Wald, Plastikentsorgung, Wasserkraft
Die wichtigsten News der Woche aus Bern – Kantons-Brief #3/2026
Der kantonale Wahlkampf tobt an Orten, wo man ihn nicht erwarten würde. Zum Beispiel im Wald. Anfang Woche fand – zwar nicht im Wald, sondern im Berner Rathaus – ein Podium statt, an dem es nur um den Wald ging. Neun Regierungsrats-Kandidierende nahmen teil. Über 70 Menschen sassen im Publikum.
Der Berner Wald kann offensichtlich mobilisieren. Aber warum?
Vielleicht, weil der Wald einer der wenigen Orte ist, den alle einfach betreten können, auch wenn er in Privatbesitz ist. Und sicherlich, weil alle ihn nutzen: zum Spazieren oder Pilze sammeln. Zum Jagen oder Holzfällen.
Ausserdem ist der Kanton Bern ein richtiger Waldkanton. 30,7 Prozent seiner Fläche ist bewaldet, Tendenz zunehmend. Was nicht am Mittelland liegt, wo viel geholzt wird, sondern am Oberland, wo nicht mehr genutzte Landwirtschaftsfläche verwaldet. Nur gerade das Bündnerland weist eine noch grössere Waldfläche auf.
Über die Hälfte der Berner Waldfläche ist in Privatbesitz. Diese Wälder gehören mehr als 36’000 Eigentümer*innen, die vielfach nur sehr kleine Waldstücke besitzen. Viele von ihnen sind zusammengeschlossen im Verband Berner Waldbesitzer, der auch zum Podium lud. Tausende potentielle Wähler*innen, das ist nicht zu unterschätzen.
Acht Männer und eine Frau stellten sich den Fragen von Ernst Wandfluh (Nationalrat SVP und Vizepräsident Berner Waldbesitzer) und Daria Winkelmann (Präsidentin SVP Frauen Kanton Bern). Nicht teilgenommen haben die amtierenden Regierungsrätinnen Evi Allemann (SP) und Astrid Bärtschi (Mitte).
Schnell wurde klar: Es geht vor allem um die Interessen der Waldbesitzer*innen: Für sie ist das Wild ein Problem, denn das knabbert gerne junge Bäume an. Für sie ist das finanzielle Entlastungspaket des Bundes ein Problem, denn er will auch bei der Waldbewirtschaftung und der Holzabsatzförderung sparen.
Das Podium wuchs sich aus zu einem Schaulaufen unter dem Motto: Wer tut mehr für die Berner Waldbesitzer? Natürlich, für Berner Bauern ist ihr Wald auch eine Einkommensquelle, wie in einem Publikumsvotum betont wurde. Und gleichzeitig erfüllt der Wald so viele andere Funktionen: Als Schutzwald, als Raum für Biodiversität, als Rohstoffquelle für Baumaterial und Heizung, als natürlicher Luftreiniger und nicht zuletzt als Erholungsraum.
Darüber wurde an diesem Podium zwar auch diskutiert, allerdings nur am Rande. Und so bleibt der Eindruck: Die Vorstellungen der Berner Waldbesitzer*innen und der restlichen Berner Bevölkerung klaffen bezüglich der Berner Wälder weit auseinander. Es fehlt an gegenseitigem Verständnis.
Und weil der Kanton Bern gleichzeitig der grösste Schweizer Waldbesitzer ist – ihm gehören sieben Prozent der Berner Wälder – wird auch der Wald zum Teilnehmer in der Auseinandersetzung, wer in den Regierungsrat gewählt wird.
Forscher*innen der Universität Bern haben gezeigt, dass schon einfache Massnahmen zur Förderung der Biodiversität die Populationen von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten der Schweiz stärken können. Hermeline sind vom Aussterben bedroht, spielen jedoch eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft, da sie sich von Feld- und Schermäusen ernähren und damit zur biologischen Schädlingskontrolle beitragen. Laut der Universität belegt die Studie, dass bereits zusätzliche Stein- und Asthaufen ihr Vorkommen «signifikant erhöhen».
