Auf Sendung – «Hauptstadt»-Brief #267
Samstag, 13. Januar 2024 – die Themen: Konzessionsentscheid; Schwimhallen-Bilanz; Schamanin; Stadtratdebatte; Berner Trams für die Ukraine; Berner Kopf der Woche: Dimitri Gebhard.
Im Medienzentrum des Bundeshauses in Bern: Bernard Maissen, Direktor des Bundesamts für Kommunikation (Bakom), begrüsst auf Romanisch und fährt dann auf Deutsch und Französisch fort. Mehrsprachig verkündet Maissen Existenzielles: Die Vergabe der Konzessionen für die nächsten zehn Jahre. Sie entscheiden über Sein oder Nichtsein. Egal ob ein Lokalradio in Graubünden oder ein Regionalfernsehsender in Genf – sie alle brauchen, um langfristig finanziell überleben zu können, eine Konzession vom Bund. 86 Millionen Franken aus der Abgabe für Radio und Fernsehen sollen allein 2025 an die Sender ausgeschüttet werden.
Im Kanton Bern haben die Bakom-Entscheide ein kleines Erdbeben ausgelöst. Das zweisprachige Bieler Regional-TV TeleBielingue, welches seit 25 Jahren sendet, erhält keine Konzession mehr und steht vor dem Aus. Das ist ein harter Schlag für den Gassmann-Verlag, dem der Sender gehört. Der Verlag wird von den beiden Unternehmern Fredy Bayard und Stefan Niedermaier ambitioniert geführt und gibt unter anderem die Regionalzeitungen Bieler Tagblatt und Journal du Jura heraus. Anstelle von TeleBielingue vergibt das Bakom die Konzession an den neu gegründeten Canal B aus Neuenburg.
Im Grossraum Bern hingegen hat Platzhirsch TeleBärn sein Revier verteidigt. Er sendet schon seit fast 30 Jahren aus der Bundesstadt und befindet sich unter dem Dach des Aargauer CH-Media-Konzerns. Der Verlag des Gratisanzeigers «Bärnerbär» hatte zusammen mit Basler Hilfe versucht, TeleBärn den Platz streitig zu machen. Letztendlich gab für das Bakom nur eine Nuance den Ausschlag – nämlich das leicht bessere Angebot an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, das TeleBärn im Vergleich zu «bärnTV» vorweisen konnte.
Lorenz Feller, Verlagsleiter der IMS-Mediengruppe, die hinter dem «Bärnerbär» steht, fand am Donnerstag ebenfalls den Weg ins Medienzentrum. Er nahm den Entscheid zähneknirschend hin. Für den Fortbestand seines Printmediums sei der Bakom-Beschluss «nicht matchentscheidend», so Feller. Er wolle sein Medium auch so modernisieren und mehr digitale Inhalte anbieten. Die «bärnTV»-Initiant*innen, zu denen auch die Stiftung BaselMedia (Telebasel) gehört, prüfen nun den Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht anzufechten.
Und das möchte ich dir mit ins Wochenende geben:
- Schwimmbad: In Bern haben 2023 mehr Menschen Hallenbäder besucht als im Vorjahr. Das liegt auch an der neuen Schwimmhalle Neufeld. Diese verzeichnete rund 83‘000 Besucher*innen in den ersten 100 Tagen. Das gab die Stadt am Donnerstag an einer Medienkonferenz bekannt. Dabei hat sie sich auch zu Beschwerden hinsichtlich der Atemluft und der Reinigunggeäussert. Verbesserungen seien umgesetzt oder in Planung, so die Stadt. Anwohner*innen des Länggassquartiers sehen die Schattenseiten des Erfolgs: Die Busse auf der entsprechenden Linie seien fast immer voll, ausserdem gebe es Verbesserungsbedarf beim Parkregime.
- Porträt: Von der Staatsanwältin zur Schamanin – ein Schlaganfall hat Julia Siegenthalers Leben grundlegend verändert. Statt ans Gericht zu fahren, begleitet Siegenthaler heute Menschen und organisiert Workshops. Dies im Bewusstsein, «dass wir alle Teil eines grossen Ganzen sind, das wir weder überblicken noch greifen können und auch gar nicht müssen.» Karin Hänzi hat Siegenthaler für die «Hauptstadt» porträtiert.
- Gemeindepolitik: Arlette Münger ist neue Könizer Parlamentspräsidentin. Die 32-jährige SP-Politikerin hat am Freitag ihr Amt angetreten. «Die Pandemiejahre haben uns als Gesellschaft vor grosse Herausforderungen gestellt», wird sie in der Mitteilung ihrer Partei zitiert. Es brauche Respekt und ein gesellschaftliches Zusammenrücken. Ihr Präsidialjahr stehe deshalb unter dem Motto «Zäme für Köniz».
