Das war das vierte «Hauptstadt»-Jahr
Die «Hauptstadt» blickt auf das Geschäftsjahr 2025 zurück. Wir haben den Gastro-Brief und das Gäste-Abo lanciert. Wir waren in der Markuskirche und in Ittigen. Und wir haben uns verstärkt.
Gastro-Brief: Das neue journalistische Produkt
In Zusammenarbeit mit der renommierten Berner Gastro-Journalistin Claudia Salzmann hat die «Hauptstadt» im August 2025 ein neues Newsletter-Format lanciert: den Gastro-Brief. Alle zwei Wochen testet Salzmann für die «Hauptstadt» neue Lokale in Bern oder sie erstellt Rankings: die besten Pizzerien, die kreativsten Sushi, die feinsten Negroni von Bern. Der Gastro-Brief wird als Newsletter verschickt, erscheint aber auch als Artikel auf der Website. Finanziert wird der Gastro-Brief nach bewährter «Hauptstadt»-Praxis: Bedingung für die Lancierung des neuen Formats war, dass in einem Crowdfunding 15’000 Franken zusammenkommen. Damit ist der Gastro-Brief vorerst für ein Jahr finanziert. Er wird an über 6000 Interessierte verschickt.
Journalistische Highlights: Bauernjahr, Ausschaffungshaft, Frauenfussball
Ausgehend von einem Hauptsachen-Talk über Landwirtschaft hat die «Hauptstadt» während eines Jahres monatlich mit Berner Bäuer*innen gesprochen, um herauszufinden, was Herausforderungen und Schwierigkeiten sind. In der Serie «Durch das Berner Bauernjahr» ging es darum, mehr Verständnis zwischen urbanen Konsument*innen und Produzent*innen zu schaffen. Während der Frauen-Fussball-EM, bei der auch Spiele in Bern ausgetragen wurden, gab es einen regelmässigen Newsletter, den die «Hauptstadt» in Zusammenarbeit mit dem legendären satirischen Fussball-Blog «Zum Runden Leder» verschickte. Die preisgekrönte Journalistin Jana Schmid beschäftigte sich in einer Serie von drei Artikeln mit der strengen Berner Praxis bezüglich der Ausschaffungshaft. Insbesondere legte sie auch einen Fokus auf minderjährige Asylsuchende.
Pop-Up-Redaktionen: In Köniz und Ittigen, in der Kirche und im Museum
Auch 2025 blieb die «Hauptstadt» einem ihrer Markenzeichen treu und verlegte die Redaktion für vier Aussenwochen entweder in Agglomerationsgemeinden oder an spezielle Orte in der Stadt Bern. Zum Start des Wahljahrs in der grössten und stark wachsenden Berner Agglomerationsgemeinde gastierte die Hauptstadt in einem neu entstandenen Quartier im Liebefeld in Köniz. Journalistisch führte das unter anderem zu einer unkonventionellen Tour de Köniz. Wenige Monate später arbeitete die «Hauptstadt» in der Grossüberbauung Kappelisacker in Ittigen, die auch ein sozialer Brennpunkt ist. Kurz nach Ostern verlegten wir unsere Redaktion in die Markuskirche im Breitenrainquartier, die wegen eines blockierten Umbaus experimentell zwischengenutzt wird. Die intensivste Aussenwoche spielte sich im Herbst im Naturhistorischen Museum ab: In der ersten Woche der neuen Dauerausstellung zum Klimawandel war die Hauptstadt-Redaktion Teil dieser Ausstellung und nutzte dies, um mit Besucher*innen in einen Dialog zu kommen.
Zusammenarbeit mit Biel
Per Anfang 2025 hat die «Hauptstadt» eine Kooperation gestartet mit dem Bieler Verlag Gassmann Medien, die das Bieler Tagblatt (Print) herausgeben und die News-Plattform Ajour bespielen. Die Vereinbarung zwischen Gassmann und «Hauptstadt» besteht im wesentlichen aus diesem Grundsatz: Gassmann zahlt der «Hauptstadt» einen jährlichen Fixbetrag und erhält dafür die Möglichkeit, Inhalte der «Hauptstadt» im Bieler Tagblatt und auf Ajour zu publizieren. Für die «Hauptstadt» ist das eine sinnvolle strategische Kooperation. Ajour.ch hat eine harte Paywall, weshalb diese Zusammenarbeit die Marktposition der «Hauptstadt» im Kerngebiet der Agglomeration Bern nicht beeinträchtigt.
Stadtrat-Brief: Unverzichtbar
2025 startete die Stadt Bern mit einem neu gewählten Parlament in die Legislatur. Die «Hauptstadt» beobachtet die Ratsdebatten genau und fasst sie seit drei Jahren kompakt und verständlich in Newsletter zusammen. Während andere Medien keine klassische Ratsberichterstattung mehr machen, nimmt die Anzahl der Abonnent*innen des Newsletters ständig zu, mittlerweile sind es über 800 Menschen und die Öffnungsquote des Newsletters ist sehr hoch. Finanziert wird der Brief traditionell Ende des Jahres mit einem Crowdfunding. So war Ende 2025 auch bereits wieder die Finanzierung für 2026 gesichert.
