Mergel – «Hauptstadt»-Brief #484

Donnerstag, 3. Juli – die Themen: Aareweg; Regierungsratswahlen; Fussball-EM; SRG; Wahlen Köniz; Geburtenabteilung Langenthal; Infosperber; Jahresrechnung Ostermundigen.

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(Bild: Marc Brunner, Buro Destruct)

Diese heissen Tage pilgert Bern wieder. Vom Marzili ins Eichholz. Und dann in der Aare treiben lassen.

Aber äbe: Zunächst pilgern. Vom Marzili hoch, an der Aareabar vorbei, auf dem Asphaltweg dem Ufer entlang. Wenns richtig heiss wird, dann auf den Zehenspitzen – manch eine*r hat sich hier bereits die Fusssohlen verbrannt.

Das könnte sich bald ändern. Um den Hochwasserschutz zu verbessern, saniert die Stadt Bern in den kommenden Jahren den Uferbereich auf diesem Abschnitt. Unter anderem sollen zwischen der Aarebar und dem Sportplatz Schönau der Fluss verbreitert und kleine Inseln angelegt werden.

Aus diesem Grund muss der Uferweg auf einer Länge von rund 350 Metern neu geführt werden. Und hier kommt deine Meinung ins Spiel.

Welchen Belag soll das neue Wegstück erhalten? Im Sinne der direkten Mitsprache lässt die Stadt in dieser entscheidenden Frage das Volk mitreden und hat eine Umfrage lanciert. Zur Auswahl stehen gemäss Mitteilung «ein klassischer Asphaltbelag oder ein entsiegelter Mergelbelag». Das bereits bewilligte Projekt sehe einen Asphaltbelag vor, doch die Stadt möchte nun prüfen, «ob auch ein Mergelbelag auf Akzeptanz stossen könnte».

Mergel ist ein Gemisch aus Ton, Kalk und feinem Gestein. Einen optischen Eindruck davon erhältst du hier. Aber ums Optische geht es den meisten vermutlich weniger als ums Haptische. Und da scheut die Stadt keinen Aufwand: Damit sich auch ganz sicher jede*r eine fundierte Meinung zu dieser Unterlage bilden kann, hat sie gleich neben der Aarebar eine Mergel-Teststrecke gebaut. Wo sonst wäre so etwas vorstellbar?

Sobald du dir deine Mergelmeinung gebildet hast, kannst du hier abstimmen. Das Ergebnis wird im Herbst auf der Projektwebsite veröffentlicht. Und damit: Frohes Testlaufen und einen guten Schwumm!

Soukey am Eroeffnungsabend des Bernerballzaubers auf dem Bundesplatz fotografiert am Dienstag, 1. Juli 2025 in Bern. (liveit.ch / Manuel Lopez)
Bilderserie zur Fussball-Europameisterschaft der Frauen (4/16): Soukey am Eröffnungsabend des Bernerballzaubers auf dem Bundesplatz. (Bild: Manuel Lopez)

Die weiteren Themen des Tages:

