Stolz – Hauptstadt-Brief #220

Dienstag, 19. September 2023 – die Themen: Wirtschaftsstandort; Bühnen Bern; Gymnasien; Einweg-Gummiboote; Coaching; YB und Michael Elsener.

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(Bild: Marc Brunner, Buro Destruct)

Bei strömendem Regen wird auf dem Bundesplatz Sichlete gefeiert. Es riecht nach Grilladen. Man hört Treicheln. Im Entrecôte Fédérale gleich nebenan sitzen derweil sechs Männer vorne am Tisch. Sie vertreten fünf Berner Wirtschaftsverbände und sind an der Sichlete mit einem Stand präsent. Dort lancieren sie die Kampagne «BEstouz» (gesprochen: bii-stouz). 

Zusammengeschlossen haben sich der Berner Bauern Verband, der Gewerbeverband Berner KMU, der Handels- und Industrieverein (HIV), der Verband Berner Arbeitgeber und der Hauseigentümerverband. Sie wollen gemeinsam eine «Community» bilden. Sie wollen dem Berner Wirtschaftsraum mehr Sichtbarkeit geben. Sie wollen, dass sich die Arbeitnehmer*innen mehr mit dem Kanton und dessen Unternehmertum identifizieren.

Zwischen den Zeilen ist allerdings erkenntlich: Es geht vor allem auch darum, mehr Wertschätzung und Anerkennung für das zu erhalten, was Unternehmer*innen für den Wirtschaftsstandort Bern leisten.

Fakt ist: Im Kanton Bern gibt es über 70’000 Betriebe (vom KMU bis zum Grossunternehmen) und 10’000 Landwirtschaftsbetriebe. Ohne die vielen KMU mit Menschen, die mit Herzblut metzgen oder drucken oder schreinern, ginge es tatsächlich nicht. Und ohne die grossen Unternehmen, die eine Verantwortung für viele Angestellte haben und wahrnehmen, auch nicht.

Es wirkt trotzdem etwas ungelenk, wenn Daniel Arn, Präsident HIV und FDP-Grossrat, sagt, man wolle «positive Messages in die Bevölkerung tragen» und die Wertigkeit eines Arbeitsplatzes bei einem Berner Unternehmen anpreist, indem er betont: «Das fällt nicht vom Himmel hinab.»

Der Start der Kampagne ist ein Aufruf an die Arbeitstätigen im Kanton Bern: Alle, die wollen, können ein Bild und ein Statement auf die Website laden. Bis jetzt sind dort allerdings nur Chef*innen zu sehen und lesen. Man wolle «zusammen wachsen», heisst es da. Dazu bräuchte es jetzt aber noch die Stimmen der Arbeitnehmer*innen.

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Ungewohnte Perspektive auf den Berner Bahnhof. (Bild: Raffael Thielmann)

Und das ist heute wichtig:

  • Bühnen Bern: Erneut brodelt es hinter den Kulissen von Bühnen Bern. Die ehemalige Tanzchefin Estefania Miranda befindet sich in einem Rechtsstreit mit der grössten Kulturinstitution des Kantons, wie BZ/Bund berichten. So soll nach ihrem Abgang ein mündlicher Vertrag ausgesprochen worden sein, der dann von Bühnen Bern nie unterschrieben wurde. Dabei ist nur die Sicht der Chilenin öffentlich, da Stiftungsrat und Intendant die Vorwürfe lediglich zurückweisen, ohne sich im Detail zu äussern. Die Stadt Bern, die grösste Subventionsgeberin von Bühnen Bern, schreibt auf Anfrage der «Hauptstadt», dass sie über den Konflikt informiert sei. «Aufgrund des laufenden Rechtsstreits und aus Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre der beteiligten Personen können wir nicht weitergehend Stellung nehmen», heisst es.

  • Gymnasien: Gestern hat im Businesspark Liebefeld der Innenausbau begonnen, wie der Kanton mitteilt. Dort soll in einer ersten Etappe bis nächsten Sommer Schulraum für bis zu 21 Gymnasialklassen entstehen. In den Räumen war vorher die Swisscom eingemietet. Es ist nicht die erste provisorische Lösung für Berner Gymnasialklassen, wie meine Kollegin Lena Madonna diesen Sommer in einem Artikel beleuchtet hat. Der Grund dafür: Die Schulraumplanung im Gymnasialbereich hinkt der Entwicklung der Schüler*innenzahlen stark hinterher.
  • Einweg-Gummiboote: In der Vergangenheit war das Aareböötle vor allem im Marzili, wo die Fahrten enden, mit viel liegen gelassenem Abfall verbunden. Diesen Sommer hat die Stadt Bern ein sommerliches Abfalltrennsystem installiert. Insgesamt seien sieben Tonnen Abfall zusammengekommen, hat sie gestern mitgeteilt. Sagenhafte 2,9 Tonnen davon waren Gummiboote, die recycelt werden sollen. Die Stadt zieht ein positives Fazit im Vergleich zur Situation mit dem Vorjahr.
  • Coaching: Der Wunsch, an sich selbst zu arbeiten und sich zu optimieren, ist allgegenwärtig. Immer häufiger landen Menschen deshalb bei einem Coach oder einer Coachin. Doch was kann so ein Coaching überhaupt bringen? Und wie unterscheidet man ein gutes von einem schlechten Coaching? Mein Kollege Nicolai Morawitz hat mit zwei Berner Coach*innen gesprochen und sich auch beim Berufsverband umgehört. Und herausgefunden: Wichtig ist auch die Vernetzung der Coach*innen untereinander.

PS: Wer heute Abend nicht den Berner Champions-League-Start (18.45 Uhr: YB gegen RB Leipzig) verfolgen will, kann zum Kontrastprogramm ins Berner Kulturcasino: Im Burgerratssaal läuft die interaktive Polit-Comedy-Show mit Michael Elsener (19.30 Uhr) – was gibt Besseres als eine humoristische Einstimmung auf die ernsten nationalen Wahlen?

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