SVP-Kandidaten – Hauptstadt-Brief #430
Samstag, 22. Februar 2025 – die Themen: Regierungsrat; Nachtleben; Kitas; SC Bern; Gelenkbusse; Forschung; Egelsee; Streichelzoo. Kopf der Woche: Anton Popko.
Die grösste Partei im Kanton ist früh unterwegs. Schon mehr als ein Jahr vor den kantonalen Wahlen vom 29. März 2026 ist in der SVP das Rennen um die Nachfolge ihres abtretenden Regierungsrats Christoph Neuhaus voll lanciert.
Nach dem Thuner Stadtpräsidenten und Grossrat Raphael Lanz (56) hat diese Woche auch Daniel Bichsel, Grossrat und Gemeindepräsident von Zollikofen, seine Kandidatur bekannt gegeben. Wer offiziell auf das Wahlticket kommt, entscheidet die Kantonalpartei an der Nominationsversammlung vom 19. August. Der 56-jährige Bichsel verfüge als Grossrat, ehemaliger Präsident der Finanzkommission und Präsident des Verbands Bernischer Gemeinden über ein umfassendes Bild des Kantons Bern, schreibt seine Lokalpartei in einer Mitteilung.
Wie Bichsel im Wahlkreis Mittelland Nord wohnt der gut vernetzte Nationalrat Lars Guggisberg, der schon 2016 für den Regierungsrat kandidiert hatte. «Ich verzichte für die nächsten kantonalen Wahlen auf eine Kandidatur für den Regierungsrat», sagt Guggisberg nun aber zur «Hauptstadt». Er habe eine Kandidatur evaluiert, wolle sich aber derzeit auf die Arbeit als Direktor des Gewerbeverbands Berner KMU, sein Nationalratsmandat und das Präsidium des Verbandes Treuhand Suisse konzentrieren.
Damit dürften gemäss Partei-Insidern die beiden gewichtigsten Kandidaturen der SVP bekannt sein. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass der künftige SVP-Regierungsrat mit Lanz oder Bichsel ein eher urban geprägter Vertreter des staatstragenden Parteiflügels ist. Ganz klar ist die Ausgangslage aber noch nicht, da Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger aus seinem Wahlkreis noch eine Kandidatur angekündigt hat.
Offen ist auch, ob der 62-jährige Pierre Alain Schnegg, der seit 2016 den garantierten Jura-Sitz im Regierungsrat besetzt, wieder antritt. Laut SVP-Geschäftsführerin Aliki Panayides ist die Partei mit ihm im Gespräch. Bis zum 25. März können Kandidaturen parteiintern gemeldet werden.
Und jetzt noch zu anderen Themen des Tages:
- Nachtleben: Lotto, Tichu-Turniere, Pubquiz: Spielabende sind in Berner Clubs derzeit schneller ausverkauft als eine Silvesterparty. Dieser kleinen Revolution im Berner Nachtleben ging meine Kollegin Andrea von Däniken in ihrer Recherche nach. Sie berichtet von Clubbesitzern, die neue Pop-Up-Formate testen und wirft die Frage auf, wo man heute ein*e Partner*in für die Nacht oder das Leben kennenlernt.
- Kitas: Die Kitas der Stadt Bern haben im vergangenen Jahr erneut ein Defizit erwirtschaftet, diesmal von rund 2,5 Millionen Franken. So soll es laut der Direktion für Bildung, Soziales und Sport nicht weitergehen. Sie will die Kitas bis 2026 wieder kostendeckend betreiben. Dazu werde der Personalbestand der Auslastung angepasst und die Nachfrage für Kitaplätze mittels mehr Werbung angekurbelt, wie mein Kollege Nicolai Morawitz in seinem Artikel aufzeigt. Um die schwarze Null möglich zu machen, braucht es aber mehr: Laut der Stadt müssen neu und zusätzlich die sogenannten «trägerschaftsbedingten Mehrkosten» der städtischen Kitas abgegolten werden – mit Steuergeld. Das würde zu einer Entlastung um rund eine Millionen Franken führen.
- SC Bern: Gestern bestritt der Eishockeyspieler Miro Aaltonen, der an einer Party Kokain konsumiert hatte und deshalb gesperrt war, sein erstes Spiel für den SC Bern. Und er schoss gleich das entscheidende Tor, das dem SCB den Weg zum 4:1-Sieg gegen Ajoie ebnete. Damit haben sich die Berner vorzeitig für die Playoffs qualifiziert.
- Gelenkbusse: Bernmobil kann die Buslinie 10 nach Köniz und Schliern ab Sommer 2026 auf Doppelgelenktrolleybusse umstellen. Diese sollen die chronisch überfrequentierte Buslinie entlasten. Das Bundesamt für Verkehr hat die entsprechende Genehmigung erteilt. Nun wird zwischen den Haltestellen Monbijou und Brühlplatz für die neuen Busse eine Fahrleitung mit 180 Masten gebaut.
- Forschung: Die Wyss Academy for Nature an der Berner Kochergasse wird bis 2030 weiterfinanziert. Das haben die Wyss Stiftung, der Kanton und die Universität Bern gemeinsam entschieden, wie sie gestern mitteilten. Für die ersten 10 Jahre hatten Milliardär Hansjörg Wyss im Jahr 2020 100 Millionen Franken, Kanton und Universität je 50 Millionen Franken gesprochen. Eine externe Evaluation kommt nun zum Schluss, dass die Academy in den ersten fünf Jahren weltweit 60 Projekte erfolgreich aufgegleist hat. Deshalb sind die Unterstützer bereit, die Tranche für die zweiten fünf Jahre freizugeben. Was die Wyss Academy konkret bewirkt, hat Direktor Peter Messerli kürzlich in der «Hauptstadt» dargelegt.
- Egelsee: Die Stadt Bern reisst ein ihr gehörendes Wohnhaus an der Muristrasse beim Egelsee ab. Die entstehende Freifläche soll in den bestehenden Park integriert werden, schreibt die Verwaltung.
- Streichelzoo: Die Initiative für den Erhalt des Kinderzoos im Tierpark Dählhölzli in Bern dürfte zustande kommen. Die Initianten haben bereits über 5000 beglaubigte Unterschriften gesammelt, wie sie am Donnerstag mitteilten. Die Initiative mit dem Titel «Der Streichelzoo im Tierpark Dählhölzli muss bleiben!» soll nächsten Dienstag eingereicht werden. Den Streichelzoo brauche es, damit Kinder auch künftig einen Bezug zur Natur und zum Tierwohl aufbauen können, teilt das Komitee mit.
PS: Wer den italienischen Fussball liebt, geht heute Abend in die Alte Feuerwehr Viktoria im Breitenrain. Dort huldigt der Kulturverein Pecore Ribelli ab 19 Uhr dem vor einem Jahr verstorbenen Fussball-Helden Luigi «Gigi» Riva. Direkt aus Cagliari, wo «Gigi» seine ganze Karriere lang spielte, kommt sein Sohn Nicola und teilt Erinnerungen und Anekdoten über seinen Vater. Laut dem Verein hatte Riva Tugenden, die heutigen Fussballstars fehlen.