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Grossratswahlen: Konservative Parteien im Vorteil

Laut der Umfrage von Gassmann-Medien und «Hauptstadt» wird die SVP bei den Grossratswahlen erneut zulegen. Auch bei der SP zeigt der Trend nach oben.

Wahlplakate Grossratswahlen 2026 fotografiert am Mittwoch, 4. Maerz 2026 in Bern. (VOLLTOLL / Manuel Lopez)
Laut der Umfrage dominiert die SVP im Kanton Bern weiterhin und kann wohl noch zulegen. (Bild: Manuel Lopez)

Wäre bereits im Februar gewählt worden, hätte sich jeder dritte männliche Stimmberechtigte im Kanton Bern für die SVP entschieden. Bei den Frauen ist es jede vierte. Das zeigt die Umfrage von Gassmann-Medien in Zusammenarbeit mit der «Hauptstadt». Im Hinblick auf den Wahltag vom 29. März lässt sich sagen: Die SVP wird wohl bei den Grossratswahlen wieder zulegen. Die Frage ist bloss, um wieviele Prozentpunkte.

Um 2,6 Prozentpunkte, so dass sie insgesamt auf 28,4 Prozent der Wähler*innenstimmen kommt. Das besagt die Umfrage, im Februar durchgeführt bei 1613 Personen durch das Meinungsforschungsinstitut GFS Bern im Auftrag von Gassmann-Medien und der «Hauptstadt».

Die Umfrage ist eine Momentaufnahme, der Wahlkampf wird nun noch gut drei Wochen dauern. Mit einem guten Wahlkampf lässt sich noch Boden gut machen.

Trotzdem: Es zeichnet sich eine Verschiebung der Wähler*innenstimmen zu konservativeren Parteien ab. Dazu sagt Politologe Lukas Golder von GFS Bern: «In Zeiten von geopolitischer Unsicherheit manifestiert sich im Kanton Bern eine Sicherheitsorientierung. Die Parteien, die laut Umfrage gewinnen, haben eine klar konservative Gesinnung in ihrer DNA.» Er spricht dabei von der SVP, der EDU und der Mitte.

Die EDU könnte laut Golder von der Listenverbindung mit Aufrecht profitieren. Bei den Wahlen 2022 war Aufrecht noch keine Listenverbindung eingegangen. «Das ist eine Erklärung dafür, warum der Balken ‹Andere› zwischen 2022 und 2026 so stark abnimmt», sagt Golder.

FDP: Abwärtstrend

Schwierig wird es laut der Umfrage die FDP haben, die bereits bei den nationalen Wahlen 2023 in Bern den Nationalratssitz der zurückgetretenen Christa Markwalder verloren hat und nun Gefahr läuft, zu den grössten Verliererinnen zu zählen. «Die Mobilisierung ist bei der FDP ein Problem», sagt Politologe Golder. Ausserdem sei FDP-Regierungsrat Philippe Müller keine Wahllokomotive, weil er mehr polarisiere als Mitte-Regierungsrätin Astrid Bärtschi.

Wahlplakate Grossratswahlen 2026 fotografiert am Mittwoch, 4. Maerz 2026 in Bern. (VOLLTOLL / Manuel Lopez)
Die SP wird laut der Umfrage eher mehr Stimmen machen. Unklar ist die Situation bei der Mitte. (Bild: Manuel Lopez)

Kein Problem mit der Mobilisierung haben die grossen Parteien SVP und SP. «Sie haben beide eine sehr gute Wahlkampfmaschine, es wäre nicht überraschend, wenn sie noch mehr als in der Umfrage zulegen würden», meint Golder.

Mitte und Grüne: Unklar

Sehr vorsichtig interpretiert er, dass gemäss der Umfrage die Wähler*innenstimmen für die Mitte zunehmen. «Die Mitte muss sich nach der Ablösung von der BDP immer noch finden», sagt er. Ihn würde es erstaunen, wenn auch am Wahltag eine so deutliche Zunahme resultiert. Ebenfalls skeptisch ist er bei den Grünen, die gemäss Umfrage ihren Wähleranteil halten.

In anderen Kantonen sei zwar bei den Grünen nach den schlecht ausgefallenen nationalen Wahlen 2023 immer noch ein Abwärtstrend spürbar, allerdings habe sich die Partei laut ihm stabilisiert. «Parteipräsidentin Lisa Mazzone und Fraktionschefin Aline Trede haben Ruhe in der Partei geschaffen.» Allerdings könnten in den nächsten Wochen noch Stimmen von den Grünen zur SP wandern.

So oder so scheint klar: Einen Linksrutsch wird es im Kanton Bern ohne Mobilisierungsschub nach den eidgenössischen Abstimmungen dieses Wochenende nicht geben. Die SVP dominiert weiterhin und kann – obschon jetzt schon auf einem hohen Stimmenniveau – noch weiter zulegen. Und das scheint anderen konservativen Parteien im bürgerlichen Spektrum wie der EDU und Mitte momentan nicht einmal zu schaden.

Zur Umfrage

Insgesamt wurden zwischen 6. und 22. Februar 1613 Stimmberechtigte im Kanton Bern befragt. Dabei wurden einerseits Leser*innen von «Hauptstadt» und Gassmann-Medien dazu aufgerufen, mitzumachen, andererseits griff GFS Bern auf eigene Panels zurück. Damit die Umfrage repräsentativ ist, wurden die Antworten gewichtet nach Alter/Geschlecht sowie nach Sprache, Siedlungsart, Bildung, Partei und Wahlkreis. Der Stichprobenfehler der Umfrage liegt bei 2,4 Prozent.

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Diskussion

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Christoph Klopfenstein
05. März 2026 um 16:56

Andere?

Wäre spannend zu wissen, wie sich die Kategorie "Andere" genau aufschlüsselt. Sind es in erster Linie Verschiebungen im rechten Lager hin zu EDU und SVP!? Wenn ja, dann wäre dies ein Zeichen von erstaunlich viel Stabilität und wenig Veränderung ausserhalb der Lager.