ADHS – «Hauptstadt»-Brief #362
Dienstag, 9. September 2024 – die Themen: ADHS; Unterschriften-Fail; Kinderbetreuung; Ostermundigen; Berner Literatur; Deutschlernen; Gastrokritik.
Der Basler Campaigner Daniel Graf erhielt die Diagnose mit über 50 Jahren – kurz nach seinem Sohn.
Der Berner Satiriker, Filmproduzent und KI-Dozent Patrick Karpiczenko, genannt Karpi, weiss schon seit seiner Kindheit davon. Im Alltag hat ihn die Diagnose nie gestört. Bis er Vater wurde.
Die Zürcher Podcasterin und Coach Kafi Freitag sagt: Das Leben mit der Störung bedeute, sich auf einer ununterbrochenen Entdeckungsreise zu befinden.
Die Rede ist von der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung, kurz ADHS. In der Schweiz nehmen ADHS-Diagnosen zu. Immer häufiger erhalten sie auch Erwachsene. Diesen Frühling hat sich meine Kollegin Andrea von Däniken eingehend mit der Entwicklung befasst und mit einem Betroffenen darüber gesprochen, wie die Diagnose sich auf sein Leben ausgewirkt hat.
In einer Kooperation mit den unabhängigen Onlinemedien «Bajour» aus Basel und «Tsüri» aus Zürich widmet die «Hauptstadt» dem Thema nun einen kleinen Schwerpunkt.
Dabei erzählen Daniel Graf, Karpi und Kafi Freitag von ihren Erfahrungen mit ADHS. Wie Daniel Graf zu seiner «License to drugs» fand, hat «Bajour» beschrieben. Was Karpi meiner Kollegin Andrea von Däniken erzählt hat, liest du heute in der «Hauptstadt». Und morgen erfährst du von den Kolleg*innen von Tsüri, wie es Kafi Freitag mit ihrer Diagnose geht. Die Artikel werden jeweils bei allen drei Onlinemedien veröffentlicht.
Und: Morgen treffen sich die drei Schweizer Persönlichkeiten zum Gespräch. Die Diskussion wird gefilmt, das Video dazu kannst du nächste Woche bei «Hauptstadt», «Tsüri» und «Bajour» nachschauen.
Du hast Fragen, die du den drei Gesprächspartner*innen gerne stellen würdest? Lass es uns wissen via [email protected].
Und jetzt noch zu anderen Themen des Tages:
- Unterschriften-Fail: In der Stadtkanzlei ist eine Postsendung mit Unterschriften für die städtische Mindestlohn-Initiative abhandengekommen. Nach Angaben des Initiativkomitees geht es dabei um etwa 1600 Unterschriften. Für das Zustandekommen einer städtischen Initiative braucht es insgesamt 5000 gültige Unterschriften. Die verlorengegangenen Unterschriften seien bereits Ende Juli per eingeschriebener Postsendung eingegangen, teilte die Stadt gestern mit. Allerdings hätten sie noch geprüft und beglaubigt werden müssen. Der Vorfall wurde letzte Woche bekannt, nachdem sich das Initiativkomitee über den Stand der Unterschriftenkontrolle erkundigt hatte. Dieses zeigte sich in einer gestern verschickten Medienmitteilung «empört» über die verschwundenen Unterschriftenbögen und kündigte an, keine Benachteiligung durch diesen Fehler zu akzeptieren. Die Stadt Bern schliesst in ihrer Mitteilung auch ein «deliktisches Verhalten» nicht aus. Die Initiative wurde vom Rot-Grün-Mitte-Bündnis lanciert, das in Parlament und Regierung die Mehrheit bildet.
- Kinderbetreuung: Während in der Stadt Bern immer mehr Kinder das Tagesbetreuungs- und Ferienangebot nutzen, sinkt die Nachfrage nach Kitas, wie es am Montag an einer Medienkonferenz der städtischen Direktion für Bildung, Soziales und Sport hiess. Ein Grund dafür sei, dass seit 2020 – politisch gewollt – mehr Kindergartenkinder zur Tagesbetreuung in den Schulen wechseln, während sie früher häufig noch in der Kita betreut wurden. Seit Einführung der Betreuungsgutscheine 2014 hat die Anzahl Kitas von 53 auf 92 zugenommen, während die Nachfrage seit der Corona-Pandemie tiefer ist. Weniger Kinder besuchen die Kita, im Durchschnitt auch in einem kleineren Pensum. Das bedeute, dass «wir allfällige Überangebote beseitigen und Strukturen bereinigen müssen», sagte Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) an der Medienkonferenz. Mit anderen Worten: Es werden weitere Kita-Schliessungen notwendig sein, auch wenn von städtischer Seite derzeit noch keine geplant seien.
- Ostermundigen: Am 22. September sind in Ostermundigen kommunale Wahlen. Vor einem Jahr hat die Gemeinde die Fusion mit der Stadt Bern abgelehnt. Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) strebt eine vierte Amtszeit an. Auf Offensivkurs befinden sich die Grünen, die bis jetzt nur zwei Sitze im Parlament haben, aber für den Gemeinderat kandidieren. Die Partei hat nun ihr Wahlprogramm in zahlreiche Sprachen übersetzt, die in Ostermundigen gesprochen werden, darunter etwa Rätoromanisch, Tigrinya, Arabisch und Ukrainisch. Die Partei will damit ein Zeichen setzen für die Inklusion anderssprachiger Bevölkerung, wie sie mitteilt. In Vorbereitung seien auch Versionen in einfacher Sprache sowie in Gebärdensprache.
- Berner Literatur: Die Berner Autorin Noemi Somalvico hat mit «Das Herz wirft in der Brust keinen Schatten» ihr zweites Buch veröffentlicht. In den 14 Erzählungen geht es um die Liebe. Die Rezension von «Hauptstadt»-Autorin Lea Sidler macht grosse Lust, das Buch zu lesen.
- Deutschlernen: Die Stadt Bern unterstützt fremdsprachige Personen mit Gutscheinen beim Deutschlernen. Dazu vergibt sie jährlich sogenannte «Deutschbons» an Bewohner*innen von Bern und Ostermundigen. Die Gutscheine haben einen Wert von je 400 Franken und können bei zwölf Deutschschulen im Raum Bern eingelöst werden. Sie werden unter den Bewerber*innen verlost. Ab sofort bis Ende Oktober kann man sich unter diesem Link anmelden, wie die Stadt gestern mitteilte.
- Gastrokritik: Letzte Woche war die «Hauptstadt» im Theater Tojo in der Reitschule zu Gast. Wie immer in ihren Aussenwochen, testete die Redaktion das gastronomische Angebot in der Umgebung. Zum Abschluss haben wir im Sous le Pont zu Abend gegessen.
PS: Heute Abend findet unser Hauptsachen-Talk statt zum Thema: Wer wird in Bern Stapi? Wir diskutieren mit den Kandidat*innen fürs Stadtpräsidium. Komm vorbei! Eintritt frei, Kollekte, 19:30 Uhr auf der Kleinen Bühne im Progr.