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Der eingefleischte Oberaargauer

«Hauptstadt»-Wahl-Check: SP-Regierungsratskandidat Reto Müller liebt seine Heimatstadt Langenthal – und will nun den Kanton mitregieren.

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Der Langenthaler Stadtpräsident Reto Müller möchte für die SP in den Regierungsrat einziehen. (Bild: Silja Elsener )

Sein ganzes bisheriges Leben verbrachte Reto Müller in Langenthal. Es habe nie einen Grund gegeben, da wegzugehen, sagt er.

Jetzt möchte er sein Büro als Langenthaler Stapi austauschen, gegen eines in der Stadt Bern. Die SP schickt den 47-Jährigen ins Rennen, um den Sitz von Regierungsrat Christoph Ammann zu verteidigen.

Müller amtet seit 2017 als Stadtpräsident im Oberaargau. Zuvor war der ehemalige Lehrer von 2003 bis 2009 im Langenthaler Stadtrat, anschliessend im Gemeinderat. Politisiert habe ihn das Leben, sagt er. 

Seine Mutter hatte gleichzeitig drei Jobs, um ihm und seinem Bruder ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. «Wäre sie ein Mann gewesen, hätte ein Job wohl gereicht», sagt Müller rückblickend. Mit 20 Jahren trat er in die SP ein.

Steckbrief Reto Müller

Partei: SP

Alter: 47

Wohnort: Langenthal 

Zivilstand: verheiratet, drei Kinder. 

Interessenbindungen: Präsident des Verbands Bernischer Burgergemeinden, Verwaltungsrat dahlia Emmental, Präsidium Stiftungsrat Stiftung Contact Kanton Bern, Beirat Politforum Thun, Vorstand Bildungszentrum Langenthal, Verwaltungsrat Aare-Seeland mobil AG asm, zahlreiche weiter Mandate von Amtes wegen.

Wie seine Mutter hat auch Müller viele Aufgaben, in seinem Fall Mandate. Gewisse hat er von Amtes wegen, andere weil er «gerne arbeitet und entscheidet», wie er sagt. So ist er als wohl einziger Linker Präsident des Verbands Bernischer Burgergemeinden und engagiert sich gleichzeitig auch als Präsident des Stiftungsrats der Suchtstiftung Contact Kanton Bern. 

Politische Gegner sagen über ihn, er sei «kein typischer Linker». Das bedeutet in der Sprache der bürgerlichen Grossrät*innen: Müller stimmte etwa für einen Autobahnzubringer Oberaargau. «Gemäss meinem Smartspider bin ich ultralinks, im Alltag lebe ich aber die Konkordanz», so Müller. Als politisches Ziel nennt er, Langenthal und den Kanton Bern als offene, solidarische und gerechte Wohn-, Arbeits- und Lebensorte zu gestalten. 

Der «Hauptstadt»-Check

Was muss eine Person können, um gut zu regieren? Die «Hauptstadt» hat anlässlich der Regierungsratswahlen zehn Schlüsselkompetenzen definiert. Diese Anforderungen würden in einem Job-Inserat aufgeführt, wenn es denn eine Stellenausschreibung für dieses Amt gäbe. Die genaue Definition und Erklärung zu diesen Kompetenzen kannst du hier nachlesen. Was davon erfüllt SP-Kandidat Reto Müller?

Bringt mit: Nähe zum Parlament; Bereitschaft, hinzustehen; schnelle Auffassungsgabe; Belastbarkeit; Ausstrahlung; Geselligkeit; Sprachen

Daran haperts: Wille zu Veränderungen

Unklar: taktisches Geschick; gutes Gefühl für Menschen

Abgesehen von seiner Funktion als wehrhafter Goalie des FC Grossrats falle er nicht besonders auf im Grossen Rat, sagen andere über ihn. «Ich mache keine Politik des Lärms wegen», verteidigt Müller seine Art. Eine gewisse Bescheidenheit gehöre zum Oberaargau dazu. «Wer den Kopf zu hoch trägt, dem wird er abgesägt», pflege man da zu sagen. 

Bei der Bescheidenheit gibt es eine Ausnahme: An der Fasnacht tauscht er die leise Zurückhaltung gerne gegen Kostüm und Trubel – und ist dann mittendrin statt nur dabei.

Er lernt dank Corona Französisch

In der Pandemie begann Müller, online Französischunterricht zu nehmen. Bei einer Musikerin, die kurzerhand umsatteln musste, um weiterhin Geld zu verdienen. Bis heute lernt er bei ihr weiter. Was einst als Solidaritätsaktion begann, soll ihm bei einer allfälligen Wahl helfen, sich im französischen Teil  des Kantons zu verständigen.

Ob die Wahl gelingt, hängt auch davon ab, wie viele Sitze das bürgerliche Lager macht. Dieses tritt mit einem Fünferticket an und versucht den Linken einen Sitz streitig zu machen. Gelingt diese den Bürgerlichen, kommt es darauf an, ob Aline Trede (Grüne), oder Reto Müller mehr Stimmen macht. 

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