  • Regierungsrat: Die SVP will mit drei Kandidaten zu den Regierungsratswahlen 2026 antreten. Das gab die Partei am Dienstag bekannt. Hinsichtlich der SVP-Delegiertenversammlung im August schlägt der Parteivorstand die Neuen Daniel Bichsel (Gemeindepräsident von Zollikofen) und Raphael Lanz (Stadtpräsident von Thun) sowie den Bisherigen Pierre Alain Schnegg zur Wahl vor. Was bedeutet das Dreierticket hinsichtlich der Regierungsratswahlen? Jürg Steiner und Joël Widmer haben die neue Ausgangslage für die «Hauptstadt» analysiert.
  • Fussball: Gestern startete die Fussball-Europameisterschaft der Frauen. Das Eröffnungsspiel der Schweizerinnen gegen Norwegen endete 1:2. Zuvor spielten die Isländerinnen gegen die Finninnen in Thun (0:1). Heute Abend findet das erste Spiel im Berner Wankdorf-Stadion statt. Spanien trifft auf Portugal. Mehr dazu findest du in unseren EM-Spezial-Briefen. Diese erscheinen während des Turniers im Vorfeld der Berner Spiele sowie vor den Halbfinals und dem Final in Kooperation mit dem legendären Berner Fussball-Blog Zum Runden Leder.
  • SRG: Zu Beginn dieser Woche kündigte die SRG-Generaldirektorin Susanne Wille ein umfangreiches Sparprogramm für das öffentliche Medienhaus an. Bis 2029 sollen Hunderte Stellen abgebaut und 270 Millionen Franken eingespart werden. Dabei wird die SRG auch ihren Hauptsitz an der Giacomettistrasse in Bern aufgeben, wie die Tamedia-Zeitungen am Dienstag öffentlich machten. Die Büros, darunter das von Generaldirektorin Wille, werden allerdings weiterhin in Bern bleiben: Die betroffenen Abteilungen werden an die Schwarztorstrasse umziehen. Der Schritt erfolge per Ende 2026 und primär aus Kostengründen, teilte die SRG mit.
  • Velofahren: «Hauptstadt»-Kolumnistin Patricia Michaud fährt gerne mit dem Velo auf den Ulmizberg. Weil sie kein Mountainbike besitzt, sondern nur ein Velo für alle Terrains, ist das nicht ganz ohne. Mehr dazu in ihrer französischsprachigen Kolumne.
  • Köniz: Bei den Könizer Wahlen im Herbst wird es keine bürgerliche Fünfer-Allianz geben. Dazu hatten SVP, FDP und Mitte vor zwei Wochen aufgerufen: Sie zeigten sich bereit, eine Listenverbindung einzugehen und wollten die EVP und die GLP mit ins Boot holen. An ihrer Mitgliederversammlung von Montag hat sich die GLP aber gegen einen solchen Zusammenschluss entschieden, wie die Partei mitteilt. Die GLP will, wie bei früheren Wahlen, eine Listenverbindung mit der Mitte und der EVP eingehen. Noch offen ist, wie sich diese beiden Parteien nun positionieren.
  • Spital: Das Spital Region Oberaargau (SRO) schliesst seine Geburtenabteilung in Langenthal per Oktober 2025. Schwangere aus dem Oberaargau sollen stattdessen künftig in Burgdorf im Spital Emmental gebären. Das gaben die beiden Spitalgruppen am Dienstag bekannt. Grund für die Schliessung seien rückläufige Geburtenzahlen und zunehmender finanzieller Druck. Im Spital Langenthal wurden vergangenes Jahr 556 Geburten durchgeführt, in Burgdorf waren es 874.
  • Infosperber: Hannes Britschgi wird neuer Leiter des Onlinemediums Infosperber. Britschgi ist langjähriger Fernseh- und Zeitungsjournalist und ehemaliger Leiter der Ringier-Journalistenschule. Er arbeitete unter anderem bei SRF und war Chefredaktor beim Sonntagsblick. Der 70-Jährige übernimmt die Aufgabe von Urs P. Gasche, der Infosperber vor 14 Jahren in Bern gegründet hat. Die Online-Zeitung versteht sich als unabhängige Ergänzung zu grossen Medien.
  • Ostermundigen: Die Gemeinde Ostermundigen hat im letzten Jahr Schulden gemacht, aber weniger als befürchtet. Das geht aus der gestern veröffentlichten Jahresrechnung hervor. Die Gemeinde verbuchte im Jahr 2024 ein Minus von insgesamt 1,72 Millionen Franken, budgetiert waren 2,55 Millionen Franken. Gründe dafür sind geringere Ausgaben sowie höhere Steuereinnahmen als erwartet, wie die Gemeinde gestern mitteilte.
  • Wirtschaft: Der Impfstoffentwickler Janssen prüft die Schliessung seines Werks in Bümpliz. Er hat am Dienstag bei den Arbeitnehmer*innen ein Konsultationsverfahren zur Suche nach Alternativen eröffnet, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet. Gründe für die mögliche Schliessung sind gemäss der Tochterfirma des US-Pharmariesen Johnson & Johnson die fehlende Wirksamkeit eines neuen Impfstoffs gegen Infektionen durch Kolibakterien sowie die Verlagerung eines Teils der Produktion in die Niederlanden. Von der Massnahme könnten bis zu 300 Angestellte betroffen sein. SRF hat sich mit der langen Geschichte des Impfstoff-Werks in Bümpliz befasst.

PS: Kann Liebe entstehen, wenn sie einfach genug Zeit erhält? Und ist Liebe lernbar, genauso wie Zärtlichkeit und ehrliche Gespräche? Um solche Themen geht es bei Tavolare Amore morgen Freitag. Bei einem Viergänger im Innenhof des Berner Generationenhauses können sich Expert*innen in Sachen Liebe und Interessierte niederschwellig austauschen. Gekocht wird von Aplati. Alle Infos und Tickets findest du hier.

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Diskussion

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Simon Bünzli
05. Juli 2025 um 09:34

Vielen Dank für die regelmässigen Zusammenfassungen.

Kleines Detail: „Velo für alle Terrains“ scheint eine holprige Übersetzung von VTT (Mountainbike), welches die Autorin doch gerade nicht fährt.

In dem Sinn: Merci auch für die regelmässige Lektüre in der anderen Kantonssprache.