Social-Media: Instagram bleibt Hauptkanal
Die «Hauptstadt» hat sich im Januar 2025 von X (vormals Twitter) verabschiedet und auf Bluesky gewechselt. Dort ist die Followerschaft von 0 auf 831 gewachsen. Hauptverbreitungskanal bleibt Instagram, wo die «Hauptstadt» mittlerweile über 12’000 Follower hat und jährlich über zwei Millionen Aufrufe und 15’000 Interaktionen. Facebook und LinkedIn sind etwas weniger wichtig mit 1500 respektive 2500 Followern.
Hauptsachen-Talks: Reisen, Gastro, Zukunftsangst, Berge
Die Hauptsachen-Talks in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Progr bewähren sich weiterhin. Sie werden regelmässig von 50 bis 100 Menschen besucht. Lustigerweise gibt es kein Stammpublikum. Wer in den Zuschauerrängen sitzt, ist themenabhängig. Gerade mit den Themen Zukunftsangst und Bergen konnte ein junges Publikum gewonnen werden. Für die «Hauptstadt» ist es wichtig, im realen Raum präsent zu sein und Themen zu setzen. Die Talks sind dafür eine sehr gute Möglichkeit. Ausserdem konnten für das Format zusätzliche Fördergelder beschafft werden und so können die Hauptsachen-Talks neu auch als Podcast publiziert werden.
Personal: Wechsel und Anstellungen für Ausbau
Nach einer jahrelangen personellen Konstanz erfolgte Ende 2025 ein Wechsel. Jana Schmid wechselte zur NZZ. Gleichzeitig war die «Hauptstadt»-Geschäftsleitung zu dieser Zeit sowieso auf der Suche nach Journalist*innen für den Ausbau 2026. So konnten insgesamt drei Anstellungen von erfahrenen Journalist*innen getätigt werden: Im Dezember begann Pascal Sigg bei der «Hauptstadt». Er wechselte vom Infosperber zu uns. Im Januar begann Sophie Reinhardt, die vorher bei «Blick» und «Bund» gearbeitet hatte. Im März wird schliesslich Adrian Müller bei der «Hauptstadt» beginnen, er war vorher beim SRF Regionaljournal, bei Watson, «Bund» und «20 Minuten». Müller wird sich schwergewichtig um Wirtschaftsthemen kümmern, Sigg ist für Recherchen zuständig und Reinhardt schreibt über Politik in Kanton und Stadt Bern.
Abos: Lancierung Gäste-Abo und Stagnation bei Privatabos
Erfolgreich lanciert wurde das Gäste-Abo. Ob im Wartezimmer, am Kaffeetisch oder auf dem Coiffeurstuhl: Über einen QR-Code ermöglichen Restaurants oder Ärzt*innen ihren Kund*innen freien Zugang zu allen Artikeln der «Hauptstadt». So waren per Ende Jahr 27 Lokale mit Gäste-Abos ausgestattet darunter auch alle Migros-Restaurants in der Region. Die Gesamtzahl der Abos sank im Berichtsjahr leicht von rund 2800 auf rund 2700. Die Erneuerungsrate lag bei rund 75 Prozent. Um diesem Trend zu begegnen, wurde ein Entwicklungsprojekt initiiert (siehe nächster Punkt).
Business-Entwicklung
Die Entwicklung im Online-Werbemarkt und der steigende disruptive Einfluss von KI haben 2025 in der Medienbranche zur Einsicht geführt, dass die Finanzierung über Abos in nächster Zeit noch wichtiger wird als bisher schon. Für diesen Trend ist die «Hauptstadt» mit ihrem Businessmodell gerüstet. In der ersten Jahreshälfte 2025 wurde ein Plan erarbeitet, um die Einnahmen aus dem Abobereich mittelfristig zu erhöhen. Statt einer simplen Preiserhöhung entschieden wir uns für einen Ausbau und die Lancierung eines Abo Plus für 240 Franken im Jahr, das neu auch Kantonspolitik und Wirtschaft journalistisch abdeckt. Ziel ist es, dass bisherige Abonnent*innen mit einem Upgrade mehr zahlen und zudem die Zahl der Abonnent*innen erhöht wird. In der zweiten Jahreshälfte wurden die journalistischen Produkte, die IT-Voraussetzungen für das neue Abo und eine Marketingkampagne zur Lancierung entwickelt. Die Lancierung ist Ende Januar 2026 erfolgt.
Zukunftsaussichten: Ausbaukampagne, Abo Plus, Kantons-Brief, Firmen-Abos
Im Jahr 2026 will die «Hauptstadt» mit dem journalistischen Ausbau 1000 bisherige Abonnent*innen von einem Upgrade überzeugen und insgesamt von 2700 auf 3000 verkaufte Abos wachsen. Dazu benötigt sie schätzungsweise 900 neu akquirierte Abos. Zudem forciert sie den Verkauf von Gäste-Abos und Mitarbeitenden-Abos an mittelgrosse und grosse Arbeitgeber in der Region. Wir sind der Überzeugung, dass nicht nur natürliche Personen, sondern auch Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber ein Interesse an der Medienvielfalt in der Region Bern haben.
Februar 2026, Geschäfts- und Redaktionsleitung «Hauptstadt»