Radio RaBe muss zügeln

Das Berner Radio muss sein langjähriges Studio in der Lorraine bald aufgeben. Das Haus am Randweg 21 wird saniert. RaBe sucht nach neuen Räumlichkeiten.

Radio Rabe Studio fotografiert am Mittwoch, 8. Mai 2024 in Bern. (hauptstadt.be / Simon Boschi)
Alle Mieter*innen der Liegenschaft am Randweg 21 haben die Kündigung erhalten. (Bild: Simon Boschi)

Per Ende März 2025 muss Radio RaBe sein Studio am Randweg 21 nach fast 30 Jahren räumen. Wie alle Mieter*innen der Liegenschaft in der Lorraine hat RaBe kürzlich die Kündigung erhalten. Das bestätigt Musikredaktor Martin Schneider. Das Haus werde grundsaniert. 

«Wir sind nicht nur traurig», sagt Martin Schneider. Die zentrale Lage des jetzigen Studios in der Lorraine sei zwar ideal, das Haus aber in einem desolaten Zustand. Der Wohnblock am Randweg 21 gilt als heruntergekommen. Er ist vielen ein Begriff, weil die Züge kurz vor dem Bahnhof Bern nur wenige Meter an dessen Balkonen vorbeifahren. «Die obersten Wohnungen stehen jetzt schon leer, weil es reinregnet», sagt Schneider. RaBe habe sich deshalb schon länger nach neuen Räumlichkeiten umgeschaut. 

Wunsch-Zukunft «Haus der Bewegungen»

«Jetzt stehen wir leider unter Zeitdruck», sagt er. Das erschwere die Suche nach einer neuen Bleibe für das Berner Kulturradio. Sehr gerne würde sich RaBe dem Projekt «Haus der Bewegungen» anschliessen. Ein Verein möchte das Projekt im Kirchgemeindehaus Johannes im Breitenrain realisieren. Die Idee hinter dem «Haus der Bewegungen» ist ein gemeinsamer Standort für verschiedene aktivistische Gruppierungen, Künstler*innen, Nachbar*innen und Vereine. «Ein solcher Austausch wäre für RaBe sehr wertvoll», sagt Martin Schneider.

RaBe ist ein Gemeinschaftsradio, das sich als sozial und multikulturell definiert. Es sendet neben Musik und News auch Sendungen zu Politik und Gesellschaft in mindestens 20 verschiedenen Sprachen. Weil in seinem Studio zahlreiche Gäst*innen aus aktivistischen, migrantischen und linken Kreisen ein und aus gehen, würde das Radio gut ins «Haus der Bewegungen» passen.

Doch derzeit ist unklar, ob und in welchem Zeitraum das Projekt im Kirchgemeindehaus Johannes umgesetzt werden kann. Die Reformierte Kirche hat sich aus finanziellen Gründen für eine Neunutzung des Gebäudes entschlossen. Dass die Wahl aber auf den Verein «Haus der Bewegungen» fallen wird, ist alles andere als sicher, und selbst wenn, kann es lange dauern. Eine Einsprache blockiert momentan das Verfahren um die Neunutzung. 

AL-Stadtrat David Böhner, der sich im Verein «Haus der Bewegungen» engagiert, hat sich letzten Donnerstag im Parlament für einen «Plan B» für einen Standort ausgesprochen. Er regte an, die Stadt könne eines der gekauften Gebäude am Wildhainweg in der Länggasse zur Verfügung stellen. Diese Alternative wäre sein Favorit, sagt er im Gespräch mit der «Hauptstadt»: «Wir würden es gerne mit der Stadt detailliert prüfen.» Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) schlug an der Stadtratssitzung eine Zwischennutzung im Tiefenau-Spital vor.

Das «Haus der Bewegungen» wäre für RaBe die Wunsch-Zukunft, sagt Martin Schneider. Auch David Böhner findet, das Projekt würde davon profitieren, das etablierte Radio mit einem diversen Publikum mit im Boot zu haben. Doch die Kündigung zwingt RaBe, unabhängig davon selbst nach geeigneten Gewerberäumen zu suchen. Weil es aufwändig sei, ein neues Studio aufzubauen, möchte das Radio wenn möglich nicht auf eine provisorische Lösung ausweichen, bis ein «Haus der Bewegungen» entstanden ist. 

RaBe schaue sich nun selbst nach Räumlichkeiten um, die unter Umständen auch als «Haus der Bewegungen» in Frage kommen könnten. «Wir würden es sehr begrüssen, unseren neuen Standort mit anderen Projekten zu teilen», sagt Martin Schneider. 

tracking pixel

Das könnte dich auch interessieren