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Tanzschaffende sind zuversichtlich

Der Leistungsvertrag für den Betrieb der Dampfzentrale ab 2028 wird neu vergeben. Drei Projekte sind im Rennen. Eins ist aber schon klar: Für die Berner Tanzschaffenden wird es besser.

Rena Brandenberger
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Rena Brandenberger ist Vorstandsvorsitzende von Beta, der Interessenvertretung der Berner Tanzschaffenden. (Bild: Danielle Liniger)

Im April wird eine Jury unter dem Vorsitz von Stadtpräsidentin Marieke Kruit (SP) entscheiden, wer die Dampfzentrale ab 2028 betreibt. Wer jährlich 2,4 Millionen Franken von der Stadt Bern erhält, um ein Haus zu kuratieren, wo zeitgenössischer Tanz und zeitgenössische Musik stattfinden – aus Bern und aus der ganzen Welt.

Die Stadtberner Kulturförderung hat letztes Jahr bei der Dampfzentrale einen bisher einzigartigen Schritt vollzogen, der für viel Aufruhr gesorgt hat. Die alleinige Subventionsgeberin der Dampfzentrale hat den Leistungsvertrag mit dem Verein Dampfzentrale, der den Kulturbetrieb seit Jahrzehnten führt, nicht wie bisher automatisch erneuert, sondern neu ausgeschrieben. Das ist ein Schnitt zu allem, was bisher in der Dampfzentrale gewesen ist. Es ist die härtest mögliche Massnahme gegenüber der jetzigen strategischen und operativen Leitung der Dampfzentrale. Einen einordnenden Überblick über die turbulenten Wochen in der Dampfere im letzten Sommer findest du hier.

Ein zentrales Puzzleteil in der Auseinandersetzung um die Dampfzentrale ist das Berner Tanzschaffen. Berner Tänzer*innen beklagen sich seit Jahren darüber, zu wenig in der Dampfzentrale auftreten zu können. Dabei gibt es stadtweit fast nur dort einen Tanzboden und viel Platz – was für die Kultursparte Tanz wichtig ist. Und dabei steht eigentlich seit Jahren im bestehenden Leistungsvertrag zwischen Dampfzentrale und Stadt geschrieben, dass das Berner Tanzschaffen ein wichtiger Teil des Programms sein soll.

In der Realität fühlten sich die Tanzschaffenden lange nicht gehört. Darum haben sie sich vor zehn Jahren in einem Verein organisiert, um ihre Interessen – auch bezüglich Sichtbarkeit in der Stadt – besser wahrnehmen zu können. Die Choreografin und Tanzschaffende Rena Brandenberger hat den Verein Beta mitgegründet und ist heute Vorstandsvorsitzende. Mit der jetzigen Ausgangslage für den definitiven Entscheid im April ist sie zufrieden. «Der Berner Tanz hat so oder so schon entscheidend dazugewonnen», sagt sie der «Hauptstadt».

Beta positioniert sich nicht

Beta hat – neben acht weiteren Organisationen – ein Projekt eingegeben, um die Dampfzentrale ab 2028 betreiben zu können. Die Jury wählte aber drei andere Eingaben aus, die nun im Final stehen. «Wir sind froh, sind wir nicht weitergekommen», sagt Brandenberger. «Wir sind eigentlich gar nicht in der Position, ein Haus leiten zu wollen.» In der Vergangenheit habe der Verein zwar Formate wie das Tanzhaus Bern und das Festival Beta Stage lanciert. «Das geschah jedoch aus der Dringlichkeit und dem entsprechenden Mangel heraus», wie Brandenberger betont. «Grundsätzlich sehen wir uns als Vertretung der Berner Szene und nicht als Institution – und wollen das auch bleiben.»

Und die Berner Tanzschaffenden seien jetzt endlich gehört worden. «In Zukunft wird die lokale Tanzszene in der Dampfzentrale sichtbarer sein.»

In welcher Form genau, ist noch nicht klar. Im Final um den zukünftigen Betrieb des Kulturhauses an der Aare stehen jetzt: der Verein Dampfzentrale, der die Dampfzentrale bisher betreibt, das internationale Theaterfestival Auawirleben und der feministisch anklingende neu gegründete Verein «Hannah Dampf», unter dem unter anderem der Berner Konzertveranstalter Beeflat – bisher im Berner Progr beheimatet – ein Projekt eingegeben hat.

Laut Rena Brandenberger hätten alle drei Finalist*innen den Verein Beta gerne mit im Boot gehabt. «Wir haben mit allen einen kurzen Austausch veranstaltet», sagt die Choreografin. «Und dann entschieden wir, dass wir uns keinem der Projekte anschliessen.» Beta habe nicht das Zünglein an der Waage sein wollen, indem der Interessenverband sich frühzeitig mit einem Projekt verbandelt habe. «Die Jury soll entscheiden», sagt sie.

Brandenberger hofft, dass Beta in Zukunft mehr das sein kann, was ein Interessenverband eigentlich ist: «Wir können eine Aussenperspektive geben, Kritik, Inspiration, Feedback liefern», sagt Brandenberger.

Explizit haben die Tanzschaffenden keine Einsicht in die Dossiers genommen. Beta möchte nicht in den Entscheidprozess involviert sein. Danach aber mithelfen. Rena Brandenberger stellt sich vor, dass Beta im zukünftigen Vorstand der Betreiber*innen der Dampfzentrale sitzen wird. Und auch in die Programmkommission involviert sein wird.

Rena Brandenberger ist zuversichtlich, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Egal, welche Organisation ab 2028 die Dampfzentrale wirklich betreibt.

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