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Die Unpolemische

«Hauptstadt»-Wahl-Check: Regierungsrätin Evi Allemann (SP, bisher) selbst fällt wenig auf. Eines ihrer Ämter sorgt aber immer wieder für Unmut.

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(Bild: Bild: Silja Elsener)

Seit Juni 2018 ist Evi Allemann (SP) die Vorsteherin der Direktion für Inneres und Justiz. Parlamentarier*innen im Grossen Rat nennen ihre Direktion belustigt einen Gemischtwarenladen. So kümmert sich Allemann in ihrer Funktion etwa um die Religionsgemeinschaften, das Justizsystem, die Digitalisierung oder die Verbilligungen für Krankenkassenprämien.

Nun kandidiert Allemann als Bisherige auf dem rot-grünen Ticket für eine dritte Amtszeit. Ihre Wiederwahl gilt als sicher, die SP-Wähler*innen schätzen ihren unspektakulären, vermittelnden Stil. Kritik brachte ihr in den letzten Jahren vor allem das ihr unterstellte Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) ein.

Henrik Schoop, Direktor des Handels- und Industrievereins und FDP-Mitglied, forderte kürzlich gar eine Verschiebung des Raumplanungsamts in die Wirtschafts- oder die Baudirektion. Es fehle in Allemanns Direktion der Drive, etwas zu bewegen, monierte er. Der juristische Spielraum werde zu wenig genutzt. Firmen, die ausbauen wollten, müssten viel zu lange auf Bewilligungen warten, sagt er. Auch Gemeinden klagen über viel zu lange Bearbeitungszeiten. Allemann betonte jeweils, man habe die Verfahren schon vereinfacht und das Personal aufgestockt. 

Steckbrief Evi Allemann

Partei: SP

Alter: 47

Wohnort: Stadt Bern

Zivilstand: in Partnerschaft, Mutter zweier Kinder

Interessenbindungen: Allemann ist mit SP-Grossrat Stefan Berger liiert, er ist Stadtpräsident von Burgdorf. 

Die Juristin Allemann weiss, dass gerade juristische Anpassungen Zeit und Fingerspitzengefühl brauchen. Sie ist eine Politikexpertin durch und durch: Mit nur 19 Jahren wurde sie 1998 in den Grossen Rat gewählt, seither bestimmt Politik ihr Leben. Über 14 Jahre lang war sie Nationalrätin. 

Als linke Frau ist sie im bürgerlich geprägten Kanton Bern immer wieder der Kritik ausgesetzt. Trotzdem sagen selbst ihre politischen Gegner*innen, man könne gut mit ihr diskutieren. Sie sei dossiersicher – wohl eine Grundbedingung, wenn sie der bürgerlichen Mehrheitsmeinung etwas entgegensetzen will. Sie höre auf gute Vorschläge, heisst es aus der SVP. 

Bei aller Anerkennung für ihre Sachkenntnis drängt sich jedoch eine grundlegendere Frage auf: Was will sie eigentlich bewegen, wo ist ihr Feuer? Sie gilt als hoch korrekt, wählt kaum ein falsches Wort, und wirkt damit gegen aussen langweilig und sehr angepasst. 

Der «Hauptstadt»-Check

Was muss eine Person können, um gut zu regieren? Die «Hauptstadt» hat anlässlich der Regierungsratswahlen zehn Schlüsselkompetenzen definiert. Diese Anforderungen würden in einem Job-Inserat aufgeführt, wenn es denn eine Stellenausschreibung für dieses Amt gäbe. Die genaue Definition und Erklärung zu diesen Kompetenzen kannst du hier nachlesen.

Was davon erfüllt SP-Kandidatin Evi Allemann?

Bringt mit: Nähe zum Parlament; Bereitschaft, hinzustehen; schnelle Auffassungsgabe; Belastbarkeit; taktisches Geschick

Daran haperts: Ausstrahlung; Wille zu Veränderungen

Unklar: Sprachen; Geselligkeit; gutes Gefühl für Menschen

Zweimal kandidierte sie in den letzten Jahren vergeblich für den Bundesrat. Einmal bewarb sie sich für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga, das andere Mal, als Alain Berset zurücktrat. Das zeigt, dass sie durchaus bereit ist, sich zu exponieren und Risiken einzugehen. Ein Charakterzug, den sie im Regierungsamt als stille und unauffällige Schafferin kaum je zum Vorschein kommen lässt.

Mit nationalem Rückenwind brachte sie den Regierungsrat 2023 dazu, Familien stärker von den Krankenkassenprämien zu entlasten. Rund 44 000 Personen oder 17 000 Haushalte, vor allem Paare mit Kindern oder Alleinerziehende, profitieren zusätzlich. Selbst hatte sie mehr gefordert – war mit dem Vorschlag in der Regierung aber unterlegen. 

So berichtet die «Hauptstadt» über die Regierungswahlen

Am 29. März wählen die Stimmberechtigten des Kantons Bern den siebenköpfigen Regierungsrat und den 160-köpfigen Grossen Rat für die nächste vierjährige Legislatur. Für die Regierung kandidieren 16 Personen, ernsthafte Chancen auf eine Wahl haben die zehn Personen aus den grössten Parteien. Das sind die Bisherigen Pierre Alain Schnegg (SVP), Philippe Müller (FDP), Astrid Bärtschi (Mitte) und Evi Allemann (SP) sowie die neu kandidierenden Daniel Bichsel (SVP), Raphael Lanz (SVP), Aline Trede (Grüne), Reto Müller (SP), Hervé Gullotti (SP) sowie Tobias Vögeli (GLP).

Die «Hauptstadt» schätzt in den kommenden Wochen jede*n dieser Kandidat*innen aufgrund des von der «Hauptstadt»-Redaktion recherchierten Stellenprofils ein. Bereits erschienen sind mehrere solcher Porträts. Etwa über Pierre Alain Schnegg, Tobias Vögeli,  Daniel Bichsel, Philippe Müller.

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