König: Fussball, Köniz: Floorball

Natürlich, man kann Fussball und Unihockey nicht miteinander vergleichen. Unsere Köniz-Kolumnistin macht es trotzdem. Sie will herausfinden, warum Unihockey in der Nebenstadt so beliebt und erfolgreich ist.

Funktioniert
(Bild: Silja Elsener)

In den letzten Monaten machte Köniz vor allem mit drei Themen national Schlagzeilen: Dem toten Mädchen im Könizbergwald. Der desolaten Finanzsituation. Und, als häufigstes und einziges auch positives Thema, dem Unihockeyverein Floorball Köniz (FBK). Dem letztjährigen Schweizer Meister, der dieses Jahr sowohl in den Playoffs als auch im Cup je in den Halbfinal gelangte. In der regulären Saison der Nati-A schloss FBK auf dem zweiten Rang ab.

Das Saisonergebnis ist symptomatisch für die Sportart als Ganzes: Unihockey ist in der Schweiz die Nummer 2. Mindestens, was die Anzahl lizenzierter Spieler*innen angeht: Aktuell sind es über 34'000. Das sind viele, aber es ist kein Vergleich mit der Nummer 1, dem Fussball, mit 283'000 Mitgliedern. Auch bei anderen Zahlen kann Unihockey nicht mithalten: FBK verfügt über knapp eine Million Franken Vereinsbudget, ein Bruchteil, verglichen mit dem zweistelligen Millionenbudget von YB. Nicht einmal die besseren Spieler von FBK können vom Unihockey leben, sondern gehen daneben meist einem Teilzeitjob nach. Selbst Jan Zaugg, in der Schweiz Nationalspieler und weltweit einer der zehn besten Spielern gekürt.

FB Köniz bringt alles mit, was ein erfolgreiches Team im Unihockey ausmacht. Es kommt aus einem der drei grossen Unihockey-Ballungszentren Bern, Graubünden und Zürich. Und Köniz ist keine Grossstadt. Mit Ausnahme des diesjährigen Meisters GC aus Zürich rangieren in der Unihockey-NLA nur Clubs aus kleineren Städten wie Uster, Chur oder eben Köniz bis hin zu Provinzclubs wie Wiler-Ersigen oder Malans. Dagegen sind die Vereine der Fussball-Super-League ausnahmslos städtisch. Abgesehen von Sion kommen sogar alle aus den zehn grössten Städten der Schweiz.

Dass die kleineren Städte und ländlichen Gebiete im Unihockey präsenter sind als die urbanen Zentren, bestätigt auch der Verband swissunihockey. Eine Turnhalle hat fast jedes Dorf, die Stöcke und Tore sind schnell beschafft, und das Spiel eignet sich bereits für Primarschüler*innen. Das könnte die grosse Beliebtheit von Unihockey als Breitensport erklären.

«Bei den Erklärungsversuchen zum Könizer Erfolg fällt immer wieder der Name des früheren Spielers und späteren Meistertrainers René Berliat.»

Doch warum ist Floorball Köniz im Leistungssport erfolgreicher als die Clubs aus vergleichbaren Gemeinden? Das ist weniger eine geographische als eine historische Frage: Köniz war schon sehr früh im Unihockey engagiert. Bei den Erklärungsversuchen zum Könizer Erfolg fällt immer wieder der Name des früheren Spielers und späteren Meistertrainers René Berliat, wahlweise bezeichnet als Herz, Seele oder Vater von FBK. Unihockey als maximal halbprofessioneller Sport hängt massgeblich von Einzelpersonen und ehrenamtlicher Mitarbeit ab, ganz anders als der durchorchestrierte Fussball.

Da Floorball Köniz schon seit Beginn bei den besten Teams in der Schweiz mitmischt, zieht die Mannschaft Talente aus der ganzen Region an. Nicht nur liegt einer ihrer Trainingsorte, die Sporthalle Weissenstein, auf Berner Boden. Auch kommen viele Spieler*innen aus der Stadt und Umgebung Bern – oder besser gesagt: aus der «Grossraumregion Köniz» – zu FBK. Der Verein schätzt, dass bereits bei den Junior*innen rund 50 Prozent nicht aus der Gemeinde Köniz stammen. Für ihn zählt nicht der Wohnort, sondern die sportliche Heimat: dass bis zu 90 Prozent der ersten Mannschaft bereits als Junioren bei FBK waren.

Ein letzter Vergleich. Wenn oben von «sehr früh» und «seit Beginn» die Rede ist, sind die 90er-Jahre gemeint. Und zwar die 1990er, nicht wie beim Fussball die 1890er. FBK wurde genau 100 Jahre später als YB gegründet, 1998 versus 1898. In dieser kurzen Zeit hat Unihockey stark an Mitgliedern zugelegt und durch neue Formate wie «Supercup» oder «Superfinal» an Attraktivität gewonnen. In Diskussion ist, den Sport olympisch zu machen. So, dass die Sportler von FBK nicht nur national, sondern international für positive Schlagzeilen zu Köniz sorgen könnten.

Zur Person: Annatina Foppa hat als freie Journalistin bei der «Berner Zeitung» ein besonderes Interesse an Köniz entwickelt. Den Beruf hat sie vor Jahren gewechselt, die Faszination ist geblieben. Für die «Hauptstadt» rückt sie monatlich die «Nebenstadt» Köniz ins Zentrum.

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Diskussion

Unsere Etikette
Andreas Bohler
28. April 2022 um 13:52

Ich habe mich auf den Artikel gefreut. Aber muss sagen, dass ich schon etwas mehr Tiefe und Details erwartet habe. Eben dies, was ich von Hauptstadt.be erwarte. Nun ja, vielleicht triffts ein anderer Artikel wieder besser.