YB-Trikots – Hauptstadt-Brief #480
Dienstag, 24. Juni – die Themen: YB-Art; Frauenfussball-EM; YB Frauen; Unterkunft Viererfeld; Demo für Gaza; Veloweg Wabern; invasive Neophyten; Velohürden; Bern in Bildern.
Rund 150 YB-Trikots hängen im Berner Club Sous Soul. Es sind die Heim-Trikots der Saison 23/24, doch nun sieht jedes ganz individuell aus: Berner Künstler*innen, Prominente, Fans, Schulklassen und Geflüchtete haben sie nach ihrem eigenen Gusto umgestaltet.
So gibt es etwa das Trikot von Rapper Migo, das eher einem Schutzpanzer gleicht und mit Wursttellern versehen ist. Ein anderes ist vollgeklebt mit verschiedenen YB-Stickern, die Künstlerin Katha P. Langstrumpf überall in der Stadt abgekratzt hat. Züri-West-Sänger Kuno Lauener hat auf sein Exemplar schlicht «Kuno L. & The Smell» geschrieben. Es gibt ein Trikot, das von Jennifer Lynn Farmer zu Haute-Couture verarbeitet wurde und eines von Manuel C. Widmer mit 400 Unterschriften von YB-Fans. Und schliesslich eines, das auf den ersten Blick unverändert erscheint, auf den zweiten aber offenbart, dass das B mit G ersetzt wurde. YG: Die Young Boys werden bei Caroline Elsässer zu den Young Girls.
Du merkst, ich könnte noch lange aufzählen. Aber am besten besuchst du die Ausstellung selbst. In den kühlen Kellerräumlichkeiten des Sous Soul kannst du staunen und schmunzeln. Der Club organisiert die Ausstellung zusammen mit YB, der Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not und dem Kulturmuseum Bern. Es gibt einen Katalog der Werke (in der Ausstellung per QR-Code zum Herunterladen), die alle verkauft werden. Der Preis wurde von den Künstler*innen bestimmt und bewegt sich zwischen 111 und 1500 Franken. Der Erlös aus den verkauften Kunst-Trikots geht an einen Fonds von Amnesty International für missbrauchte Kinder und Frauen in Kriegsgebieten.
Entstanden sei die Idee spontan, sagt Dominik Gysin, Mitbetreiber des Sous Soul. Im Club habe man sich überlegt, wie man auf die Frauen-Fussball-EM aufmerksam machen könnte. Bei einem Treffen mit YB sei am Rand erwähnt worden, dass es noch viele Shirts der letzten Saison gebe. Und weil einige der Sous-Soul-Betreiber vor ein paar Jahren das Projekt Second Art lancierten, das ebenfalls auf Recycling-Kunst setzte, war es ein kurzer Weg bis zur Ausstellungseröffnung.
«Wir haben das alles innerhalb von wenigen Wochen aus dem Boden gestampft», sagt Gysin. Am Sonntag war Vernissage. Etwa 20 Trikots sind schon verkauft. Die Ausstellung bleibt bis zum Finale der Frauen-EM am 27. Juli geöffnet, immer Donnerstag bis Samstag, von 17 bis 20 Uhr. Ich finde: Ein Besuch lohnt sich.
Und das ist auch noch wichtig:
- Fussball-EM: Die Frauen-Fussball-EM startet in gut einer Woche, am 2. Juli in Basel. Seit dem Wochenende ist klar, welche Spielerinnen es ins definitive Aufgebot geschafft haben. Darunter sind auch die drei Bernerinnen Iman Beney, Lia Wälti und Ana-Maria Crnogorčević . Meine Kollegin Jana Schmid hat alle Nati-Spielerinnen an einem Medientag in Nottwil getroffen und mit den drei gesprochen. In ihrem Artikel ordnet sie den neuen Rummel um die Fussballerinnen ein.
