionsfreien und setzt sich ein für die Trennung von Staat und Kirche.
  • Farbsäcke: Die Stadt Bern legt die Einführung des Farbsacktrennsystems auf Eis. Mit dem neuen Entsorgungssystem soll der Müll in Containern vor Privathäusern entsorgt werden. So verlangten es die Stimmbürger*innen im November 2021. Doch in den letzen Monaten habe sich gezeigt, dass es nicht so leicht ist, diese Container aufzustellen, teilt die Stadt mit: Einerseits gibt es Nutzungskonflikte des öffentlichen Raums. Andererseits sei nicht klar, ob es die städtische Bauordnung zulässt, Container aufzustellen. Die Stadt führt nun weitere Abklärungen durch. Einen Zeitplan gebe es nicht, schreibt die Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
  • Ukraine: 200 bis 300 Menschen haben gestern in der Nähe der russischen Botschaft in Bern demonstriert, wie Keystone-SDA schreibt. Sie forderten ein Ende des Krieges in der Ukraine sowie den Rückzug Russlands. In der Stadt Bern fanden weitere Solidaritätsaktionen im Zusammenhang mit dem Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine statt: Um 9 Uhr gab es eine Schweigeminute, am Bahnhofplatz wehten drei ukrainische Flaggen und im Münster und in der Heiliggeistkirche wurde für den Frieden gebetet.
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Berner Kopf der Woche: Thomas Fritz

Seit Donnerstagabend dürfte Thomas Fritz im Hoch sein. In Bern ist wieder Fasnacht. Fritz ist seit über 20 Jahren Kassier und Mediensprecher beim Verein «Bärner Fasnacht» und spielt seit 30 Jahren Tuba bei einer Gugge. Nachdem die Fasnacht 2020 genau einen Tag dauerte, bevor sie überstürzt am Freitagmorgen abgeblasen wurde, fand sie 2021 gar nicht statt und letztes Jahr im kleinen Rahmen als Pop-Up.

Dieses Jahr ist wieder volles Programm angesagt. Die Berner Gassen sind gefüllt mit Fasnacht-Fans, bunten Kostümen und farbigen Konfetti. Die Bärebefreiig am Donnerstagabend läutete die Berner Fasnachtstage offiziell ein, Highlight gestern Freitag war der Fackelumzug. Heute Samstag stehen der grosse Umzug und die traditionellen Schnitzelbänke an.

Es sind aber wohl die Nebenschauplätze, welche Thomas Fritz an der Fasnacht am meisten schätzt. Im Interview mit der Jungfrauzeitung sagte er nämlich, sein Tipp sei es, am Samstagmorgen bereits um 10 Uhr die Fasnacht zu besuchen – denn dieser Morgen sei «extrem mystisch». (Text: Carole Güggi)

PS: In den letzten Wochen hat sich die «Hauptstadt» schwerpunktmässig mit dem Thema Geld befasst. Einige Aspekte des Themas Geld wollen wir nun im Live-Gespräch vertiefen: Der «Hauptsachen»-Talk findet am Montag, 27. Februar, um 19.30 Uhr in der Aula im Progr statt. Auf dem Podium diskutieren Florence Schmid, Ivan Abegglen und Christoph Bader.

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