Das Wichtigste aus dem Kanton:
- Wasserwerfer: Die Sicherheitskommission des Grossen Rats will einen neuen Wasserwerfer für die Kantonspolizei kaufen. Das ist ein kostspieliges Unterfangen: Die Kommission unterstützt einen Kredit von 3,2 Millionen Franken, mit dem ein älteres Fahrzeug ersetzt werden soll. Das bisherige Modell ist seit 2006 im Einsatz und entspreche den aktuellen Anforderungen nicht mehr, wie die Sicherheitskommission mitteilt. Ersatzteile seien nicht mehr verfügbar und die Technik sei veraltet.
- Wasserkraft: Der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli (KWO) und mehrere Umweltverbände haben im Dezember 2025 einen Wasserkraft-Kompromiss abgeschlossen. Der Inhalt des sogenannten Grimsel-Dialogs: Die Umweltverbände bremsen KWO-Ausbauprojekte im Grimselgebiet – etwa den Bau eines Speichersees im Triftgebiet – nicht mehr mit Beschwerden. Im Gegenzug werden im ganzen Kanton ökologische Ausgleichsmassnahmen realisiert. Etwa, indem auf Dutzenden von Flussabschnitten im ganzen Kanton auf Stromgewinnung verzichtet wird. Verschiedene Gemeinden im Oberland mucken laut der Nachrichtenagentur SDA nun deswegen auf. Brienz etwa sorgt sich in rauem Ton um das Kraftwerk am Giessbach. Für Aufruhr sorgt auch der angedachte Rückbau des Simmewehrs in Wimmis. Der zuständige Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) hat die Simmentaler Behörden für Anfang März zu einer Aussprache eingeladen.
- Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit im Kanton Bern lag im Januar mit 2,4 Prozent deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 3,1 Prozent. Das heisst: 13’297 Menschen waren im Januar im Kanton Bern arbeitslos. Im Vergleich zum Januar 2025 sind es 1461 Personen mehr. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit also steigend. Am stärksten betrifft sie im Kanton den Berner Jura, wo sie mit 4,9 Prozent deutlich über dem Schweizer Durchschnitt liegt. Auch in der Stadt Biel ist sie hoch mit 6,1 Prozent oder 1730 Menschen.
- Plastiksammlung: Seit 2023 sammeln Berner*innen unter dem Slogan «Bring Plastic Back» Haushaltskunststoffe und übergeben sie dem Recycling. 216 Berner Gemeinden sind dem System inzwischen angeschlossen, 2025 wurde die Rekordmenge von 1610 Tonnen gesammelt, wie die dafür zuständige Organisation mitteilt. Der Plastikabfall wird zu Granulat verarbeitet, aus dem Kabelhüllen hergestellt werden. Nicht rezyklierbare Kunststoffe wandern als Brennstoff in die Zementindustrie. Zweifellos wäre Plastikvermeidung ökologischer als Recycling. Aber immerhin bahnt sich beim Kunststoffsammeln eine effizientere Lösung an. Der Bund wird wohl noch 2026 eine neue Verpackungsverordnung in Kraft setzen. Sie soll die Kreislaufwirtschaft stärken. Für Berner Plastiksammler*innen wird das voraussichtlich bedeuten, dass die regionalen «Bring-Plastic-Back»-Säcke verschwinden und durch eine landesweit einheitliche Separatsammlung mit dem RecyBag ersetzt werden.
Im Simmentaler Dorf Boltigen – ja genau, dem Wohnort von Ski-Champion Franjo von Allmen – steht eine Kaserne. Direkt neben dem Bahnhof. Genau genommen: eine ausrangierte Kaserne, die trotz des nahen Schiessplatzes Fang schon lange nicht mehr militärischen Zwecken dient. Ab 2016 nutzte sie das Staatssekretariat für Migration mehrfach vorübergehend als Bundesasylzentrum. Pläne, die Kaserne dem lokalen Gewerbe zugänglich zu machen, scheiterten.
Doch jetzt geht etwas: Die Armee kehrt zurück. Wie der Boltiger Gemeinderat via Simmental Zeitung mitteilt, vollziehe die Armee «in Anbetracht der weltpolitischen Sicherheitslage» einen Strategiewechsel und stärke die Verteidigungsfähigkeit. Sie nehme stillgelegte Infrastrukturen wieder in Betrieb, vornehmlich in Randgebieten, weil in den Agglomerationen eher Widerstand erwachse. Ab Anfang März werden in der Kaserne wieder WK-Soldat*innen einquartiert. Und die lokalen Restaurants können sich auf Zusatzeinnahmen freuen.
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