- YB Frauen: Nach Naomi Luyet (zu Hoffenheim, Deutschland) verlässt mit Iman Beney (18) das zweite grosse Fussballtalent die YB Frauen. Nationalspielerin Beney wechselt auf die neue Saison zum englischen Spitzenverein Manchester City, wie der Berner Fussballclub mitteilt. Beney erhält dort das Shirt mit der Nummer 24. Mit Luyet und Beney dürfte YB auch bei den Frauen das Geschäftsmodell umgesetzt haben, das der Club bei den Männern seit Jahren praktiziert. YB investiert in die Entwicklung junger Spieler*innen, bis sie reif sind für eine europäische Top-Liga. Kauft ein ausländischer Verein eine*n Spieler*in aus einem laufenden Vertrag, verdient YB Geld. Wie Franziska Schild, General Managerin der YB Frauen, kürzlich in der «Hauptstadt» darlegte, haben seit der Saison 24/25 erstmals alle Spielerinnen des YB-Kaders einen Profi-Vertrag.
- Unterkunft Viererfeld: Die temporäre Unterkunft im Berner Viererfeld wird Ende Juli wie geplant geschlossen. In den vergangenen drei Jahren haben dort 2348 Geflüchtete und Asylsuchende gewohnt, wie der Kanton Bern mitteilt. Die Containersiedlung wurde 2022 nach Beginn des Ukrainekriegs innert nur vier Monaten realisiert. Der Kanton konnte damit flexibel auf die hohe Anzahl Geflüchteter reagieren. Die Nutzung der Parzelle war von Anfang an zeitlich beschränkt. Die Verlegung der Bewohner*innen in andere Unterkünfte – vor allem ins ehemalige Tiefenauspital – konnte laut Kanton frühzeitig geregelt werden. Der Rückbau soll Anfang 2026 beendet sein.
- Demo für Gaza: Schätzungsweise 10’000 Menschen haben am Samstagnachmittag in Bern ihre Solidarität mit Gaza bekundet. Als zentrales Anliegen forderten sie den Bundesrat dazu auf, sich für einen sofortigen, dauerhaften und überwachten Waffenstillstand in Gaza einzusetzen. Die bewilligte Kundgebung durch die Innenstadt verlief friedlich, auch wenn eine kleine Gruppe wiederholt Unruhe stiftete, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Die Teilnehmenden kamen aus sämtlichen Landesteilen, wie ihren Plakaten zu entnehmen war. Besonders die Romandie war gut vertreten.
- Veloweg Wabern: Eine Engstelle in Wabern zwischen dem sogenannten Kolma-Gebäude und der Bahntrasse verhinderte bislang eine direkte Führung des Fuss- und Velowegs entlang der Gleise Richtung Kehrsatz. Nun haben sich die Gemeinde Köniz und die Eigentümer des Gebäudes auf eine unkonventionelle Lösung geeignet: Statt der Wegführung wird das Gebäude angepasst. Die Hausecke wird auf Kosten der Gemeinde teilweise zurückgebaut und die neu entstandene Öffnung für den Fuss- und Veloweg genutzt.
- Neophyten: Letzte Woche habe ich an dieser Stelle über Neophyten geschrieben und nach Tipps bei der Bekämpfung gefragt. Eine kleine Zusammenfassung gebe ich dir gerne weiter: Stadtgrün Bern bekämpft das Berufkraut und auch die Goldrute mit Freiwilligen. Sie bekommen eine Fläche zugewiesen, die sie regelmässig kontrollieren. In Bern können invasive Neophyten übrigens in die grüne Tonne, da der Inhalt zu Biogas verarbeitet und nicht kompostiert wird. Auch sehr hilfreich ist, wenn man Neophyten in der InvasivApp erfasst. Alle Infos dazu hier. Die GLP veranstaltet jährlich einen Neophyten-Bekämpfungsanlass unter Anleitung von Stadtgrün Bern im Bremgartenwald. Der nächste findet diesen Freitag, 27.6. ab 16 Uhr statt und ist auch für Nicht-Mitglieder. Und zum Schluss noch dies: Es gibt einen Podcast des Berners This Wachter nur zum Thema Pflanzen. Und eine Folge davon widmet sich dem Berufkraut.
- Bern in Bildern: Fotografin Regine Strub hat einen Blick fürs Skurrile. Sei es ein umgedreht liegendes Plastikfahrzeug, das sie an einen Käfer erinnert. Seien es Skier, die achtlos in einem Garten auf bessere Zeiten warten. Die Bilder der 59-Jährigen haben dich im Hauptstadt-Brief durch den Juni begleitet, zum Abschluss kannst du die ganze Serie anschauen und etwas über die Fotografin erfahren.
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