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Der Wortfechter

«Hauptstadt»-Wahl-Check: FDP-Sicherheitsdirektor Philippe Müller (62) politisiert mit markigen Worten und brüskiert damit oft. Trotzdem zeigt er auch ein gutes Gefühl für Menschen. Er strebt seine dritte Legislatur als Regierungsrat an.

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Philippe Müller (FDP) strebt eine dritte Legislatur als Berner Regierungsrat an. (Bild: Silja Elsener)

Es gibt wohl auch einen anderen Philippe Müller. Manchmal, in einem längeren Gespräch mit ihm, bekommt man eine Ahnung davon, dass sich die Person Philippe Müller nicht in der politischen Figur Philippe Müller erschöpft. Dass sein Herz vielleicht manchmal anders entscheiden würde als es sein politischer Kurs gebietet.

Steckbrief Philippe Müller

Partei: FDP

Alter: 62

Wohnort: Stadt Bern

Zivilstand: in Partnerschaft, ein Kind

Interessenbindungen: Major der Schweizer Armee, ausser Dienst

Die politische Figur Philippe Müller formt er seit über 20 Jahren. 2007 war er FDP-Wortführer im Stadtrat und setzte die damalige SP-Sozialvorsteherin Edith Olibet und die rot-grüne Mehrheit unter Druck. Aufgeflogen war der Fall eines iranischen Drogenhändlers, der Luxusautos fuhr, aber Sozialhilfe bezog. Philippe Müller, der Hardliner, der Law-and-Order-Politiker, der unerbittliche Polemiker war als Marke eingeführt.

Sie trug ihn über den Grossen Rat bis in die Kantonsregierung. Stets verstand er sich als Leader, der Dinge an- und ausspricht, wie es sich andere seiner Meinung nach nicht getrauen. Seit 2018 ist er Sicherheitsdirektor, in dessen Zuständigkeitsbereich etwa die Kantonspolizei fällt. Von den Themen her das natürliche Habitat des Politikers Müller.

In der Führung seiner Direktion machte Müller kaum offensichtliche Fehler. Allerdings leistete er sich eine Peinlichkeit, die gerne kleingeredet wird. Anfang 2024 wurde publik, dass Müller trotz grosszügiger regierungsrätlicher Spesenpauschale Kleinspesen – darunter ein Mittagessen mit dem damaligen FDP-Kantonalpräsidenten – zusätzlich abgerechnet hatte. Bis er bei diesem Fehler hinstand, dauerte es lange. Ein gutes Gefühl bewies er hingegen bei Personalentscheiden. So, als er vor vier Jahren auf den eloquenten Christian Brenzikofer als neuen Polizeikommandanten setzte.

Der «Hauptstadt»-Check

Was muss eine Person können, um gut zu regieren? Die «Hauptstadt» hat anlässlich der Regierungsratswahlen zehn Schlüsselkompetenzen definiert. Diese Anforderungen würden in einem Job-Inserat aufgeführt, wenn es denn eine Stellenausschreibung für dieses Amt gäbe. Die genaue Definition und Erklärung zu diesen Kompetenzen kannst du hier nachlesen.

Was davon erfüllt FDP-Kandidat Philippe Müller?

Bringt mit: Nähe zum Parlament, Bereitschaft, hinzustehen, gutes Gefühl für Menschen,  Geselligkeit, schnelle Auffassungsgabe

Daran haperts: Ausstrahlung, taktisches Geschick, Wille zu Veränderungen

Unklar: Sprachen, Belastbarkeit

Einen betont harten Kurs steuert der Kanton unter seiner Führung in der Asylpolitik – beispielsweise bei der Ausschaffungshaft, wie die «Hauptstadt» in mehreren Artikeln aufzeigte. Argumentativ schiebt  Müller die Vorgaben des Bundes vor und verneint eigenen Handlungsspielraum.

Beim Volk geniesst der joviale und oft betont freundliche Müller mit seinem Kurs Sukkurs, 2022 wurde er brillant wiedergewählt. Auf dem SVP-FDP-Mitte-Ticket für die Regierungsratswahlen tritt Müller als Garant für bürgerliche Haltung an.

Paradoxerweise hat dieser Rückhalt aber nicht dazu geführt, dass Müller souveräner geworden wäre. Eher im Gegenteil. Er hat sich in den letzten Jahren in einen unproduktiven Konflikt mit dem Tamedia-Verlag verbissen, auf seinem Social-Media-Kanal spitzt er etwa gegen Aktivist*innen aus dem Asylbereich immer wieder übermässig zu. Man fragt sich, wie er neben dem Regieren Zeit und Energie dafür findet.

Philippe Müller bemüht sich zwar darum, verständlich zu reden, versteift sich dann aber auf die vereinfachte Realität. Veränderungswille ist in dieser Hinsicht nicht spürbar. Er hat, nach Studien in Agronomie und Recht, zwar einen breiten Horizont, doch dieser kommt in seinen öffentlichen Statements kaum je zum Ausdruck.

So berichtet die «Hauptstadt» über die Regierungswahlen

Am 29. März wählen die Stimmberechtigten des Kantons Bern den siebenköpfigen Regierungsrat und den 160-köpfigen Grossen Rat für die nächste vierjährige Legislatur. Für die Regierung kandidieren 16 Personen, ernsthafte Chancen auf eine Wahl haben die zehn Personen aus den grössten Parteien. Das sind die Bisherigen Pierre Alain Schnegg (SVP), Philippe Müller (FDP), Astrid Bärtschi (Mitte) und Evi Allemann (SP) sowie die neu kandidierenden Daniel Bichsel (SVP), Raphael Lanz (SVP), Aline Trede (Grüne), Reto Müller (SP), Hervé Gullotti (SP) sowie Tobias Vögeli (GLP).

Die «Hauptstadt» schätzt in den kommenden Wochen jede*n dieser Kandidat*innen aufgrund des von der «Hauptstadt»-Redaktion recherchierten Stellenprofils ein. Bereits erschienen ist das Porträt über Pierre Alain Schnegg und dasjenige über Tobias Vögeli.

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