Lädeli – «Hauptstadt»-Brief #330
Donnerstag, 13. Juni 2024 – die Themen: Quartierladen; Frauenstreik; Kehrsatz; Psychische Gesundheit; Spitalfinanzierung; Aareschlucht; Sprayerei in Köniz; Bundesplatz und Schwimmhalle.
Vielleicht begleitest du dein Kind im August zu seinem ersten Schultag – oder packst mit der erwachsenen Tochter die Kartons für ihren Auszug? Ein neuer Abschnitt beginnt, Althergebrachtes geht verloren. Wehmut mischt sich mit Dankbarkeit.
Mit ähnlichen Gefühlen verbindet Corina Spaeth die Übergabe des Quartierladens im Berner Murifeld. Vor sieben Jahren hat die Bewohnerin des Quartiers dafür ein erstes Konzept geschrieben – ab 2019 hat sie es zusammen mit einer Betriebsgruppe in die Tat umgesetzt. Zuletzt als Betriebsleiterin.
Im ehemaligen Verkaufslokal des Ängelibeck gehen seitdem frisches Obst und Gemüse über die Ladentheke. Menschen können Brot und Butter einkaufen oder sich mit Kaffee und Zigaretten eindecken. «Über 30 regionale Lieferanten sind über die Jahre zusammengekommen», sagt Spaeth bei einem Treffen vor dem Quartierladen. Er werde von einem «bunten Team» aus dem erweiterten Quartier getragen: Gastronom*innen, Sozialarbeiter*inne oder Grafiker*innen hätten sich dafür entschieden, einen Teil ihrer Arbeitskraft im Quartierladen einzusetzen. Am Anfang noch ohne Lohn – zuletzt habe man sich 18 Franken pro Stunde ausgezahlt, so die Geschäftsleiterin. Eine Besonderheit: Die Miete des Ladens wird von allen Quartierbewohner*innen über eine kleine Abgabe getragen. Im «Mikrokosmos Murifeld» mit all seinen Eigenheiten und Möglichkeiten zur Partizipation hat sich der Laden als Treffpunkt, Café und hin und wieder auch Kulturort etabliert.
Dass sie jetzt das «Lädeli» in neue Hände übergebe, liege nicht an der wirtschaftlichen Situation. Auch wenn es «immer schwierig» gewesen sei, sagt Spaeth. Darin gleiche man anderen Quartierläden der Stadt. Die gelernte Wirtin will ihrem Leben jetzt noch eine neue Richtung geben – mehr verrät sie nicht.
Ihr Nachfolger wird Henry Khalil, der ebenfalls im Murifeld wohnt. Er übernimmt im August mit einem neuen Kollektiv das Ruder – schon jetzt arbeitet er aber im Laden mit, um die Abläufe kennenzulernen. Khalil wartet mit ein paar Änderungen auf: So will er neu Pommes Frites und Salate anbieten und die Ladenöffnungszeiten testweise verlängern.
Am Samstag feiert das Lädeli bereits ein Abschieds- und Willkommenfest – gutes Wetter vorausgesetzt.
- Frauenstreik: Am 14. Juni findet in vielen Städten der Schweiz der feministische Streik statt. Zusammen mit Isabel Brun vom Zürcher Onlinemedium «Tsüri.ch» hat meine Kollegin Marina Bolzli recherchiert, warum die Mobilisierung in diesem Jahr zurückhaltender ausfällt und am Freitag eher eine Demo als ein Streik zu erwarten ist. Einer der Gründe: Die Gewerkschaften haben nach einem grossen Effort 2023 dieses Jahr weniger personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung.
- Kehrsatz: Bestimmt 50 Mal bin ich schon mit dem Velo auf der Zimmerwaldstrasse am Hängelequartier vorbeigefahren. Nun bin ich erstmals in das Quartier gegangen: Für eine Reportage habe ich Jugend- und Sozialarbeiter*innen und Bewohner*innen getroffen – mit der Frage im Gepäck: Wie schafft man es, einen Ort lebenswert gestalten, der mit Vorurteilen und schlechter Bausubstanz zu kämpfen hat?