- Stadtrat I: Wie tickt die neue Berner Stadtratspräsidentin? Mein Kollege Jürg Steiner hat mit Valentina Achermann über ihre Arbeit als Politikerin und als Psychologin beim Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten Kreuzes gesprochen. Die 29-jährige SP-Politikerin findet, dass die rot-grüne Stadt Bern die sozialen Fragen nicht aus den Augen verlieren soll.
- Stadtrat II: Bern soll für die Stadtentwicklung Bern-Ost in einem ersten Schritt weniger Geld ausgeben als vom Gemeinderat vorgesehen. Der Stadtrat sprach sich für eine Halbierung des entsprechenden Kredits aus. Das Projekt «Chantier Bern-Ost» sieht eine grossflächige Untertunnelung der Autobahn A6 vor. Im Stadtrat zu Reden gab ausserdem die Klimapolitik der Stadt. Einige Ratsmitglieder forderten mehr Tempo; der zuständige Gemeinderat Reto Nause (Mitte) strich dagegen bisherige Erfolge hervor. Mein Kollege Jürg Steiner hat die Debatte für die «Hauptstadt» verfolgt.
- Verkehr: Sie gelten als legendär und gehören seit 30 Jahren zum Stadtbild von Bern. Jetzt ziehen elf ausgemusterte Berner «Vevey»- Trams weiter in die ukrainische Stadt Lviv. Bernmobil hat am Freitag über die Schenkung informiert. Die Fahrzeuge seien in gutem Zustand und könnten in der Ukraine noch zehn bis zwölf Jahre eingesetzt werden, heisst es. Die Lieferung der ersten Trams erfolgt gemäss Bernmobil voraussichtlich im Spätsommer 2024.
- Länggasse: Im ehemaligen «Mappamondo» in der Berner Länggasse wird ab Februar wieder Gastronomie betrieben. Laut dem Quartiermagazin «Quartierpost» wird das neue Restaurant «Mondo» heissen. Hinter dem Vorhaben stehen Fabio Leuenberger und Werner Wahlen. Geplant sei zunächst eine japanisch angehauchte Küche – ab Mitte Mai soll dann eine mexikanische Taqueria betrieben werden.
An diesem Wochenende laden die Berner Kunstgalerien zu ihrem traditionellen Kunstparcours ein. An 13 Orten in der Stadt können Besucher*innen neue Künstler*innen entdecken – und sich bei verschiedenen Apéros bedienen. Einer, der den Anlass wesentlich mitträgt, ist Dimitri Gebhard. Der Präsident des Vereins Berner Galerien führt mit seinem langjährigen Freund Sebastian Winkler die Reflector Gallery. Diese ist ohne festen Standort – «wir suchen uns immer wieder neue Räumlichkeiten, die zur Ausstellung passen», sagt Gebhard. Nachhaltig beeindruckt hat ihn das Werk «Urgent Paradise», das vergangenes Jahr in seiner Galerie zu sehen war. Darin erzeugt der Künstler Tom Rod Sonnenuntergänge mit Hilfe von künstlicher Intelligenz. Der 40-jährige Gebhard hat grosse Freude daran, Werken einen passenden Rahmen und Raum zu geben und Gastgeber zu sein, wie er im Gespräch betont – «diese Atmosphäre schätze ich sehr.» Eine Galerie ist aber immer auch Geschäft. Und davon versteht Gebhard ebenfalls etwas. Als Wirtschaftsinformatiker arbeitet er für eine Unternehmensberatung in Bern und hat zum Beispiel ein grosses e-Government Portal mitentwickelt. In beiden Welten sei er auf der Suche nach neuen Ansätzen und versuche, Vorbehalte zu entkräften, sagt er. Beim Galerienwochenende freut sich Gebhard über zwei Neuzugänge: Die schweizerisch-amerikanische Kendra Jayne Patrick Gallery zeigt unter anderem Werke der chilenischen Künstlerin Manuela Morales Délano. Die Glaab Galerie hingegen will die Arbeiten des Zürcher Kollektivs Hulda Zwingli dem Publikum näher bringen. Ausserdem feiert die Galerie Art+Vision ihr 50-jähriges Bestehen.
PS: Bei der Konzessionsvergabe sorgte Medien-Urgestein Roger Schawinski für eine Überraschung. Er bekam mit «Radio Alpin» in Graubünden den Zuschlag. Ob er sich zuvor beim Berner Künstler Matto Kämpf nach den Namensrechten erkundigt hat, der mit einem gleichnamigen Radio schon auf der Bühne zu sehen war?