Aebischer – «Hauptstadt»-Brief #266

Donnerstag, 11. Januar 2024 – die Themen: Gemeinderatswahlen; GLP-Kandidatinnen; Stadtratspräsidentin; Schulprovisorium; Sportrasenplätze; Kirche ohne Budget.

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(Bild: Marc Brunner, Buro Destruct)

Das Stadtberner Wahljahr 2024 ist erst wenige Tage alt, aber schon ereignisreich. Nach den Mitte-Rechts-Parteien, welche am Montag für die Wahlen vom 24. November ihre gemeinsame Liste «Gemeinsam für Bern» präsentierten, hat die SP-Parteileitung am Dienstagabend das Vorgehen für die Auswahl der SP-Kandidat*innen bekannt gegeben. Sie zeigte sich erfreut über das Interesse «von drei kompetenten Kandidat:innen» für die Nachfolge von Michael Aebersold. Und sie will, dass sich Nationalrat Matthias Aebischer, Grossrat Stefan Jordi und Alt-Stadträtin Katharina Altas im Rahmen einer «Tour de Section» in allen SP-Stadtsektionen vorstellen, bevor am 25. März die Parteiversammlung über die SP-Kandidat*innen befindet. 

Das Rennen um die Kandidatur ist aber nicht so offen, wie eine solche «Tour de Section» suggeriert, denn die Parteileitung empfiehlt laut der Medienmitteilung neben der amtierenden Gemeinderätin Marieke Kruit als Kandidaten Matthias Aebischer.

Entsprechend irritiert reagieren die beiden anderen Kandidat*innen. «Ich habe die Empfehlung der Parteileitung zur Kenntnis genommen», sagt Altas. Die Ausgangslage habe sich damit deutlich geändert. «Ich ging davon aus, dass drei gleichberechtigte Kandidaturen bei den Sektionen auf Tour gehen werden.» Sie werde nun überlegen, ob sie ihre Kandidatur aufrechterhalten werde. Auch Stefan Jordi wird in den nächsten Wochen analysieren, ob er seine Kandidatur «angesichts der Empfehlung aufrechterhalten werde». Ihn reize das Amt und er sei nach wie vor überzeugt, die dafür nötigen Fähigkeiten mitzubringen, sagt er.

Überzeugt von seinen Fähigkeiten ist auch Matthias Aebischer. «Ein Exekutivamt war schon lange ein Ziel von mir», sagt er auf Anfrage. Als Nationalrat, Präsident diverser Verbände und ehemaliger Lehrer und Journalist bringe er dafür gute Voraussetzungen mit. «Ich führe gerne und habe beim Fernsehen und mit meinen Präsidien schon mehrmals bewiesen, dass ich das kann.»

Laut SP-Co-Präsidentin Meret Schindler sei «das Gesamtpaket Matthias Aebischer» für ihre Partei eine gute Wahl. Sein Auftritt bei der Findungskommission habe am meisten überzeugt. «Zudem sind seine guten Wahlresultate mitunter ein wichtiger Grund für die Empfehlung», so Schindler. 

Dieses Wähler*innen-Potenzial ist bei den kommenden Wahlen wichtiger, als auch schon: Da dem Bündnis Rot-Grün-Mitte (RGM) aufgrund der grossen Mitte-Rechtsliste ein Sitzverlust droht, müssen die SP-Kandidat*innen zur Sicherung der SP-Sitze auf der RGM-Liste mindestens auf Platz drei landen.

Tim Weber posiert für ein 8x10 Polaroid am 30. Oktober 2023 im Marzili in Bern.
Photo: Stefan Wermuth

Was bedeutet für dich Bern?
Bern ist wie Musik in den Ohren.
Bern ist wie Musik in den Ohren. (Bild: Stefan Wermuth)

Und jetzt noch zu anderen Themen des Tages:

  • Parlamentspräsidentin: Mit der SP-Politikerin Valentina Achermann präsidiert dieses Jahr eine pointiert linke Politikerin den Berner Stadtrat. Mein Kollege Jürg Steiner thematisiert im Porträt der 29-jährigen Psychologin ihre herausfordernde Arbeit am Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer und eine bessere Zugänglichkeit des Parlaments. Zur Sprache kommt im Text auch ein prägender Satz aus dem letzten Wahlkampf: «Können Sie sich eine Stadt vorstellen, die zu diskriminierungsfrei ist, zu sozial oder zu nachhaltig – wohl nicht, oder?»
  • GLP-Kandidatinnen: Bei den Grünliberalen interessieren sich Nationalrätin Melanie Mettler und Grossrätin Marianne Schild für eine Gemeinderatskandidatur. Nationalrätin Kathrin Bertschy hingegen verzichtet aus beruflichen und familiären Gründen auf eine solche. GLP-Präsident Michael Hoekstra verteidigt im Interview mit der «Hauptstadt» die Strategie, zusammen mit der SVP und weiteren Parteien auf einer Liste zu kandidieren. Das sei für die GLP der einzige Weg, einen Regierungssitz zu erreichen.
  • Schulprovisorium: Die Stadt Bern will auf dem Gaswerkareal 2025 ein Schulraumprovisorium erstellen. Dieses soll zuerst der Volksschule Kirchenfeld als Ersatzstandort dienen, anschliessend der Volksschule Sulgenbach, wie die Stadt in einer Medienmitteilung schreibt. Beide Schulen müssten saniert werden. Das Provisorium für 25 Schulklassen umfasse zwei Modulbauten und eine Traglufthalle. Es soll sechs bis acht Jahre genutzt werden. Der Gemeinderat beantragt dem Stadtrat einen Baukredit von 23,4 Millionen Franken. Die Stimmberechtigten werden voraussichtlich im Juni 2024 über die Vorlage entscheiden.
  • Sportrasenplätze: Die Stadt Bern prüft drei Standorte für neue Sportrasenflächen. Aktuell betreibt die Stadt 30 Sportrasenplätze. Gemäss Prognosen des städtischen Sportamts fehlen bis 2030 mindestens zwölf Naturrasen- oder sechs Kunstrasenplätze. Von rund 50 denkbaren neuen Standorten will die Stadtregierung drei Optionen weiterverfolgen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Die Standorte sind beim Bahnhof Brünnen Westside, bei der Endstation der Tramlinie 7 in Bümpliz und bei der Rudolf Steiner Schule in der Nähe des Zentrums Paul Klee.
  • Kirche ohne Budget: Die Evangelisch-Reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern (GKG) und ihre zwölf Kirchgemeinden müssen das neue Jahr ohne rechtskräftiges Budget beginnen. Sie können vorläufig nur gebundene und unumgängliche Ausgaben tätigen. Grund ist eine Beschwerde von fünf Einzelpersonen gegen mehrere Beschlüsse des Grossen Kirchenrates Ende November. Das teilte die GKG am Dienstag mit. Die Hintergründe der Beschwerde sind nicht bekannt. Aus dem Protokoll zur Sitzung des Grossen Kirchenrats vom 29. November geht hervor, dass ein Votant den späten Versand von Sitzungsunterlagen kritisierte. Ein Teil der Dokumente seien erst fünf Tage vor der Sitzung zugestellt worden.

PS: Du liebst Bücher und möchtest neue Freundschaften schliessen, mit anderen über dein Lieblingsbuch sprechen oder vielleicht sogar die grosse Liebe finden? Dann komm ans «Anbandeln mit Büchern» am Valentinstag am 14. Februar 2024. Das Bücher-Speed-Dating wird organisiert von den Kornhausbibliotheken und der «Hauptstadt». Die Informationen zur Anmeldung findest du hier.

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