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Berner Kopf der Woche: Ramona Bachmann

Die Berner Young Boys verpflichten ein Aushängeschild des Schweizer Fussballs. Mit Ramona Bachmann erhält das Team eine dringend benötigte Leaderin – wobei unklar ist, wie gross ihr Beitrag auf dem Rasen sein wird.

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Am Anfang stand ein Entscheid, der vor fast 20 Jahren noch wagemutiger war als er es heute immer noch wäre: Im Alter von 16 Jahren entscheidet sich Ramona Bachmann, ihre Lehre als Logistikerin bei der Post abzubrechen, um mit einem Transfer zum schwedischen Topklub Umea ihrem Traum vom Profifussball näherzukommen.

Was folgte ist Schweizer Fussballgeschichte: Bachmann absolvierte für die Schweiz 153 Länderspiele und schoss dabei 60 Tore. Dreimal wurde sie zur Schweizer Fussballerin des Jahres gewählt. Sie wurde mehrfache schwedische Meisterin und Cupsiegerin, gewann mit dem VfL Wolfsburg den Cup in Deutschland, mit Chelsea das Double in England und mit Paris Saint-Germain ebenfalls die Liga und den Cup in Frankreich. Zuletzt stand sie bei Houston Dash in den USA unter Vertrag.

Nun kehrt Ramona Bachmann als 35-Jährige nach fast zwei Jahrzehnten in die Schweiz zurück. Bei den Berner Young Boys hat sie einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Im jungen YB-Team (Durchschnittsalter: 22,5 Jahre) soll sie als Vorbild fungieren. Zusätzlich wird sie in Bereichen auf und neben dem Platz (Sportassistenz, Nachwuchsförderung) Erfahrungen für die Zeit nach ihrer Profikarriere als Fussballerin sammeln.

Denn so unbestritten Bachmanns einstige Klasse als Spielerin war, so unklar ist ihr aktuelles Niveau: Ihr letzter Einsatz ist Monate her. Derzeit erholt sie sich von einem Kreuzbandriss. Die Europameisterschaft im letzten Sommer verpasste sie deswegen. YB rechnet frühestens «im Frühling» mit einer Rückkehr. Im Blick hatte Bachmann im Herbst angekündigt, dass sie auch in die Nati zurückkehren möchte: «Ich will nicht mit einem Kreuzbandriss aufhören. Ein Spiel werde ich sicher noch machen.»

Eine Ansage an die Konkurrenz

Dabei war zeitweise unklar, ob Bachmann überhaupt jemals auf den Fussballplatz zurückkehrt. Vor rund einem Jahr verbrachte sie sieben Wochen in einer psychiatrischen Klinik. «Da ging es nicht darum, ob ich jemals wieder spielen kann. Ich wollte einfach nur gesund werden», sagt sie rückblickend. Zuvor hatte sie monatelang unter Panikattacken und Angstzuständen gelitten und kaum mehr geschlafen. Gegenüber SRF hat Bachmann offen über ihre psychische Erkrankung gesprochen. Auch sonst geht sie mit gewissen Themen offen um, die im Männerfussball immer noch als Tabu gelten: Sie bekannte sich früh zu ihrer Homosexualität und lebt heute mit ihrer Ehefrau Charlotte Baret in Luzern. Seit Mai 2025 sind die beiden Eltern eines Sohnes.

Für die Bernerinnen ist der Zuzug Bachmanns ein Transfercoup – und eine Ansage an die Gegnerinnen. Obwohl wichtige Spielerinnen wie Iman Beney oder Naomi Luyet das Meisterinnen-Team im Sommer verlassen haben und mit Stephanie Waeber die Kapitänin lange verletzt fehlt, gelingt es der jungen Equipe auch diese Saison an der Tabellenspitze mitzuhalten. Zur Winterpause liegt YB auf Rang 3. Mit Ramona Bachmann wird das Team nun noch stärker werden.

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