Osterlachen – Hauptstadt-Brief #453
Donnerstag, 17. April – die Themen: Osterlachen in der Markuskirche und Tobias Rentsch; Christian Budniks Abschied; Philo-Kolumne; Könizer Strassenbelag; Bücherbergwerk schliesst; Tempo 30 und Mitholz.
Ostern steht vor der Tür. Und damit jene Zeit, in der mehr Menschen als sonst eine Kirche besuchen. So auch die Markuskirche im Breitsch. Dabei ist die Kirche im Berner Nordquartier alles andere als ein klassisches Gotteshaus: Es gibt keine Kirchenbänke mehr, dafür einen Pingpong-Tisch und Kinderspielzeug. Weil sich ihr Umbau verzögert, wird die Kirche derzeit unter dem Namen Bimbam Bern zwischengenutzt. Und bietet so Raum für Ungewöhnliches. Für Rockkonzerte etwa oder als Restaurant.
An Ostern findet in der Markuskirche anstelle eines klassischen Gottesdienstes das sogenannte Osterlachen statt. Dabei handelt es sich um eine religiöse Tradition, bei der die Teilnehmer*innen zum Lachen gebracht werden. Wie das tönen kann, zeigt das amüsante Beispiel des Osterwitzes aus Passau. Der religiöse Gedanke hinter der Tradition: Am Karfreitag stirbt Jesus leidend am Kreuz. Und steht zwei Tage später wieder auf. «Das Osterlachen drückt die Freude darüber aus, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Sondern das Leben, die Liebe, die Hoffnung», sagt der Pfarrer Tobias Rentsch.
Rentsch ist Mitorganisator des Osterlachens in der Markuskirche – und selbst alles andere als konventionell: Er trägt Baseball-Cap und schenkt mit seinem Bar-Velo im Quartier Bier aus. Mein Kollege Jürg Steiner hat Rentsch zum Gespräch über den Glauben und sein modernes Verständnis von Kirche getroffen. Entstanden ist ein sehr interessantes Interview, das du hier nachlesen kannst.
Nach Ostern, vom 22. bis zum 25. April, verlegt die «Hauptstadt» ihre Redaktion in die Markuskirche. Wir nutzen den temporären Aufenthalt, um tiefer in Themen einzutauchen, die den Breitsch beschäftigen. Wie immer, wenn wir auswärts arbeiten, kannst du uns besuchen. Zudem laden wir dich am Donnerstag, 24. April (17.30 bis 20 Uhr), zu Grill & Bier ein. Für Getränke ist gesorgt, Grillgut bringst du selbst mit. Wir freuen uns auf dich!
Die weiteren Themen des Tages:
- Abschied: Christian Budnik gehört zum Inventar der «Hauptstadt». Seit ihrer Lancierung vor drei Jahren hat der Philosoph in seiner monatlichen Kolumne unterschiedlichste Themen eingeordnet und weiterentwickelt. Nun verabschiedet er sich. In seiner letzten Kolumne geht Budnik der Frage nach, warum wir eigentlich so wenig miteinander reden. Und wie man das ändern könnte. Mein Kollege Nicolai Morawitz hat sich das zu Herzen genommen und mit Christian Budnik gesprochen. Das Interview kannst du hier lesen.
- Strassenbelag: Die Gemeinde Köniz testet in einem Pilotprojekt neue Strassenbau-Technologien. Auf der Waldeggstrasse im Liebefeld kommen ein hitzearmer und ein erdölfreier Belag zum Einsatz, wie die Gemeinde mitteilt. Das Material des hitzearmen Belags ist deutlich heller als herkömmliche Mischungen, wodurch sich der Boden rund sechs Grad weniger stark erhitzen soll als bei einem herkömmlichen Belag. Die erdölfreie Mischung wiederum enthält statt des üblichen, erdölbasierten Bitumens ein Bindemittel aus Cashewnuss-Schalen. Die Gemeinde verspricht sich von den neuen Materialien eine geringere Wärmeabstrahlung und eine bessere Umweltbilanz.
- Bücherbergwerk: Das grösste Buchantiquariat der Schweiz schliesst ab morgen vorübergehend. Grund dafür ist, dass die Liegenschaft im Stadtberner Monbijouquartier saniert wird. Es ist das jüngste Kapitel in der turbulenten Geschichte des Bücherbergwerks. Die rund sechsmonatige Schliessung war ursprünglich für Anfang Jahr geplant, musste dann aber verschoben werden. Als Ersatz ist in nächster Zeit ein Pop-up im Progr geplant. Heute findet ab 15 Uhr eine «Austrinkete» statt, wie das Bücherbergwerk auf Facebook schreibt.
- Tempo 30: Die geplante Tempo-30-Zone auf der Länggassstrasse in Bern kann vorerst nicht realisiert werden. Grund dafür ist eine Beschwerde von Gewerbetreibenden, die das Berner Verwaltungsgericht gutgeheissen hat. Das Gericht weist den Fall zur Neubeurteilung an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland zurück. Geht es nach der Stadt Bern, soll neu Tempo 30 statt 50 gelten, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Das Verwaltungsgericht hält in seinem Urteil fest, dass dies in der Zwischenzeit mit der Aufhebung von Parkfeldern und der Errichtung von durchgehenden Velostreifen schon geschehen sei. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA hält die Stadt trotz des Rückschlags an ihren Plänen fest: «Die Möglichkeit, auf der Länggassstrasse Tempo 30 einzuführen, wurde im Urteil explizit offen gelassen.»
- Mitholz: Die Risiken, welche vom ehemaligen Armee-Munitionslager Mitholz ausgehen, sind geringer als bisher angenommen. Das haben Sondierungsgrabungen ergeben.Trotzdem blieben Unsicherheiten hinsichtlich der geplanten Räumung, teilte das zuständige Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) gestern Abend mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich eine Explosion auf weitere Granaten und Bomben überträgt. Das VBS hält deshalb am Sicherheitsperimeter für die Bevölkerung und den damit verbundenen Umsiedlungen fest. 1947 war es im Munitionslager zu schweren Explosionen gekommen. Neun Menschen starben, mehrere hundert Tonnen Sprengstoff blieben im Berg zurück. Für das Räumungsprojekt sind rund 2,5 Milliarden Franken budgetiert.
PS: Gemeinsam in gemütlichem Ambiente Musik hören – das bieten sogenannte Listening-Formate. Die «Hauptstadt» hat das relativ junge Angebot in der Berner Clublandschaft kürzlich vorgestellt. Selbst erleben kannst du das Format beispielsweise diesen Sonntag im Rahmen des «Lazy Clubs» in der Dampfzentrale ab 15 Uhr und bis 4 Uhr in der Früh. Zu futtern gibt es vegane Hot-Dogs, der Eintritt ist frei.
PPS: Wegen Ostern erscheint an diesem Samstag kein Hauptstadt-Brief. Auf unserer Webseite und in der App werden wir aber trotzdem neuen Lesestoff veröffentlichen.
PPPS: Weiterhin sind wir von der «Hauptstadt» auf der Suche nach Barrieren im Berner Alltag. Wo stösst du regelmässig auf Hindernisse? Teile es uns auf der interaktiven Karte mit und werde Teil unserer Bürger*innen-Recherche.