Wikipedia – «Hauptstadt»-Brief #121
Donnerstag, 12. Januar – die Themen: Enzyklopädie; Kunstrasen; Inselspital; YB; Parkgebühren; Klimapolitik; Stadtratssitzung.
Mal unter uns: Schon in vielen Situationen und Lebenslagen war mir Wikipedia eine ausgesprochen nützliche Hilfe. Doch die Enzyklopädie hat ein Problem: Ein Frauenproblem. Rund 90 Prozent der Artikel sind von Männern geschrieben, und in der Mehrheit handeln die Texte auch von Männern.
Dagegen haben Studierende der Universität Bern etwas unternommen. Im Rahmen eines Germanistik-Seminars widmeten sie sich Autorinnen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Denn in Sachen Wikipedia-Einträge war der Frauenmangel dort bisher akut: Für das 17. Jahrhundert existierten gerade mal sechs Einträge zu schreibenden Frauen im deutschsprachigen Raum. Und in die Liste der wichtigen Autor*innen der Barockliteratur schafften es bloss zwei Frauen – neben 23 Männern.
Durch die Arbeit der Studierenden ist Wikipedia nun um 42 neue und 18 ergänzte Wikipedia-Artikel reicher, die vom Leben und Schaffen schreibender Frauen des Barock und der Aufklärung handeln.
Und das möchte ich dir mit in den Tag geben:
- Kunstrasen: Neun Kunstrasenteppiche auf den Sportplätzen der Stadt Bern müssen in den nächsten fünf Jahren ersetzt werden. Zudem muss der provisorische Kunstrasen auf der Bodenweid saniert werden. Dafür beantragt der Berner Gemeinderat nun einen Rahmenkredit von 5,8 Millionen Franken. Damit sollen die Unterlagen zehn bis 15 Jahre halten. Erneuert werden neben der Bodenweid die Plätze Wyler, Spitalacker, Neufeld, Allmend und Weissenstein.
- 30 Millionen Defizit: Die Insel Gruppe schliesst das erste Halbjahr 2022 mit roten Zahlen ab. Der Konzernverlust des Spitals beträgt laut Medienmitteilung 28,8 Millionen Franken. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses Ergebnis eine deutliche Verschlechterung. Grund dafür seien einerseits «Turbulenzen an den Finanzmärkten». Insbesondere die Renditen aus Fonds seien zurückgegangen. Zudem kämpfe das Spital mit einer angespannten Personallage.
- Kryptowährung: Die Berner Young Boys wollen sich nicht nur auf dem Fussballplatz durchsetzen, sondern neu auch im digitalen Markt: Als erster deutschsprachiger Fussballverein experimentieren sie mit Kryptowährungen. Der Club verspricht sich damit mehr Interaktion, aber auch neue Einnahmequellen. Bei Fans kommt das nicht nur gut an, wie die Journalisten Diego Loretan und Philip Schären für die «Hauptstadt» recherchiert haben.
- Parkgebühren: Nach erfolgreicher Unterschriftensammlung sind zwei Referenden gegen Parkgebühren in der Stadt Bern zu Stande gekommen. Zum einen gegen die Erhöhung der Parkiergebühren, zum anderen gegen die Erhöhung der Preise für Parkkarten, wie der Gemeinderat mitteilt. An der Unterschriftensammlung zu den Parkkarten hat sich auch Preisüberwacher Stefan Meierhans beteiligt, was eine ungewöhnliche Vermischung seiner Rollen bedeutet, wie die «Hauptstadt» berichtete. Laut Gemeinderat werden die Stimmberechtigten nun am 18. Juni über beide Vorlagen abstimmen.
- Klimapolitik: Die Stadt Bern ist klimapolitisch nicht auf Kurs. Das zeigte letzten September ein Kontrollbericht zur Klimastrategie. Aus dem Stadtrat gab es daher Kritik. Die Regierung hat zu einer entsprechenden Interpellation nun Stellung genommen. Sie plane die nächste Klimastrategie. Was die Interpellant*innen davon halten, hat meine Kollegin Flavia von Gunten nachgefragt.
- Stadtrat: Das Berner Parlament trifft sich heute zur ersten Sitzung im neuen Jahr. Das Ratsbüro ist für 2023 neu aufgestellt: Michael Hoekstra (GLP) präsidiert in diesem Jahr den Rat, erste Vizepräsidentin wird Valentina Achermann (SP). Damit wird sie 2024 Ratspräsidentin. Und 2025 wird es – Wiederwahl vorausgesetzt – FDP-Stadtrat Tom Berger, der ebenfalls neu im Stadtratsbüro sitzt. Nicht im Stadtratsbüro aber zumindest im Ratssaal sitzt bald auch die «Hauptstadt»: mit dem «Stadtrat-Brief» berichten wir ab Februar darüber, was im Rat beschlossen wird und schliessen damit eine Lücke im Berner Lokaljournalismus. Unser Projekt kannst du hier unterstützen.
Es grüsst
Carole Güggi
PS: Unsere Freund*innen vom Balser Online-Medium Bajour diskutieren jeden Tag mit der Community über eine aktuelle «Frage des Tages». Heute geht es darum, dass Halbkantone, und somit die beiden Basel, je nur einen Ständeratssitz haben, was einige (vor allem Basler*innen) nicht fair finden. Damit ihre Abstimmung nicht langweilig wird (weil was die guten Menschen in den beiden Basel stimmen, ist ja wohl klar), baten sie uns die Frage an die Hauptstädter*innen weiter zu reichen.
Was meinst du, ist es Zeit für einen zweiten Basler Ständeratssitz?