- Psychische Gesundheit: Das Berner Bündnis gegen Depression bietet ab sofort kostenlose Online- Beratungsgespräche für junge Menschen an, die sich um kranke Familienmitglieder kümmern, wie dieses am Mittwoch bekanntgab. Welche sonstigen Angebote es für Menschen, die auf einen niederschwelligen Zugang zu psychiatrischer Hilfe angewiesen sind, gibt, hat die «Hauptstadt» in dieser Liste zusammengestellt. Sie wird laufend aktualisiert.
- Spitalfinanzierung: Der Grosse Rat hat einen mit 100 Millionen Franken bestückten Rettungsschirm für finanziell angeschlagene Spitäler beschlossen. Die Gelder sind zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen bestimmt. Die kriselnden Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) seien der Hauptgrund für den Rettungsschirm, betonte Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) in der Debatte. Der Entscheid fiel laut der Nachrichtenagentur sda mit 147 zu 2 Stimmen bei 3 Enthaltungen.
- Literaturkolumne: Bislang sind wir der Literaturkolumnistin Selma Imhof entlang der heimischen Aare gefolgt. Für die neueste Folge begibt sich die Autorin zur Aareschlucht in Meiringen. Dort trifft sie auf die Nymphe Echo und legt ihre Hände auf scharfkantigen Stein.
- Sprayerei: Die Gemeinde Köniz zieht den Strafantrag gegen drei Mitglieder des Kollektivs «Pussy Riot» wegen des Graffitos vom August 2022 in Wabern zurück. Eine Hauptverhandlung wäre für das Gericht und die Gemeinde finanziell und personell sehr aufwändig, schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung. Dies sei angesichts des entstandenen Schadens nicht zu rechtfertigen. Der Gemeinderat bedauere, dass die Beschuldigten die Busse nicht akzeptiert haben, zumal der Sachverhalt der Sachbeschädigung unbestritten sei.
- Bundesplatz: Zwischen Dienstag und heute ist es rund um das Bundeshaus zu Strassensperrungen und Verkehrseinschränkungen gekommen. So blieben etwa die Kocher-, Bundes- und Inselgasse für den Individualverkehr und den öffentlichen Verkehr gesperrt. Grund seien ein interkantonaler Polizeieinsatz für die Ukraine Konferenz auf dem Bürgenstock sowie weitere Veranstaltungen und offizielle Besuche in der Stadt Bern. Um die Mehrbelastung zu stemmen, hat die Berner Kantonspolizei laut Mitteilungeinen Grossteil der Wachen im ganzen Kanton Bern bis Dienstag, 18. Juni 2024, geschlossen.
- Schwimmen: Die Schwimmhalle Neufeld hat mit Problemen zu kämpfen. Eine defekte Pumpe in der Wasseraufbereitungsanlage hat vorübergehend dazu geführt, dass das Wasser nicht gechlort werden konnte. Die Pumpe sei in der Zwischenzeit ersetzt worden, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Nun müsse eine mikrobiologische Wasseruntersuchung noch Klarheit darüber liefern, ob das Wasser wieder Badequalität habe. Ist das der Fall, kann die im September 2023 eröffnete Schwimmhalle am Samstag, 15. Juni, wieder öffnen. Ende April musste die Stadt bereits eine technische Störung bei den mobilen Brücken vermelden, welche die Bahnen trennen. Erst in der einmonatigen Sommerrevision, die am 7. Juli beginnt, soll das Problem behoben werden.
PS: Erdbeeren – wer kann sie noch sehen? Ich zum Beispiel. Und mit mir die Familie. Gerade gibt es in der Region Bern auch wieder die Möglichkeit zum Selberpflücken. In Richigen ist zum Beispiel heute Pflücktag. Bei Burrens in Köniz kann am Freitag gepflückt werden.